28.01.2015, 11:06  von Arne Johannsen

Eckhard Sauren: "Entweder mehr Risiko – oder weniger Rendite"

Dachfondsmanager Eckhard Sauren / Bild: Philippe Ramakers

Deutschlands Dachfonds-Pionier Eckhard Sauren sieht vorsichtige Anleger am Scheideweg: „Hohe Renditen mit wenig Risiko wird es in Zukunft nicht mehr geben.“ Auch Lebensversicherungen und Immobilien hält er für weniger sicher, als viele Anleger glauben. Angstmache, um für die eigenen Fonds zu werben? „Nein. Aber wer seine konservative Anlagestrategie beibehält, wird Geld verlieren. Darauf muss man hinweisen.“

WirtschaftsBlatt: Die Freigabe des Wechselkurses für den Schweizer Franken bewegt derzeit die Finanzmärkte. Wie schätzen Sie die Folgen ein?

Eckhard Sauren: Es ist nachvollziehbar, dass die Schweizer Nationalbank reagiert hat. Auch wenn die Entscheidung, die Währung frei floaten zu lassen, vielleicht die falsche war.

Was wäre besser gewesen?

Sauren: Es hätte auch die Alternative gegeben, einen Korb aus Euro und Dollar zu bilden und für diesen eine gewisse Bandbreite festzusetzen. Das wäre für die Unternehmen und den Markt einfacher gewesen.

Anleihen und Rentenfonds waren für Anleger die großen Gewinner der vergangenen Jahre. Wird sich das fortsetzen?

Sauren: Nein, kann es ja gar nicht. Die Zinsen sind bereits so tief, dass hier keine nennenswerten Kursgewinne mehr möglich sind. Und die Kupons sind so niedrig, dass sich damit keine sinnvollen Renditen mehr erzielen lassen. Also rate ich Anlegern, zu verkaufen und die Kursgewinne mitzunehmen.

Warum soll ich eine ältere Anleihe, die 4 oder 5 Prozent jährliche Zinsen bringt, verkaufen, wenn ich keine Alternative habe, das Geld entsprechend lukrativ wieder anzulegen?

Sauren: Eine solche Anleihe hat zwar einen hohen Zinskupon, notiert aber auch deutlich über ihrem Nominalwert und bietet damit allenfalls noch eine minimale laufende Verzinsung. Wenn Sie diese Anleihe behalten, ist nur sicher, dass Sie bis zur Fälligkeit Kursverluste erleiden. Und Sie verpassen die Chance auf Gewinne mit einer anderen Geldanlage. In vielen Wertpapier-Depots sind diese Anleihen nur, weil sie nun mal gekauft worden sind. In einem aktuell zusammen gestellten Portfolio gäbe es diese Anleihen wegen des ungünstigen Verhältnisses von Risiko zu Ertrag nicht.

Wo sind meine Euros denn besser investiert?

Sauren: Vor allem für konservative, sicherheitsorientierte Anleger ist das eine schwierige Frage. Sicher ist nur, dass diese Geld verlieren, wenn sie ihre bisherige Strategie beibehalten. Ich empfehle flexible Rentenstrategien, die durch eine Mischung von Staats- und Unternehmensanleihen, Bonitäten, Laufzeiten und eventuell auch Währungen immer noch gute Renditen erzielen. Auch Absolute-Return-Fonds sind zu empfehlen. Sie bieten eine höhere Flexibilität, da sie sich nicht an klassischen Benchmarks orientieren, sondern flexibel agieren können, um einen absoluten Wertzuwachs zu erzielen, u.a. auch durch Derivate.

Bedeutet, dass der Anleger ein höheres Risiko nehmen muss…

Sauren: Anleger werden bei vergleichbaren Risiken wie bisher in Zukunft nicht mehr diese Renditen erzielen wie in den vergangenen Jahren. Also müssen entweder die Renditeerwartungen reduziert oder Kursschwankungen akzeptiert werden. Auch ein risikoscheuer Anleger wird ohne eine gewisse Aktienquote von 10 oder 20 Prozent keine sinnvolle Rendite mehr erzielen können.

Leider schneiden die weitaus meisten Fondsmanager schlechter ab als der jeweilige Index. Warum also auf fünf Prozent jährliche Zinsen aus einer Anleihe verzichten und mein Geld einem Fondsmanager anvertrauen, der vermutlich schlechter abschneidet als der Markt?

Sauren: Die Märkte haben in den vergangenen Jahren kräftigen Rückenwind gehabt. Da war tatsächlich die simpelste Anlageentscheidung, nämlich einen Index zu kaufen, oftmals die beste. Aber das wird sich nicht fortsetzen, weil in den nächsten Jahren der Wind von vorne bläst.

Aber auch mit Rückenwind war es keinem Fondsmanager verboten, besser als die Benchmark abzuschneiden…

Sauren: Selbstverständlich kommt es auf die gezielte Auswahl der besten Fondsmanager an, das ist ja seit vielen Jahren die erfolgreiche Strategie der Sauren-Dachfonds.

Sie weisen in Ihrem neuen Buch auf die Risiken von klassischen Lebensversicherungen und Immobilieninvestments hin. Ist das Angstmache, um für ihre eigenen Produkte zu werben?

Sauren: Nein, absolut nicht. Aber die meisten Anleger sind auf eine längere Niedrigzinsphase nicht eingestellt. Und mit den weit verbreiteten Investments in Anleihen und klassische Rentenfonds wird in Zukunft kein Geld mehr zu verdienen sein. Und auch andere „sichere“ Investment sind weniger sicher, als viele Anleger glauben. Darauf muss man hinweisen. Immobilien unterliegen nur deshalb gefühlt niedrigen Schwankungen, weil es keine täglichen Preisfeststellungen gibt wie etwa bei Aktien oder Fonds. Und bei den Lebensversicherungen, die ja zu 90 Prozent in festverzinsliche Anlagen investieren, sehe ich die in den Verträgen gegebenen Garantiezinsen in Gefahr. Ich wünsche mir ja auch nicht, dass ein solches Szenario eintritt. Aber die Wahrscheinlichkeit ist einfach sehr, sehr groß. Und darauf sollten Anleger vorbereitet sein.

Warum leben Sie nicht schon lange in der Karibik und genießen das Leben, wenn Sie wirklich das Rezept für die optimale Geldvermehrung gefunden haben?

Sauren: Ach wissen Sie, das Leben dort wird nach dem dritten Cocktail auch langweilig. Mir macht die Arbeit ja Spaß, ich habe Erfolg. Und die Situation an den Finanzmärkten ist wirklich eine Challenge, die ich meistern will.

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Zur Person

Eckhard Sauren, 43, gehört zu den erfolgreichsten Dachfonds-Manager Deutschlands. Seine 1991 gegründete Sauren Finanzdienstleistungen in Köln verwaltet über zwei Milliarden Euro Kundengelder in 14 Dachfonds. Saurens Ansatz liegt in der genauen Betrachtung und qualitativen Analyse der jeweiligen Fondsmanager. Sein aktuelles Buch „Die Zinsfalle. Die neue Bedrohung für konservative Anleger – Gefahren für das Portfolio erkennen und vermeiden“ erscheint Anfang Februar im FinanzBuch Verlag.

 

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