12.02.2016, 06:52  von Manfred Haider

Anleger bringen ihr Geld in Sicherheit

Bild: iStock

Die Korrektur auf dem Aktienmarkt hält an. Der europäische Bankenindex fällt um mehr als sechs Prozent. Experten sehen bereits eine Übertreibung. Gold ist wieder sehr gefragt.

WIEN. Die Erholung vom Mittwoch war noch keine Trendwende, denn am Donnerstag ging es mit dem Aktienmarkt weiter kräftig nach unten. Deutsche Bank und Commerzbank gaben ihre hohen Kursgewinne vom Vortag wieder ab. Der europäische Bankenindex sank um mehr als sechs Prozent, wodurch sich das Minus seit Jahresbeginn bereits auf mehr als 28 Prozent summiert. Dies zeigt die Aufsplittung des Stoxx-600-Index in Branchen. Kein einziger Sektor notiert seit Jahresbeginn im Plus. Am glimpflichsten kamen noch defensive Konsumaktien davon.

Es gibt auch Ausnahmen

Société Générale meldete für das vierte Quartal einen Anstieg des Nettogewinns von 549 auf 656 Millionen € und verfehlte die Erwartungen nur knapp. Die Aktie war dennoch einer der größten Verlierer der Branche. Hohe Sonderlasten wegen Rechtsstreitigkeiten drückten auf den Gewinn der zweitgrößten französischen Bank. Insgesamt belief sich die Vorsorge Ende 2015 bereits auf 1,7 Milliarden €.

Bei der Komerční Banka ist der Gewinn 2015 um 1,5 Prozent auf 12,8 Milliarden Kronen (473 Millionen €) gesunken, womit die Erwartung verfehlt wurde. Die Aktie hatte sich seit Jahresbeginn sehr gut behauptet, rutschte tagesaktuell aber auch in die Verlustzone. Im ATX gab es bei RBI und Erste Group Abschläge. Im ATX notiert seit Jahresbeginn keine Aktie im Plus, im WBI hingegen schon. Mit der Oberbank ist darunter sogar eine Bankaktie.

Obwohl die generelle Skepsis der Anleger seit Ende der Finanzkrise noch nie so groß war, sehen einige Analysten aber auch bereits eine Übertreibung. Europäische Banken seien heute in einem viel besseren Zustand und kurzfristige Rallyes seien wahrscheinlich, auch wenn die Volatilität bestehen bleibe, meinen etwa die Experten der UBS. Anleger, die nach Investmentbank-Exposure suchen, werden die Aktien von Lloyds, ING und Barclays zum „Kauf“ empfohlen.

Ruf nach den Notenbanken

„Investoren brauchen eine eindeutigere Geldpolitik“, meinte hingegen Unicredit-CEO Federico Ghizzoni im Interview mit Bloomberg TV. Es sei „dem Markt nicht vollständig klar, was der nächste Schritt der Fed in den USA sein wird“.

Die schwedische Zentralbank senkte gestern ihren Leitzins hingegen überraschend deutlich von minus 0,35 auf minus 0,5 Prozent. Auch die Schweizer Notenbank schloss eine weitere Zinssenkung nicht aus, obwohl die Negativzinsen bereits minus 0,75 Prozent betragen. Die EZB hat angesichts eines Leitzinses von aktuell 0,05 Prozent ebenfalls bereits viel Pulver verschossen. Sie kauft aber weiter Staatsbonds auf. In der Vorwoche nahm sie ein Volumen von 13,16 Milliarden € in ihre Bücher und damit etwas weniger als zuletzt. Auf dem Aktienmarkt lastet auch der anziehende Eurokurs gegenüber dem Dollar, sowie der weiter sinkende Ölpreis. Seit Jahresbeginn summiert sich das Minus bei Brent bereits auf mehr als 16 Prozent. Bei Gold beträgt das Plus nach den gestrigen Aufschlägen hingegen bereits mehr als 18 Prozent.

Auf dem Anleihenmarkt sind deutsche Staatsanleihen sehr gefragt, wodurch die Rendite zehnjähriger Titel wieder auf rund 0,15 Prozent gesunken ist. Portugiesische Staatsanleihen bekommen die Risikoscheu der Anleger hingegen zu spüren. Seit Jahresbeginn ist die Rendite bereits von 2,5 auf 4,3 Prozent gestiegen.

Bei der Aktie des schwedischen Pharmakonzerns Meda gab es ein Plus von fast 70 Prozent, nachdem US–Konkurrent Mylan ein Übernahmegebot in Höhe von rund 9,9 Milliarden US-$ (inklusive Schulden) vorgelegt hat. Auch die Aktie von Adidas behauptete sich dank überraschend starkem Umsatz- und Gewinnwachstum.

Abschläge gab es dann wieder bei Zurich. Der Versicherer kommt zum Amtsantritt seines neuen CEOs, Mario Greco, nicht aus der Krise. Wegen des Konzernumbaus und Problemen bei der Schadensversicherung brach der Gewinn 2015 um mehr als die Hälfte auf 1,8 Milliarden $ ein. Nun stehen beim Schweizer Konzern 8000 Jobs zur Disposition.


[LYYMB]

("Wirtschaftsblatt", Print-Ausgabe, 12.02.2016)

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