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17.11.2012, 18:23 von Andreas Wolf
Das Thema "Private Equity" spielte im Privatkundenbereich lange eine eher untergeordnete Rolle. Kaum verwunderlich, waren und sind doch die Eintrittsbarrieren diesbezüglich noch immer sehr hoch. Dies hängt allein schon mit der Teilnahme an dem unternehmerischen Risiko zusammen. Die Finanzierung eines außerbörslichen Unternehmens benötigt neben einem Minimum an Kapital vor allem einen langen Atem, denn nicht selten kommt vor dem langfristigen Erfolg eine Durststrecke mit mehr oder weniger deutlichen Verlusten.
Erfolgsunternehmen wie Google und Facebook hätten ohne Private Equity nie die Größe und Stellung erreichen können, die sie heute behaupten.
Es macht also auch als Privatanleger durchaus Sinn, sich bei langfristigen Investitionsentscheidungen mit diesem Thema zu befassen, denn die Renditen der entsprechenden Fonds sind ansehnlich. Zwischen zehn und 15 Prozent erlösen die Besten ihrer Zunft jährlich. Laut Horst Güdel, Mitglied des Vorstands bei der RWB AG - unter anderem ein Anbieter von Dachfonds in diesem Segment -, ermöglicht es vor allem die breite Streuung der Beteiligungen, solche Ergebnisse zu erzielen. "Das Verhältnis von erfolgreichen zu weniger erfolgreichen Investitionen ist geringer, als manche meinen.
Die Renditen beim Verkauf erfolgreicher Beteiligungen liegen aber weit über den Verlusten der schlechten Investments. Ermöglicht wird das durch ein sehr engmaschiges Prüfsystem."
Lukrativer Zweitmarkt
Noch so viele Prüfverfahren ersetzen allerdings nicht die Erfahrung, die am Markt etablierte Anbieter mit einbringen. Immerhin existiert die Form der Unternehmensfinanzierung als Anlageklasse schon seit Ende der Sechziger Jahre.
Besonders interessant wird sie allerdings durch die lange Niedrigzinsphase und den Mangel an Anlagealternativen sowie der Bankenkrise. Denn vor allem Banken müssen sich im Zuge höhrer Eigenkapitalvorschriften von ihren Beteiligungen schneller trennen als ihnen lieb ist. Der daraus entstandene Markt nennt sich "Private Equity Secondaries", etwas frei interpretiert könnte man es mit dem Gebrauchtwagenmarkt bei Autos vergleichen.
Für kapitalstarke Investoren wie Private-Equity-Fonds ergeben sich daraus Gelegenheiten, zu günstigen Konditionen an niedrig bewertete Beteiligungen zu gelangen. Allerdings ist dieser Markt noch recht klein und der Aufwand für die Bewertung höher als im klassischen Geschäft, da die Expertise in einem enger gesetzten Zeitrahmen erfolgen muss.
Der Kapitalbedarf der Fonds ist allerdings nicht geringer, und eine Umleitung von Investitionen aus dem Markt für Erstbeteiligungen kommt aufgrund der strengen Richtlinien nur begrenzt infrage. Im Hinblick auf die steigende Bedeutung von privatem Eigenkapital bei Unternehmensfinanzierungen dürfte diese Anlageklasse deshalb auch mehr und mehr für kleinere Anlegerschichten geöffnet und somit attraktiv werden.
Dachfonds
Die Verteilung der Investoren im Private Equity Markt (s. Abbildung) erklärt sich das Werben der Anbieter um den Privatanleger. Vor allem Pensionfonds beherrschen mit ihren Investitionen in diese Anlageklasse den Markt. Allerdings sind ihre Beteiligungsmöglichkeiten im Zweitmarkt aus Regulierungsgründen begrenzt. Ein Wachstum muss also jenseits ihrer Möglichkeiten stattfinden.
Die Private-Equity-Branche bietet deshalb sogenannte Dachfonds an, in denen Privatanleger mit kleineren Anlagevolumen investieren können; durch die breite Streuung der Investitionen für das Ausfallsrisiko auf ein berechenbares Maß minimiert. Dennoch bleibt den Privatanlegern nicht erspart, sich über die genaue Zusammensetzung solcher Dachfonds zu informieren. In der Vergangenheit konnten Anleger auch bei diesen Produkten auf schwarze Schafe treffen und höhere Verluste erleiden.
Mit der Verschärfung der Regulierung in der Finanzindustrie lässt sich aber erwarten, dass der Ausleseprozess schärfer wird. Betrachtet man darüber hinaus die niedrigen Renditen, die momentan in klassisch konservativen Anlageklassen eingefahren werden, so bieten Private-Equity-Dachfonds unter langfristigen Gesichtspunkten eine denkenswerte Alternative. Eine individuelle Depotgewichtung bleibt dabei ohne Frage aber notwendig.
(WirtschaftsBlatt, Print-Ausgabe, 2012-11-16)
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