28.01.2016, 12:39  von Bloomberg/Astrid Schuch

"Das Auf und Ab an den Börsen geht gerade erst los"

Leicht wird 2016 für Aktionäre voraussichtlich nicht - die Nerven liegen blank / Bild: Reuters

Der Jänner neigt sich dem Ende zu. Glücklicherweise, denkt sich vielleicht so mancher Aktionär. War es für die Börsen in Europa doch der schlechteste Jänner seit 2008. Leider gibt es nur wenige Marktkenner, die nun guter Dinge sind. Viel mehr ist das Gegenteil der Fall: Börsianer bleiben nervös und rechnen mit dem Schlimmsten.

Die Europa-Börsen hätten in der Tat einen besseren Jahresstart hinlegen können. Der Stoxx Europe 600 Index verlor im Jänner noch einmal sieben Prozent, womit europäische Aktien in einen Bärenmarkt (Verluste von 20 Prozent und mehr) abrutschten. 

Zunächst macht der Ölpreis die Anleger nervös. Nach einer monatelangen Talfahrt und einem Rückfall auf den tiefsten Stand seit mehr als zwölf Jahren in der vergangenen Woche, bewegen sich die Notierungen seit Montag in einer Bandbreite zwischen 29 und 33 Dollar kräftig auf und ab. Die Schwankungen sind enorm. "Die Ölpreise befinden sich auf einer Achterbahnfahrt", beschreiben die Rohstoffexperten der Commerzbank die jüngste Preisentwicklung.

Neben dem Ölpreis und der Abschwächung des Wirtschaftswachstums in China sorgt auch die divergierende Notenbankpolitik auf beiden Seiten des Atlantiks für Unruhe an den Märkten.

Entsprechend hoch ist die Schwankungsbreite bzw. die Volatilität in Europa. Der VStoxx-Index, ein Indikator für die Nervosität im Markt, schoss zuletzt regelrecht in die Höhe – genau wie das Volumen der gehandelten Terminkontrakte auf den "Angst"-Index: Die Händler wetten, dass die Volatilität noch deutlich länger hoch bleiben wird. Mit anderen Worten: Aus der entspannten Comeback-Rally wird wohl bis auf Weiteres nichts. Börsianer werden jede Info zur möglichen Richtung der Aktienmärkte auf die Waagschale legen und für ein ordentliches Hick-Hack an den Börsen sorgen.

Cash is King

"Die hohe Volatilität wird uns für eine lange, lange Zeit begleiten", schätzt Guillermo Hernandez Sampere, Händler bei MPPM EK. Er hat den Cash-Anteil in den Portfolios aufgrund der Turbulenzen an den Börsen erhöht. Und er ist damit nicht alleine: Weltweit haben Profi-Anleger den Cash-Anteil in den Depots auf durchschnittlich 5,4 Prozent erhöht, der dritthöchste Wert seit 2009, wie Bank of America errechnet hat. "Es gibt einige Dinge, die Öl ins Feuer gießen könnten – als Draufgabe zu den Sorgen rund um China und der Notenbankpolitik", gibt Sampere im Gespräch mit Bloomberg zu Bedenken.

Wegen dem Ölpreisverfall und dem Einbruch an den Börsen sowie der Angst, dass China die Weltwirtschaft eventuell mit nach unten zieht, hat EZB-Chef Mario Draghi angekündigt, die Geldpolitik womöglich erneut zu lockern. Unterdessen hat die Fed den Leitzins bereits angehoben und dürfte 2016 weitere Schritte vornehmen. Sie orientiert sich dabei hauptsächlich an der US-Konjunktur und weniger an den internationalen Schwierigkeiten, solange sie die heimische Wirtschaft nicht beeinträchtigen. 

Nicht, dass es in den USA ruhig gewesen wäre: Mehr als 2 Billionen Dollar wurden an den Aktienmärkten in Übersee Anfang des neuen Jahres ausradiert und das Handelsvolumen im VIX-Index (Chicago Board Options Exchange Volatility Index), dem US-Pendant des europäischen VStoxx-Index, stieg kräftig an. Die US-Wirtschaft schlägt sich aber aktuell noch wacker, sodass Fed-Chefin Janet Yellen offenbar wenig Grund sah, eine lockere Gangart bei der Wortwahl einzuschlagen.

"Eine Rezession ist nicht in Sicht"

Aber selbst die Aussichten für die europäische Konjunktur sind nicht so schlecht, analysiert Ion-Marc Valahu, Fondsmanager bei Clairinvest in Genf. Die jüngsten Daten zur Arbeitslosigkeit waren besser als erwartet und das Vertrauen in die Konjunktur ist so gut wie seit 2011 nicht mehr. Valahu geht daher davon aus, dass der Abverkauf bei europäischen Aktien zu massiv war. "Sollte es zu vielen Pleiten kommen, dann werden wir eine miserable zweite Jahreshälfte erleben, aber ich sehe nicht, wie es soweit kommen sollte", erklärt Valahu gegenüber Bloomberg. "Alles hängt von den Konjunkturdaten ab, und die waren nicht so schlecht. Eine Rezession ist nicht in Sicht."

Das Problem ist allerdings, dass die Börsen auf äußere – globale – Einflüsse reagieren. Das heißt, selbst wenn es der europäischen Konjunktur gut geht, werden europäische Aktien extrem volatil bleiben, entgegnet Christian Zogg von LLB Asset Management. "Das ist kein europäisches Problem - daher reagiert der Markt auch nicht positiv auf die Aussagen der EZB", sagt Zogg. In der Regel steigen die Aktienkurse, sobald sich die Währungshüter in Richtung Lockerung der Geldpolitik bewegen. Meist reicht die bloße Aussicht auf billiges Geld, um die Börsen anzutreiben. Das war aber zuletzt nicht der Fall. "Die niedrige Volatilität, die wir 2014 hatten, wird so schnell nicht zurückkehren", summiert Zogg. 

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