26.01.2016, 22:56  von Astrid Schuch/Herbert Geyer/Bloomberg/APA/Reuters

Apple schafft trotz allem neuen Rekordgewinn

Apple steuert auf ein schwieriges Quartal zu / Bild: (c) REUTERS (BECK DIEFENBACH)

Apple ist offensichtlich nicht in der Krise, in die es geredet wird: Im Schlussquartal 2015 schaffte der iPhone-Hersteller doch wieder einen neuen Rekordgewinn. Haarscharf, aber immerhin.

Apple hat im vergangenen Quartal einen neuen Rekordgewinn von 18,4 Milliarden Dollar (17 Mrd. Euro) erzielt, wie der Konzern nach Börseschluss mitteilte. Den Ausschlag dafür gab der Verkauf von knapp 76,8 Millionen iPhones. Der erfolgsverwöhnte Apple-Konzern hat somit den Absatz seines Kassenschlagers kaum noch gesteigert. Der Zuwachs von 0,4 Prozent ist so niedrig wie nie seit der Markteinführung vor neun Jahren. Vor einem Jahr war dem Unternehmen noch ein Absatzplus von 46 Prozent gelungen. Apple bekomme nun Zeichen für die wirtschaftliche Schwäche in China zu spüren, sagte Finanzvorstand Luca Maestri der Nachrichtenagentur Reuters.

Im abgelaufenen Quartal konnte Apple den Umsatz in der Volksrepublik noch um 14 Prozent steigern. Insgesamt kletterte er um 1,7 Prozent auf den Rekordwert von 75,87 Milliarden Dollar. Der Gewinn legte um 1,9 Prozent auf 18,36 Milliarden Dollar zu, was ebenfalls eine Bestmarke ist. Ein Großteil des Gewinnes entfällt auf das iPhone.

Zuletzt hatte bereits Samsung Electronics ein unerwartet schwaches Gewinnplus gemeldet. Weltweit besitzen zwar immer mehr Menschen ein Smartphone, kaufen sich aber nicht in jedem Jahr ein neues Modell.

Erster Umsatz-Rückgang erwartet

Für das laufende Vierteljahr rechnet Apple mit dem ersten Umsatzrückgang seit mehr als einem Jahrzehnt. Die Erlösprognose wurde auf 50 bis 53 Milliarden Dollar festgesetzt. Vor einem Jahr machte Apple in dem Quartal bis Ende März noch 58 Milliarden Dollar Umsatz.

Die Aktie zeigte sich im nachbörslichen Handel äußerst sprunghaft. Eine Viertelstunde nach Bekanntgabe der Bilanz war sie wieder unverändert. Seit Oktober war das Papier um elf Prozent gefallen.

Schwaches Börsenumfeld

Seit der iPhone-Konzern im Oktober seine letzte Quartalsbilanz präsentiert hat, verloren die Aktien elf Prozent an Wert. Freilich sind elf Prozent relativ. Schließlich befinden sich die Börsen angesichts der Talfahrt des Ölpreises und der Sorgen um die Konjunktur in China seit geraumer Zeit in schwierigem Fahrwasser. So büßte der Dax seit dem November-Hoch 15 Prozent seines Wertes ein.

Andererseits verlor der S&P 500 seit der Oktober-Quartalsbilanz von Apple nur 2,2 Prozent. Die Aktien des iPhone-Giganten sind im Vergleich zum US-Leitindex also eine echte Enttäuschung – verwirrend, bedenkt man, dass Apple seinen Umsatz im zurückliegenden Fiskaljahr um 28 Prozent auf 233,7 Milliarden Dollar steigern konnte und einen Gewinn von 53 Milliarden Dollar erwirtschaftet.

An der Börse wird aber leider nicht die Vergangenheit gehandelt, sondern die Zukunft. Und diesbezüglich gibt es einige Punkte, die die hausgemachte Apple-Angst schüren. Die Abhängigkeit vom iPhone ist wohl der Hauptgrund für die Sorgen. Obwohl der Konzern aus Cupertino die Produktpalette um die Apple Watch, Apple TV und Apple Music erweitert hat, bleibt das iPhone mit Abstand der wichtigste Umsatz- und Gewinnbringer. Das Smartphone zeichnete im Fiskaljahr 2015 für zwei Drittel des Umsatzes verantwortlich – vor drei Jahren war es nur die Hälfte. Vor dem Hintergrund dieser Abhängigkeit werden die Investoren rasch nervös, sobald sich eine Absatzschwäche beim iPhone ankündigt.  

Das Ende der zweistelligen Wachstumsraten

Nun schätzen Analysten laut dem Researchhaus FactSet StreetAccount, dass Apple zwischen Oktober und Dezember 75,5 Millionen iPhones verkauft hat, lediglich um 1,3 Prozent mehr als im Weihnachtsquartal 2014. Das wäre das langsamste Wachstum in einem Vierteljahr, das Apple jemals offenlegen musste – und weit weg von den zweistelligen Wachstumsraten, die Investoren gewohnt sind. Im Vergleichsquartal 2015 konnte Apple den iPhone-Absatz um 46 Prozent steigern.

Die Nachfrage nach den iPhone-Modellen 6S und 6S Plus, die am ersten Verkaufswochenende im September noch neue Rekorde aufstellten, schwächelt nun. Laut Marktkennern weisen sie weniger einzigartige Features auf als ihre Vorgänger.

Und was wohl noch wichtiger ist: Apple zapfte mit ebendiesen Vorgänger-Modellen, dem iPhone 6 und dem 6 Plus, im Jahre 2014 den wichtigen asiatischen Markt an und grub Konkurrent Samsung Electronics Marktanteile ab. Entsprechend schwer ist es, das Wachstum nun fortzuschreiben. "Apple wurde ein Opfer des eigenen Erfolgs – der Erfolg des Verkaufsschlagers iPhone 6 konnte nicht mit dem Folgeprodukt wiederholt werden, da viele Kunden entweder das alte, billigere iPhone 6 kauften oder nun auf das iPhone 7 warten", erklärt FBR Capital Markets-Analyst Daniel Ives gegenüber dem "Business Insider".

Die Konjunkturschwäche in China, dem Wachstumsmarkt für Apple, könnte freilich ebenfalls auf die Quartalsbilanz des Konzerns durchgeschlagen haben, da die Konsumenten sich bei ihren Ausgaben zurückhalten und auf den iPhone-Kauf verzichten oder ihn aufschieben.

Warten auf das iPhone 7

Was die Lage für die Apple-Aktionäre noch verschlimmert, wird wohl der Ausblick sein. CEO Tim Cook wird voraussichtlich einen Rückgang der Verkaufszahlen des iPhones für das zweite Quartal prognostizieren – das wäre eine Premiere. Noch nie seit dem Launch des iPhones im Jahre 2007 war der Absatz rückläufig.

Analysten rechnen damit, dass erst das iPhone 7 den Konzern wieder auf den Wachstumspfad zurückbringen wird. Das neue Modell soll, wie alljährlich, im September auf den Markt kommen. Etwaige Impulse könnte, so die Gerüchte wahr werden, das iPhone 5se bringen.

Wem also der erwartete Gewinn von 18,1 Milliarden Dollar im Weihnachtsquartal nicht Grund genug für ein Engagement in Apple-Aktien ist, der kann, wie es die Börse nunmal tut, auf die iPhone-7-Zukunft wetten. Das tut wohl auch die Mehrheit der Analysten: 43 von 50 Investmenthäusern empfehlen die Apple-Aktie zum Kauf – in zwölf Monaten sollen die Titel demnach bei 141,50 Dollar handeln. Auch die Aussichten sind also relativ. Relativ schön in diesem Fall.

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