02.07.2015, 17:19  von Manfred Haider

„Der Goldpreis ist künstlich“

Experten gehen davon aus, dass sich der Goldpreis spalten könnte. / Bild: (c) EPA (LGL GOLD / HANDOUT)

Obwohl die Händler gegenüber dem WirtschaftsBlatt von einem sprunghaften Anstieg der Goldnachfrage berichten, tendiert der Goldpreis fast demonstrativ seitwärts.

Wien. „Seit Montag ist der Umsatz im Vergleich zu einem durchschnittlichen Handelstag um ca. 200 Prozent höher“, sagt Birgit Writze vom Edelmetallhändler Philoro. Gefragt seien bei Goldmünzen aktuell kleinere Stückelungen, wie die 1/10- oder 1/2-Unze. Im Barrensektor greifen Kunden vermehrt zu Tafelbarren, die mittels Sollbruchstelle verbunden sind und sich leicht verlustfrei trennen lassen.

Explosionsartiger Anstieg

Klingt irgendwie nach Krisenstimmung, denn kleine Stückelungen sind vor allem in Krisenzeiten gefragt, weil sie sich leicht in Waren eintauschen lassen. So weit sind wir in Österreich zwar noch lange nicht, aber die Turbulenzen um Griechenland haben die Menschen aufgeschreckt.

Auch andere Händler berichten von einem sprunghaften Anstieg. „Wir hatten im Juni 2015 in Summe cirka dreimal so hohe Goldumsätze, als im Juni des Vorjahres“, sagt Andrea Lang von der Münze Österreich. Da das 820 Jahre alte Unternehmen heute weltweit agiert, ist das auch ein aussagekräftiges globales Stimmungsbild. Langs Angaben beziehen sich auf alle in Wien von der Münze Österreich produzierten Barren und Münzen, die dann über die eigene Homepage oder über Vertriebspartner in Österreich, den USA, Japan und anderen Ländern verkauft werden. „Bei kleineren Summen ist man mit dem Philharmoniker am besten bedient“, sagt Lang. Weil den könne man leicht wieder veräußern. „Wir stellen aber auch fest, dass die Kunden bei höheren Investments mit Barren in größeren Einheiten mischen.“

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„Wir mussten unsere Produktion hochfahren, um der gestiegenen Nachfrage Rechnung zu tragen“ sagt Ögussa-Geschäftsführer Marcus Fasching. „Immerhin sprechen wir im ersten Halbjahr von einem Plus von rund 70 Prozent im Vorjahresvergleich.“

Der am häufigst verkaufte Barren sei der 100-Gramm-Barren, den größten Nachfrageanstieg gab es aber bei den Ein-Kilo-Barren. Für Fasching ein klarer Indikator, dass die Tendenz hin zu einer Aufstockung von echtem Investment gehe. Laut Ögussa-Vertriebschef Reinhard Walz gab es im zweiten Quartal einen explosionsartigen Anstieg, während das erste Quartal nur leicht über dem Vorjahr lag. Auf die Frage zum Klientel antwortet Walz: „Alle Menschen, die derzeit durch die europäische Politik verunsichert sind, und das trifft leider auf sehr viele zu.“

Vertrauen verloren

„Wir haben sehr viele Kunden aus der Mittelschicht. Leute wie du und ich“, sagt Walter Hell-Höflinger, Firmengründer von Gold & Co. Entsprechend deckten sich die Kunden in den vergangenen zwei Wochen vermehrt mit kleineren Stückelungen ein. „Das Kollektiv hat oft ein besseres Gespür als der beste Analyst“, sagt Höflinger. „Die kritischen Denker haben sehr viel Vertrauen in die Politik, die Staaten, die Währungen und auch in die Medien verloren.“

Doch warum steigt trotz verstärkter Nachfrage der Goldpreis nicht, sondern bewegt sich auffallend seitwärts? „Der Goldpreis ist eigentlich künstlich“, sagt Höflinger. Das Problem sei, dass die Banken versuchen, den Nimbus der Sicherheit der Währung mit aller Gewalt zu erhalten. Früher oder später rechne er damit, dass es zu einer Aufspaltung des Goldpreises an der Börse und dem Preis für physisches Gold kommen werde.

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Wir hatten im Juni dreimal so hohe Goldumsätze, als im Juni des Vorjahres.

Andrea Lang, Sprecherin, Münze Österreich

Seit Montag ist der Umsatz im Vergleich zu einem durchschnittlichen Handelstag um 200 Prozent höher.

Birgit Writze, Unternehmenssprecherin, Philoro

Wir mussten unsere Produktion hochfahren, um der gestiegenen Nachfrage Rechnung zu tragen.

Marcus Fasching, Geschäftsführer, Ögussa

Die kritischen Denker haben sehr viel Vertrauen in die Politik, die Staaten, die Währungen und auch in die Medien verloren.

Walter Hell-Höflinger, Firmengründer, Gold & Co

Kommentare

9 Kommentare

Gast: Rudi98 meint

Wieder ein Werbeartikel für Gold!
Wie oft sagten die "Kenner" schon einen Wahsinns-Preisanstieg bei Gold voraus, in der Hoffnung, dass wenigsten ein paar sich zu einem Kauf verführen lassen, damit der Goldpreis tatsächlich ein wenig steigt.
Weil die Händler sitzen auf massiven Goldbeständen, die unter Wasser sind!

Alles nur Glaskugelschau - keiner weiß wirklich, wann der Goldpreis wieder steigen könnte!
Auslöser sind meist große Katastrophen, Kriege, Unruhen - aber sogar der Krieg im arabischen Raum samt IS-Kalifat löst keinen Goldpreisanstieg herauf! Auch keine griechische Tragödie!
Also bleibt den Goldbesitzern nur die Hoffnung, dass es irgendwo ordenlich scheppert!

verfasst am 02.07.2015, 17:17

Gast skeptisch: Bei Ögussa zahlst für einen 100g Barren, gepresst, ca. 3 % an und Verkaufsspesen. Extreme unterschiede (und auch USt) zahlst bei Silber. Da sind dann für eine Unze Blättchen 30,-- fällig bei einem Kurswert von 15,90. Aber auch etwas Silber sollte man haben. Und wer wenig Geld hat, kaufe sich 1/10 Unzen Philharmoniker - die kennt jeder und nimmt im Notfall auch jeder.

verfasst am 02.07.2015, 16:48

mit An- und Verkaufpreise sind die Edelmetalle doch sehr teuer....

verfasst am 02.07.2015, 15:33

Gast: er meint

Gibt es irgend etwas auf dieser Welt dass nicht vom US Imperator manipuliert oder gesteuert wird. Mit dem Niedergang des USD und der USA werden endlich goldene Zeiten anbrechen. Nur noch eine Frage der Zeit! Und die ganzen Geld-Papiersammler werden sich mit ihren wertlosen ungedeckten Schuldscheinen den........................

verfasst am 02.07.2015, 14:14

Bitte, liebe Zentralbanken und in deren inoffiziellem Auftrag agierende Investmentbanken, bitte, bitte mischt euch nicht länger in manipulatorischer Weise in den Goldmarkt ein! Wenn euer großartiges dollarbasiertes Papiergeldsystem so leistungsfähig ist, wie ihr vorgebt, dann habt ihr das doch gar nicht nötig! Oder etwa doch? Jedenfalls ist ein Wettläufer, der die Stoppuhr seines Konurrenten manipulieren muss, um zu gewinnen, sehr, sehr unsportlich. Und am Ende kommt man ohnehin dahinter. Dann wird's ganz, ganz peinlich.... Also: Fair play ist gefragt!

verfasst am 02.07.2015, 12:44

Heute genauso "künstlich" wie der in der Vergangenheit "manipulierte" Kurs. Goldkauf ist Spekulation in Reinkultur, es gibt keinen objektiven (Angebot/Nachfrage) Goldkurs, hier walten dunkle Mächte um es prosaisch auszudrücken......

verfasst am 02.07.2015, 12:23

Logos meint

Mit dem Aufkommen des Papiergoldes und seiner nur mehr teilweisen Bedeckung durch physische Bestände wurde Zockern der Einstieg ermöglicht und der Goldpreis nachhaltig von wirtschaftspolitischen und politischen Entwicklungen entkoppelt. Diese ungünstige Beeinflussung kann nur durch eine Entkoppelung des Goldpreises weg von der Börse und hin zum tatsächlichen Wert physischen Goldes erreicht werden.

verfasst am 02.07.2015, 08:08

"Früher oder später rechne er damit, dass es zu einer Aufspaltung des Goldpreises an der Börse und dem Preis für physisches Gold kommen werde."

Eine selten klare Aussage .

In diesem Zusammenhang wäre auch eine realisische Überprüfung der international offiziell behaupteten physischen Goldbestände sehr interessant .

verfasst am 01.07.2015, 22:35

Ar........er

verfasst am 01.07.2015, 21:22

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