17.08.2012, 16:13  von Reuters/trst

Siedepunkt für den Goldpreis ist bald erreicht

Goldpreis hat Zenit überschritten / Bild: Apa/Jäger Robert

Kaum Impulse für einen weiter steigenden Goldpreis vorhanden. Preissteigerung seit Jahresbeginn bei nur 3%. Ende der Preisrally in Sicht.

Frankfurt. Es war eine Erfolgsgeschichte, die ihresgleichen suchte: Jahr für Jahr ging es mit dem Goldpreis nach oben, ein Rekordhoch jagte das andere. Die Finanzkrise nach dem Zusammenbruch der US-Bank Lehman Brothers und die seit Jahren anhaltende Euro-Schuldenkrise ließ die Anleger in als sicher geltende Anlagen wie Gold flüchten. Erst im vergangen Jahr war der Preis auf ein Rekordhoch bei 1.920 Dollar (aktuell 1.564 Euro) je Feinunze gestiegen - getrieben auch durch spekulative Käufe. Am Vormittag wurde der Goldpreis mit 1.616,5 Dollar (1.316,5 Euro) in London fixiert.

Alles blickt auf die Fed

Der Aufwärtstrend des Edelmetalls scheint nun aber vorbei und ein neuer Höhenflug ist für Analysten nicht in Sicht. Selbst wenn die US-Notenbank Fed die Geldpolitik durch neue Anleihenkäufe weiter lockern würde, würde das dem Goldpreis wohl nur noch zu einem kurzen Aufbäumen helfen, sagen Experten.

"Bis wohin kann Gold steigen, wenn es weitere geldpolitische Lockerungen der Fed gibt? Vielleicht bis auf 1.800 Dollar, aber sicher nicht auf ein neues Rekordhoch. Es setzt inzwischen eine gewisse Ernüchterung ein", sagt Analyst Robin Bhar von Societe Generale. In der Regel hilft eine lockere Geldpolitik von Fed, Europäischer Zentralbank (EZB) und Co dem Goldpreis. Zum einen zieht das niedrige Zinsen für langlaufende Staatsanleihen nach sich. Das macht Gold im Vergleich zu Festverzinslichen als sicher geltende Anlage attraktiver. Zum anderen erhöhen solche Maßnahmen der Notenbanken die Liquidität, was auf längere Sicht die Inflation in die Höhe treiben könnte. Davon wiederum profitiert Gold, weil es als Absicherung gegen Preissteigerungen gilt.

Abgesehen von der lockeren Geldpolitik der Notenbanken gibt es nach Ansicht der Experten wenig, was den Goldpreis stützen könnte. "Wir sind der Meinung, dass bei Gold die Luft so gut wie raus ist", urteilt RBS-Analyst Nikos Kavalis. Nach einer durch geldpolitischen Lockerungen ausgelösten Rally sehe er kaum weitere Impulse. "Ich weiß nicht, woher solche Mengen an Investitionen, wie wir sie in den Jahren 2009 und 2010 gesehen haben, herkommen sollen. Viele Investoren wollen ihre Positionen nicht erhöhen."

Die Analysten sind auf der Hut

Einer Reuters-Umfrage von Mitte Juli zufolge rechnen sie im Schnitt für 2012 mit einem Preis von 1.685 Dollar pro Feinunze. Anfang des Jahres waren sie noch optimistischer gewesen und hatten 1.765 Dollar prognostiziert. Derzeit kostet eine Feinunze Gold 1.618 Dollar. Seit Anfang des Jahres ist der Goldpreis nur um gut drei Prozent gestiegen. Kein Vergleich zu Jahren wie 2009 und 2010, in denen die Notierungen um 25 und 30 Prozent zulegten. Würde Gold 2012 mit diesem mageren Plus abschließen, wäre das die schlechteste Jahresbilanz seit mehr als einem Jahrzehnt.

Analysten sehen kaum Faktoren, die Gold noch nachhaltig und deutlich nach oben treiben könnten. Eine Ursache für den Höhenflug der vergangenen Jahre war die Euro-Schuldenkrise, die Gold als sicheren Hafen bei Investoren beliebt machte. Aber auch dieses Argument zählt nicht mehr, denn auch der Euro hat gelitten. Das ist schlecht für Gold, das in Dollar bezahlt wird, denn ein schwacher Euro macht Gold für Anleger aus der Euro-Zone teurer.

Am Zenit

Auch auf die Großverbraucher Indien und China ist kein Verlass mehr. Nach Daten des World Gold Council (WGC) ist die Nachfrage nach Gold im zweiten Quartal dieses Jahres auf den niedrigsten Stand seit zwei Jahren gefallen, vor allem deswegen, weil Indien und China deutlich weniger gekauft haben. Indien ist der weltgrößte Goldmarkt.

Das einzige, was nach Einschätzung von Analysten dem Goldpreis auf die Sprünge helfen könnte, ist die Nachfrage von professionellen Investoren. Aber auch die schwächelte im zweiten Quartal und sank nach Daten des WGC um 23 Prozent. "Man braucht tagein, tagaus frische Geldzuflüsse", sagt Research-Chef Philip Newman von GFMS, einem zu Thomson Reuters gehörenden Analysehaus. Investitionen von dem einen oder anderen institutionellen Anleger reichten einfach nicht aus.

 

 

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