17.02.2016, 06:41  von Manfred Haider

Imperiale Gelüste der Araber

Bild: Neubauer

Die Al Habtoor Group kauft das Hotel Imperial in Wien. Andere arabische Investoren sind längst an westlichen Firmen beteiligt – darunter OMV, Unicredit, Credit Suisse und Volkswagen.

Knalleffekt in der Wiener Luxushotellerie: Der US-Hotelkonzern Starwood Hotels & Resorts verkauft um 78,8 Millionen € das Hotel Imperial in Wien an einen Investmentzweig der Al Habtoor Group. Ein Teil der Vereinbarung ist, das Fünfsternehaus in den nächsten vier Jahren zu renovieren. Betrieben wird es weiterhin von Starwood, das bereits mehrere Hotels der Al Habtoor Gruppe betreut.

Die Al Habtoor Group aus Dubai ist weltweit an verschiedenen Sektoren beteiligt, darunter Bauwirtschaft, Bildung, Tourismus und Automotive. In Europa besitzt Al Habtoor bereits zwei Hotels in Budapest (Le Méridien und InterContinental) sowie das Hilton London Wembley Hotel.

Tiefer Ölpreis trübt das Bild

Chairman des Konzerns ist Khalaf Ahmad Al Habtoor, der bei seinen bisherigen Wien-Besuchen stets im Hotel Imperial genächtigt hat und sich so in das Gebäude verliebt hat, wie er gegenüber der APA meint. Der Kauf sei nur ein erster Schritt in Richtung weiterer Investitionen und er wolle auch andere Unternehmer aus den Vereinigten Arabischen Emiraten ermutigen, in Wien zu investieren.

Freilich wirkt der tiefe Ölpreis für die reichen Staatsfonds dieser Welt nicht gerade animierend, sich derzeit weiter an westlichen Konzernen zu beteiligen. In Summe verwalten diese ohnehin bereits ein Vermögen von 7156,9 Milliarden US-Dollar, davon entfallen 4021,4 Milliarden auf Fonds, die aus den Einnahmen von Öl und Gasgeschäften gespeist werden, wie die Daten des Sovereign Wealth Fund Institute zeigen. Davon stammen etliche aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Der größte ist aber der norwegische Staatsfonds mit 825 Milliarden Dollar.

Zweitgrößter VW-Aktionär

Zweitgrößter Staatsfonds, der aus Öleinnahmen gespeist wird, ist mit einem Volumen von 773 Milliarden $ der Abu Dhabi Investment Authority. Der Fonds ist über die Aabar Luxembourg S.A.R.L. sogar der größte Aktionär der Bank-Austria-Mutter Unicredit. Dank eines Anteils von 5,049 Prozent sitzen die Araber klarerweise auch im Aufsichtsrat und können dadurch Einfluss auf die Konzernspitze nehmen. Aber auch Beteiligungen an wichtigen Infrastrukturunternehmen, wie dem Hafen im australischen Brisbane, gehören zum Portfolio des Fonds.

Ab und zu steht aber auch ein Rückzug auf der Agenda. So trennte sich erst Mitte Oktober die Qatar Investment Authority von rund zehn Prozent der Anteile am deutschen Baukonzern Hochtief. Dennoch hatte sich für das Emirat das Engagement gelohnt, um rund 57 Euro je Aktie war es einst eingestiegen, zu 77 erfolgte der Ausstieg.

Der 256 Milliarden Dollar schwere Staatsfonds ist über seinen Investmentarm Qatar Holding LLC aber noch an einem wesentlich größeren deutschen Unternehmen beteiligt. Nach der Porsche Automobil Holding, die 50,73 Prozent der Stimmrechte des Volkswagen-Konzerns hält, und dem Land Niedersachsen, das 20 Prozent besitzt, ist die Qatar Holding mit einem Anteil von 17 Prozent der drittgrößte Aktionär von Europas größtem Autobauer. Im VW-Aufsichtsrat sitzen Hussain Ali al-Abdulla, Vize-Chairman der Qatar Holding, und Akbar Al Baker, CEO der staatlichen Fluglinie Qatar Airways.

Spannung bei OMV

Die Qatar Holding hält auch 4,98 Prozent der Credit-Suisse-Aktien, wie auf der Investor-Relations-Seite der Schweizer Großbank nachzulesen ist. In Summe wird aber eine Beteiligung von 18,57 Prozent angegeben.
Der Grund dafür liegt im Jahr 2013, als das Emirat Katar Credit-Suisse-Anleihen im Wert von 4,5 Milliarden Dollar gegen Pflichtwandelanleihen (sogenannte CoCo-Bonds) getauscht hat. Sollte die Credit Suisse in finanzielle Schieflage geraten, würden diese zu Aktien – und die Beteiligung Katars an der Bank damit automatisch größer. Weiters ist dieser Fonds mit einem Anteil von 10,3 Prozent auch der größte Aktionär der Londoner Börse sowie mit einem Anteil von mehr als 25 Prozent der größte Anteilseigner der britischen Kaufhauskette Sainsbury.

Nicht vergessen darf man auch auf die International Petroleum Investment Company (IPIC) aus Abu Dhabi, die derzeit ein Vermögen von insgesamt 66,3 Milliarden $ verwaltet. Sie ist seit mehr als 20 Jahren der zweitgrößte Aktionär des heimischen Ölkonzerns OMV und hält einen Anteil von 24,9 Prozent.

Morgen Donnerstag will CEO Rainer Seele eine neue Strategie für die OMV präsentieren – das Konzept Fit for Fifty seines Vorgängers Gerhard Roiss greift bei einem Preis von unter 35 Dollar nämlich nicht mehr. Teil dieser Neuausrichtung wird eine Verlagerung der Produktion hin zu Niedrigkostenländern sein. „Da denken wir spezifisch an Abu Dhabi, den Iran und Russland“, hat Seele bereits Ende Jänner angekündigt.

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