12.02.2016, 16:17  von Reuters/schu

Zinswende der Fed gerät in Gefahr

Janet Yellen / Bild: (c) REUTERS (CARLOS BARRIA)

Mitte Dezember sprach Fed-Chefin Janet Yellen noch von einer allmählichen Normalisierung der Geldpolitik in den USA. Doch weniger als zwei Monate später könnten ihre Pläne, mit behutsamen Zinserhöhungen einem sich festigenden Aufschwung zu folgen, schon wieder ins Wanken geraten.

Die Gründe: Der Ölpreis ist im freien Fall, Verwerfungen an den globalen Finanzmärkten und die Sorge vor einer anhaltenden Schwächephase der chinesischen Wirtschaft. All das könnte die Erholung der weltgrößten Volkswirtschaft ausbremsen. Die US-Notenbankchefin wäre dann womöglich gezwungen, wieder zu unkonventionellen Instrumenten zu greifen wie schon in den Jahren nach der Finanzkrise.

Sie prüfe Wege, um vorbereitet sein, sagte die Fed-Chefin diese Woche vor Ausschüssen des Repräsentantenhauses und des Senats. Auch negative Schlüsselzinsen, die manche Zentralbanken in Europa und inzwischen auch Japans Notenbank eingeführt haben, seien als Option nicht vom Tisch. Aber ob diese Medizin auch der US-Wirtschaft helfen würde, ist keineswegs sicher. "Wir haben sie schon einmal untersucht und entschieden, dass sie nicht gut wirken würde", so Yellen. Mit einem negativem Zins - etwa beim sogenannten Einlagensatz - sollen Banken dazu angeregt werden, mehr Kredite an Firmen und Haushalte zu vergeben und so die Konjunktur zu stützen. Geschäftsbanken müssen dann Strafzinsen zahlen, wenn sie Geld bei der Notenbank horten.

Allerdings ist die US-Wirtschaft im Unterschied zu Europa viel stärker auf die Finanzierung über den Kapitalmarkt angelegt. Kreditfinanzierungen über Banken spielen eine geringere Rolle. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte ihren Einlagensatz erstmals 2014 unter die Nulllinie gesenkt. Seit Dezember liegt er nun bei minus 0,3 Prozent. In Schweden sind es minus 0,5 Prozent. Auch in Japan müssen Finanzinstitute inzwischen auf ihre laufenden Konten bei der Notenbank eine Gebühr von 0,1 Prozent zahlen.

Was tun?

Bislang zeigen die Konjunkturdaten in den USA allerdings immer noch eine anhaltende Erholung der Wirtschaft an. Dies belegen auch die jüngsten Daten zu den Einzelhandelsumsätzen, die im Januar stärker als erwartet zulegten. Dazu kommt nach wie vor ein solides Jobwachstum, was der Fed immer noch Argumente für weitere Zinserhöhungen liefert. Aber der unerwartet langanhaltende Ölpreisrutsch, die Stärke der US-Währung und die Folgen der Konjunkturabschwächung in China lassen die Finanzmärkte immer mehr daran zweifeln, dass sich die Inflationsrate wie von der Fed angestrebt bald wieder der Zielmarke von 2,0 Prozent annähert.

"Die Politik-Optionen der Fed sind nicht großartig", sagt Jon Faust, Volkswirt an der Johns Hopkins Universität in Baltimore, ein ehemaliger Fed-Berater. Staatsanleihenkäufe könnten zwar helfen, eine Erholung zu verstärken. "Das ist aber nicht das Gleiche, wie eine Wirtschaft zu wenden, die sich abwärts bewegt." Da die Leitzinsen immer noch nahe null Prozent liegen, ist eine weitere Senkung wahrscheinlich ebenfalls nicht das geeignete Mittel. "Es gibt Grenzen für das, was Geldpolitik leisten kann", sagt auch John Cochrane von der Hoover Institution, einer Denkfabrik der kalifornischen Stanford Universität.

Alle Blicke sind nun auf die Sitzung der Fed am 15. und 16. März gerichtet. Dann werden auch neue Wirtschaftprognosen der Notenbank vorliegen. Sie werden zeigen, ob die Zinswende in den USA wirklich auf Dauer angelegt ist.

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