06.01.2013, 11:30  von Manfred Haider

"Derzeit geht der Trend ganz klar Richtung höheres Risiko"

Bild: APA

Die Anleger verspüren mehr Risikoappetit und verlassen den "sicheren Hafen" Gold. Binnen ­einem Jahr werden sie laut Eugen Weinberg aber wieder zurückkehren – und zwar deutlich. Bis Jahresende rechnet der Commerzbank-Experte mit einem Preisanstieg von 20 Prozent – auf Eurobasis sogar mit noch mehr.

WirtschaftsBlatt: Gold hat Ende der Vorwoche merklich korrigiert, weil die Fed ein Ende der Anleihenaufkäufe angedeutet hat. Glauben Sie, der Preisrückgang ist nachhaltig?
Eugen Weinberg: Ich glaube, dass die Schwäche über einen Zeitraum von zwei, drei Monaten anhalten wird. Längerfristig bleiben wir sehr positiv gestimmt, aber im Moment sehen wir ganz klar den Trend in Richtung eines höheren Risikoappetits. Die Leute sind bereit, mehr Risiken einzugehen, weil sie in den USA, in China und womöglich auch in Japan und Europa bessere Konjunkturdaten erwarten. Und dementsprechend ist der sichere Hafen Gold nicht mehr so attraktiv. Aber langfristig sprechen die Rezepte, mit denen man die gegenwärtigen Krisen lösen möchte, für steigende Preise. Das ist vor allem eine höhere Inflation, die von den Zentralbanken und den Regierungen momentan als Allheilmittel angesehen wird.

Was heißt für Sie langfristig?
Zwölf Monate sind für mich schon eine längerfristige Perspektive. Ich glaube, dass wir in zwölf Monaten rund 20 Prozent höher stehen könnten. Als heutiger Sicht ist das eine immense Zahl, aber es kann sehr schnell gehen.

Was heißt das für Goldanleger aus dem Euroraum, die nicht nur auf die Preisentwicklung in Dollar achten müssen, sondern auch das Wechselkursverhältnis von Dollar zu Euro im Auge behalten müssen? Wird die Performance für Anleger aus dem Euroraum 2013 besser ausfallen als für US-­Investoren oder schlechter?
Ich glaube besser, weil wir beim Euro weiter relativ große Risiken sehen. Der Euro wird längerfristig zu einer ­latent schwachen Währung werden. Dadurch wird der Goldpreis in Euro zusätzliche Unterstützung bekommen.

Wie groß ist der Einfluss von Indien als der Nation mit der weltgrößten Goldnachfrage auf den Goldpreis, da die Regierung eine nochmalige Erhöhung der Steuern auf Goldimporte erwägt, um das Leistungs­bilanzdefizit zu bekämpfen?
Auf den physischen Markt hat das durchaus Einfluss, weil die zurückgegangenen Importe Indiens einen weiteren Dämpfer bekommen könnten. Aber auf den Preis dürfte das keinen großen Einfluss haben. Die Preise werden schon lange nicht nur vom Schmuckmarkt oder von der Minenproduktion getrieben, sondern die Preise hängen vor allem von der Entwicklung an den Finanzmärkten ab - von den Handlungen der Finanzanleger und auch von den Zentralbanken. Und diese werden von einer Entscheidung der indischen Regierung kaum beeinflusst.

Hedgefonds haben zuletzt ihre Wetten auf steigende Preise zurückgefahren, während das Volumen in ETF bzw. ETP trotz Korrekturen nach wie vor hoch ist. Heißt das, dass institutionelle Anleger vorsichtiger geworden sind, während Privatanleger eher bullish sind?
Und auch völlig zu Recht. Es ist klar, warum sie vorsichtiger geworden sind: Weil sie im Moment keinen Bedarf für eine Absicherung sehen, und insofern ist es konsequent. Aber es bereitet den Boden für den Preisanstieg, den ich längerfristig erwarte. Je weniger Investoren höhere Preise erwarten, desto besser. Wenn schon alle investiert sind, ist es entsprechend schwer, am Ende zu überraschen.

In welcher Form würden Sie in Gold anlegen?
Barren bleiben eine sehr attraktive Investmentform, besonders für Anleger, die über die Krisen in Europa besorgt sind. Aber für Investoren, die relativ schnell verkaufen wollen, eignen sich auch ETC, ETF oder sogar Goldderivate.

Haben wir noch etwas vergessen?
Die Zentralbanken. Sie haben zwar erwähnt, dass die Fed in diesem Jahr möglicherweise das Q3-Programm auslaufen lassen wird, aber man darf nicht vergessen, dass wir momentan über 85 Milliarden $ sprechen, die monatlich in den Markt gespült werden. Das muss erst einmal abgezogen werden. Zum anderen die negativen Realzinsen in der westlichen Welt und die Bereitschaft der Zentralbanken der Schwellenländer, weiterhin Gold zu kaufen.

 

Das WirtschaftsBlatt 3 Wochen gratis testen
» Jetzt kostenlos bestellen

26.02.2015, 14:07

Ausgefeiert – nach Neujahr kaufen Chinesen wieder Gold

25.02.2015, 13:32

Wie beim Öl: Tödlicher Preiskampf der Eisenerz-Produzenten

25.02.2015, 10:03

Schweizer Wettbewerbshüter nehmen Goldpreis ins Visier

Mehr auf wirtschaftsblatt.at

    Mehr aus dem Web

    WERBUNG

    Kommentare

    3 Kommentare

    Verbleibende Zeichen: 1500

    Muss man das wirklich noch ausführlicher begründen, warum der Euro zu einer latent schwachen Währung verkommen wird ??? Und ja, der Wechselkurs zum Dollar entscheidet darüber, ob Gold in Euro oder Dollar besser läuft - wahnsinnig schwierig herauszulesen...

    Mittel- bis langfristig kann man übrigens ALLE Papierwährungen vergessen, weil sich keine dem Niedergang entziehen kann. Ein Kreditgeldsystem, welches Geld quasi aus dem Nichts erschaffen kann, und dafür auch noch Zinsen verlangt, kollabiert zwangsläufig durch Überschuldung. Das darf uns Herr Weinberg als Commerzbank-Experte allerdings nicht verraten, das muss man sich schon selbst erarbeiten ;-)

    verfasst am 06.01.2013, 23:36

    Gast: pneu meint

    Gold ist ja quasi das Zahlungsmittel der Götter. (weil es so schön glänzt. ui!)
    Dabei taugt es lediglich als Leiter in der Elektronik.

    verfasst am 07.01.2013, 06:12

    Gast: 011001 meint

    "Der Euro wird längerfristig zu einer ­latent schwachen Währung werden."

    Vorhersage ohne Begründung, wirkt halbseiden .
    Was meint er überhaupt damit ? Wechselkurs zum Dollar ?

    Im Interview wird auch nicht nachgefragt.

    verfasst am 06.01.2013, 18:51

    18.02.2015, 05:35

    Warum der Goldpreis wieder fällt...

    Das Umfeld für einen steigenden Goldpreis in Euro ist aktuell prächtig. Doch trotz starker physischer Nachfrage geht er zurück. Experten rätseln, warum.

    17.02.2015, 18:34

    Franken-Freigabe: Schweizer Notenbank betont Bereitschaft zu weiteren Devisenkäufen

    Die Schweizer Notenbank (SNB) hat ihre Bereitschaft zu weiteren Devisenkäufen auch nach der Abschaffung des Euro-Mindestkurses zum Franken bekräftigt.

    17.02.2015, 09:40

    Gold erlebt ein unerwartetes Comeback

    Goldbarren und -Münzen verkaufen sich dank Diskussionen um Grexit und Franken-Schock wie warme Semmeln - Auch beim Schmuck darf es wieder etwas mehr sein, nicht nur für Frauen.

    16.02.2015, 16:18

    Kuwait rechnet mit weiterer Ölpreis- Stabilisierung

    Der Ölpreis hat nach den Worten des kuwaitischen Ölministers Ali al-Omair stärker angezogen als erwartet.

    16.02.2015, 14:41

    Trotz Waffenstillstand: Ukrainische Hrywnja erreicht neuen historischen Tiefstand

    Allein seit Anfang Februar hat die ukrainische Währung Hrywnja 60 Prozent ihres Wertes verloren. Und es geht weiter bergab.

    Goldpreis - Chart

    CA Immo Logo
    Immofinanz Group Logo

    Weltwährungen

    USD
    Mehr

    Aktiensuche


    Börse Frankfurt

    Borsenkurse

    Top 5

    BAYER AG NAM.132,003,69%chart

    FRESENIUS ME.71,433,63%chart

    BASF SE NAME.87,022,23%chart

    BAYERISCHE M.112,002,14%chart

    HENKEL AG & .104,752,00%chart

    Flop 5

    RWE AG INHAB.24,70-1,44%chart

    E.ON SE NAME.14,14-0,70%chart

    ALLIANZ SE V.149,05-0,60%chart

    DT.T L.FANA .13,18-0,53%chart

    K+S AKTIENGE.28,72-0,30%chart

    Mehr
    Borsenkurse

    Top 5

    HOCHTIEF AG .71,905,53%chart

    PROSIEBENSAT.43,703,60%chart

    STADA ARZNEI.29,322,50%chart

    KUKA AG INHA.68,652,46%chart

    LEONI AG NAM.57,112,35%chart

    Flop 5

    GERRY WEBER .33,62-7,53%chart

    KLOECKNER & .9,45-5,54%chart

    JUNGHEINRICH.55,49-1,65%chart

    LEG IMMOBILI.73,96-0,79%chart

    FRAPORT AG F.54,06-0,62%chart

    Mehr
    Borsenkurse

    Top 5

    VILLEROY & B.14,582,86%chart

    GRENKELEASIN.104,752,70%chart

    SHW AG INHAB.48,762,69%chart

    CEWE STIFTUN.57,462,28%chart

    SAF HOLLAND .13,802,22%chart

    Flop 5

    GFK SE INHAB.36,77-1,68%chart

    RATIONAL AG .319,00-1,54%chart

    HEIDELBERGER.2,15-1,47%chart

    WACKER NEUSO.19,98-1,11%chart

    HELLA KGAA H.42,08-1,03%chart

    Mehr
    Borsenkurse

    Top 5

    RIB SOFTWARE.13,653,80%chart

    XING AG NAME.123,402,07%chart

    EVOTEC AG IN.3,862,06%chart

    KONTRON AG I.6,302,04%chart

    DRILLISCH AG.37,841,88%chart

    Flop 5

    AIXTRON SE N.7,35-4,03%chart

    MORPHOSYS AG.74,76-3,01%chart

    MANZ AG INHA.74,58-1,74%chart

    LPKF LASER &.12,60-1,10%chart

    COMPUGROUP M.27,20-0,87%chart

    Mehr

    Umfrage

    • Bulle oder Bär - wer gibt in der Woche von 2.3.2015 bis 6.3.2015 das Tempo vor? Wird der ATX ...
    • ... mehr als 2 Prozent zulegen?
    • ... zwischen 0,5 und 2 Prozent zulegen?
    • ... das Niveau halten? Also zwischen + 0,5 und - 0,5 Prozent zu liegen kommen.
    • ... zwischen 0,5 und 2 Prozent verlieren?
    • ... mehr als 2 Prozent verlieren?