17.11.2012, 18:36  von Thomas Jäkle

Die Ruhe vor dem Dammbruch: Stifter vor dem Rückzug

Neue, alte Konkurrenz. Das Fürstentum Liechtenstein könnte ab 2013 für sehr viele Stifter und Reiche aus Österreich noch attraktiver werden / Bild: Colourbox

AUSSTIEG. Die Privatstiftung ist 20 Jahre nach ihrer Einführung nur noch wenig attraktiv. Prompt schauen sich Österreichs Stifter bereits nach Alternativen um.

Zwanzig Jahre und kein bisschen weise: 1992 wurde die österreichische Privatstiftung eingeführt, um den Abfluss von Kapital ins Ausland zu stoppen. Heute droht genau das, nachdem der Gesetzgeber Stiftungen wieder sukzessive unattraktiver gemacht hat. Steuerzuckerln sind so gut wie passé (mit Ausnahme der Übertragung von Veräußerungsgewinnen bei wesentlichen Beteiligungen), und mit der Stiftungseingangssteuer von sechs Prozent ist der Einstieg bereits teurer als die Alternativen GmbH oder AG. Prompt sind Stifter drauf und dran, auszusteigen. Droht gar der Exodus?

"Viele Stifter wollen raus",bestätigt Christian Ludwig, Partner der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO Austria und selbst in mehreren Stiftungen als Berater oder auch Stiftungsvorstand bestellt. Einzig die Ausstiegshürde hindere daran, jetzt schon die Stiftung aufzulösen. Will ein Stifter dies tun, schnappt die sogenannte "Mausefalle" zu: Das gesamte Vermögen wird mit 25 Prozent Steuern belastet. Deshalb ist die Zahl der Stiftungen heuer sogar noch gestiegen, allerdings nur noch um ganze fünf Gründungen auf 3314.

Mittelfristig wird aber auch diese Hürde nicht schrecken. Alternativen in Liechtenstein, der Schweiz, sogar Frankreich, der Karibik, im arabischen Raum sowie Südostasien locken Vermögende mit attraktiven Konditionen. "Es herrscht Ruhe vor dem Dammbruch",sagt Ludwig. Die "Mausefalle" sei der Damm - wenn dieser bricht, würden viele ihre Stiftungen auflösen.

Als Hauptgrund für den Exit sieht Ludwig die Versprechen in den 90er-Jahren seitens der Politik, die heute gebrochen werden: "Unter falschen Bedingungen wurden Stifter in die Stiftungen gelockt."

PARALLELWELT. Für einen Stifter, der namentlich nicht genannt werden will, werden Stiftungen geradezu "eingeschläfert".Als Grund, warum er noch nicht ausgestiegen sei, nennt er die Diskussion zur "Reichensteuer": "Man muss noch schauen, was da mit der Erbschaftsund Schenkungssteuer noch kommt."

Neue Geschäfte wollen demnach viele Stifter jedenfalls nicht mehr unter ihrer derzeitigen Stiftung abwickeln. Christoph Kraus, Generalsekretär im Verband Österreichischer Privatstiftungen (VÖP), räumt ein, dass "kleinere Stiftungen" schon den Rückzug angetreten haben. 2011 wurden bei 50 Neugründungen bereits 78 Stiftungen aufgelöst. Kraus sieht die Gefahr, dass weitere Stiftungen und damit Kapital abwandern, wenn nicht gegengesteuert wird.

WETTBEWERB. "In puncto Konkurrenz müssen wir uns bewähren", sagt Kraus. "Man kann einem Stifter nicht die Beine zusammenbinden, wenn es um einen 100-Meter-Lauf geht." Größte Konkurrenz sieht Kraus in der Nachbarschaft. "Wenn Liechtenstein 2013 ein neues Gesetz vollzieht, werden viele dorthin gehen."

Noch habe das Fürstentum hohe Hürden, sagt BDO-Experte Ludwig. Der Stiftungseingangssteuersatz liegt bei 25 Prozent; er werde dem österreichischen Satz angepasst. Noch ein Zuckerl: Die Mitsprache des Stifters sei gesetzlich gesichert. Liechtenstein hat ein über 80 Jahre altes Stiftungsrecht, das seither wenig geändert wurde.

 

(WirtschaftsBlatt, Print-Ausgabe, 2012-11-16)

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Man kann einem Stifter nicht die Beine zusammenbinden, wenn es um einen 100-Meter-Lauf geht

Christoph Kraus, Generalsekretär im Verband Österreichischer Privatstiftungen (VÖP)

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    Kommentare

    2 Kommentare

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    - daxi -
    . . . .und die von Mißgunst und Neid zerfressenen ebenfalls !

    verfasst am 18.11.2012, 17:23

    Gast: daxi meint

    Na toll die Reichen werden wieder reicher. Von Nachhaltigkeit kann nicht gesprochen werden. Den Reichen ist die Infrastruktur und die Belange der Bevölkerung wurscht. Hauptsache wir cashen nochmal ein paar hunderte Millionen ab. Ich hoffe die Gier raft endlich Alle dahin.

    verfasst am 18.11.2012, 12:15