17.11.2012, 18:21  von Ingrid Krawarik

Sven Quandt: "Ich bin ein Perfektionist"

Perfektionist Sven Quandt / Bild: Krawarik

Sven Quandt hat sich abseits der Familienmilliarden sein eigenes Reich geschaffen. Das WirtschaftsBlatt sprach mit ihm über die Gründe für seinen Erfolg.

Eigentlich entscheiden ja die ersten 30 Sekunden, ob man einander sympathisch findet", sagt Sven Quandt nach unserem Gespräch. Der 56-Jährige lächelt verschmitzt. Das Blitzen in seinen Augen verrät einen gewissen Schalk, aber auch eine unglaubliche Gelassenheit. "Diese innere Ruhe hatte ich vor zehn Jahren noch nicht", versucht Quandt, zu erklären. Damals gründete er sein eigenes Motorsportteam, X-Raid, das inzwischen zu den erfolgreichsten Rallyeteams der Welt aufgestiegen ist und zehn Millionen € Umsatz macht.

Wir treffen Sven Quandt in Ellwangen, bei der 25-Jahr-Feier von Varta, jenem Konzern, der seiner Familie neben BMW immensen Reichtum verschaffte und bei dem er mit 23 Jahren bereits im Aufsichtsrat saß. Er ist groß gewachsen, schlank, elegant, aber ganz anders, als man ihn von den wenigen Fotos kennt, die im Internet zu finden sind. Die randlose Brille ist Geschichte. Es ist schwer vorstellbar, dass der Mann im Anzug gegenüber derselbe ist, der am liebsten Wüstensand einatmet und mit Freude im Rennauto über die Dünen saust.

Unternehmerblut

Wir trinken Wasser und essen heimlich Schokocroissants. Heimlich deshalb, weil er gerade eine Wette laufen hatte. Etwas ganz Banales, sagt er. Abnehmen, auf sein Wunschgewicht von vor zehn Jahren wollte er zurück. ohne die Wette hätte er es nicht geschafft. Der Wetteinsatz?" 4 Tage kein Auto fahren. Das hätte ich nicht durchgehalten. Ich musste gewinnen." Wir glauben es.

Schon allein deshalb, weil diesem Mann scheinbar alles zu gelingen scheint - in einer positiven Art und Weise, die er auch ausstrahlt. "Am Anfang war schon der Zwang da, erfolgreich sein zu müssen. Natürlich wollte ich es auch meinem Vater beweisen. Der Druck war mit 30, na ja, vielleicht eher erst mit 40 weg."Sein erstes Unternehmen startete er mit zwei Kollegen, jeder brachte 60.000 D-Mark mit ein. Heute macht das Unternehmen 200 Millionen € Umsatz. "Ich hatte mit der ersten Firma gleich Erfolg. Damals wurde ich zum ersten Mal überhaupt im Aufsichtsrat von Varta wahrgenommen."

Zu Varta fühlt Quandt sich immer noch verbunden. Vor fünf Jahren hatte er die Chance, den Konzern zurückzukaufen, wurde aber von Michael Tojner immer wieder überboten. Ein bisschen ärgert ihn das auch heute noch; wohl auch deshalb, weil er sich selten geschlagen gibt.

"Wie würden Sie sich denn selbst beschreiben?",fragen wir im Laufe des Gesprächs. Stille. Sven Quandt ist keiner, der sofort mit Eigenschaftswörtern um sich wirft. Nach einiger Zeit dann die Gegenfrage: "Wie würden Sie mich denn beschreiben?"Zielstrebig, ruhig, ehrgeizig. Sven Quandt nickt und fügt hinzu. "Ich bin ein Perfektionist und manchmal leider zu nett. Meine Kinder sind härter." Und auf die ist er stolz. Man spürt die Freude bei dem Gedanken, dass sie mit ihm in seinem Unternehmen arbeiten wollen. Auch die Bindung zu seinen Kindern, die zu seinem Vater nie möglich war, erfüllt ihn mit Stolz.

Übermächtig

Der Schatten seines eigenen Vaters war übermächtig, ein Patriarch, wie er im Buche steht. "Hat er ihnen je die Anerkennung gegeben?",fragen wir. Es ist lange Zeit still, bis sich Sven Quandt doch noch zu einer Antwort durchringt: "Ich glaube, in den 50er- bis 70er-Jahren war es sehr schwer für die Elterngeneration, ihre Kinder zu loben. Ich habe es erst lernen müssen. Man bekommt auf jeden Fall viel mehr zurück, wenn man etwas in einem netten Ton sagt." Und: "Ich finde es schade, dass ich nicht erlebt habe, wie mein Vater arbeitet. Wir wissen so wenig davon, wie unsere Eltern eigentlich gelebt haben. Er hat auf jeden Fall Unglaubliches geleistet."

Von dem Schatten seines Vaters hat er sich befreit. Vielleicht weil er bewusst die vererbten Qualitäten anders einsetzt, sein Hobby zum Beruf gemacht hat und trotzdem Erfolge feiert, gerne zuhört und bei seinen Mitarbeitern das kollegiale Miteinander sucht.

Gipfelstürmer

Einen Traum hat er noch: vor seinem 60. Geburtstag will Quandt noch einmal auf dem Gipfel des Kilimandscharo stehen. Das letzte Mal hat es ihn an seine Leistungsgrenze gebracht. "Waren Sie schon mal auf 4000 Metern Seehöhe und haben einen tiefen Atemzug probiert?"Diesmal will er Luft bekommen. "Was machen Sie eigentlich mit dem, was wir hier reden?",fragt er zwischendurch. Sven Quandt philosophiert sonst nämlich nicht übers Leben. Vor fünf Jahren hätte ihn so ein Gespräch noch irritiert. Mit seiner neuen Gelassenheit ist aber auch das möglich.

WirtschaftsBlatt: Herr Quandt, fühlen Sie sich eigentlich reich?

Sven Quant: Reich an Erfahrung, ja. Denn Geld macht soundso nicht glücklich.

Das sagen ausgerechnet immer jene Menschen, die genug davon haben...

(denkt nach) Stimmt. Ich versuche es anders: Geld gibt Sicherheit. Jeder Mensch sollte für sich definieren, wie viel Geld er zum Leben braucht, und diesen Betrag dann zur Seite legen. Falls es hart auf hart kommt, lebe ich von dem vielleicht nicht so gut wie heute, aber für mich ist es genug. Der Rest ist uninteressant. Oder einfach nur Luxus. Kein Geld zu haben ist genauso schlecht wie zu viel davon zu besitzen. Mein Geld ist in meinem Unternehmen, der Rest im Sparschwein.

Sie investieren nicht in Wertpapiere?

Ich habe Immobilien, ein paar Wertpapiere und kleine Goldbarren.

Was halten Sie von der Reichensteuer?

(vergräbt sein Gesicht in den Händen, schüttelt den Kopf)

So schlimm?

Ich glaube, da geht es um eine ganz andere zentrale Frage. In der Reichensteuer sehe ich wenig Nutzen. Es fehlt an durchgreifenden Reformen. Für das Geld, das Politiker verdienen, können Sie allerdings auch nicht erwarten, Top-Leute zu bekommen. Das Unternehmen Österreich oder Deutschland zu leiten und lenken ist einfach nicht attraktiv. Da sind Leistung und Vorausschauen gefordert. Man braucht Leute, die die Übersicht bewahren und die den persönlichen Erfolg des Weiterkommens hinten anstellen. Nur steht für 600.000 €, und das bekommen Politiker ja nicht einmal, kein CEO von einem großen Konzern am Morgen auf. Schlimm ist, dass jene Politiker, die vier Jahre dabei sind, eine viel zu hohe Pension bis an ihr Lebensende bekommen.

Ihr Vater war ein Patriarch der alten Schule. Braucht man heute noch Patriarchen?

Nein. Heute muss man Mitarbeiter motivieren, dass sie bereit sind, mehr zu leisten. Früher waren sie froh, dass sie Arbeit bekommen haben. Ich finde die persönliche Bindung sehr wichtig, das kollegiale Miteinander. Und es muss ab und zu menscheln.

Sie haben mehrere Firmen aus dem Nichts gegründet, aufgebaut und wieder verkauft. Was treibt Sie an?

Ich bin jemand, der gerne kämpft. Ich wollte nie vom Studium bis zu meinem Lebensabend dasselbe machen. Nur kein langweiliges Leben! Erfolgreiche Firmen sind für mich wie Schnellboote, aber sie dürfen nicht zu groß werden. Unternehmen mit einem Umsatz von 200 bis 300 Millionen € sind schlagkräftiger und werfen mehr ab. Das hat mich in meiner Jugend bei Varta gestört, dort konnte man schwer etwas verändern. Vor Jahren habe ich für mich definiert, dass ich irgendwann an einen Punkt kommen möchte, wo ich nur noch tue, was mir Spaß macht. Diesen Punkt habe ich vor etwa zwölf Jahren erreicht. Damals habe ich mein Hobby, den Motorsport, zum Beruf gemacht.

Sie sind ein ehemaliger Rallyefahrer und besitzen mit X-Raid auch ein erfolgreiches Motorsportteam. Gehen Sie damit in Pension?

Nein, das werden meine Kinder übernehmen, zwei arbeiten auch schon bei X-Raid. Ich möchte bald etwas Neues machen. M&A im Technikbereich bietet sich gerade an. Eins hab ich gelernt: Es ist auf jeden Fall besser, die eigene Arbeitskraft reinzustecken, als sich irgendwo zu beteiligen. Es ist schon lustig, aber mein schönster Job war jener als Mitsubishi-Motorsportchef. Da war ich angestellt und habe mit vielen Nationalitäten zusammengearbeitet. Und ich hatte sechs Wochen Urlaub!

Sie sind im Verwaltungsrat der Montana Tech Components. Wie würden Sie Ihr Verhältnis zu CEO Michael Tojner beschreiben?

Als freundschaftlich. Vor seiner Leistung ziehe ich mehrfach meinen Hut. Er agiert vielleicht manchmal unkonventionell, aber er hat Visionen. Und er verträgt Kritik. Das ist eine Eigenschaft, die heute sehr selten ist.

Ihr wichtigster Tipp?

Loben Sie Ihre Kinder. Das ist für viele Väter etwas ganz Schwieriges, aber ein wirklich wichtiges Motivationstool.

 

 

(WirtschaftsBlatt, Print-Ausgabe, 2012-11-16)

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Am Anfang war der Zwang da, Erfolg zu haben. Ich wollte es meinem Vater beweisen

Sven Quandt

Karriere

Der ehemalige Rallyefahrer gewann 1998 die Marathonrallye-WM und gründete vor etwa zehn Jahren das Motorsportteam X-Raid. Sven Quandt entstammt der Industriellendynastie der Quandts, die mit BMW und Varta reich wurde. Neben X-Raid besitzt der Unternehmer eine Vermögensberatung. Neben seinen Erfolgen als Rallyefahrer hat Sven Quandt mehrere Unternehmen diverser Branchen erfolgreich aufgebaut und wieder verkauft. Unter anderem war er in der Verpackungs-, Kunststoff-, Automobilzulieferer sowie Bergbauindustrie tätig, für Hafenequipment war er ebenfalls zuständig. Zudem sitzt er im Verwaltungsrat der Montana Tech Components von CEO Michael Tojner.

Ich bin jemand, der gerne kämpft. Nur kein langweiliges Leben.

Die Quandts

Die Quandts sind eine der größten deutschen Industriellendynastien. Herbert Quandt (Vater von Sven Quandt) übernahm 1960 den maroden Autobauer BMW und formte ihn zum Weltkonzern. Sein Vater Günther Quandt hatte den Batteriekonzern Varta aufgebaut.

Zur Person

Der ehemalige Rallyefahrer gewann 1998 die Marathonrallye-WM und gründete vor etwa zehn Jahren das Motorsportteam X-Raid. Sven Quandt entstammt der Industriellendynastie der Quandts, die mit BMW und Varta reich wurde. Neben X-Raid besitzt der Unternehmer eine Vermögensberatung.

Im Detail

Die Quandts sind eine der größten deutschen Industriellendynastien. Herbert Quandt (Vater von Sven Quandt) übernahm 1960 den maroden Autobauer BMW und formte ihn zum Weltkonzern. Sein Vater Günther Quandt hatte den Batteriekonzern Varta aufgebaut.

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Kommentare

2 Kommentare

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Gast: hier meint

"Toll" diese Quandts, ich hoffe ihr seid stolz auf euch: http://de.wikipedia.org/wiki/Quandt_(Familie)

verfasst am 09:02 18.11.2012

gibt es eigentlich IRGENDJEMANDEN bei euch, der über eure artikel liest - es gibt kaum eine onlineplattform die permanent so vor fehlern strotzt wie eure. Das ist schon ärgerlich. Aus WirtschaftsBlatt wird immer mehr LächerlichBlatt. Traurig.

verfasst am 08:54 18.11.2012