19.01.2013, 21:07

Deutsche Bank spekuliert weiter mit Nahrungsmitteln

Bild: dpa (Friso Gentsch)

Rohstoffe. Verbraucherschützer machten Druck auf die Bank, die weiter Finanzinstrumente auf Agrarprodukte anbieten will.

Berlin. Die Deutsche Bank will trotz Kritik von Verbraucherschützern auch künftig mit Nahrungsmittel-Spekulationen Geld verdienen. Untersuchungen hätten keine stichhaltigen Belege für einen Zusammenhang dieser Geschäfte mit dem Hunger in der Welt erbracht, sagte Co-Vorstandschef Jürgen Fitschen am Samstag auf der Lebensmittelmesse "Grüne Woche" in Berlin.

Im Gegenteil: Agrar-Derivate erfüllten für Nahrungsmittelproduzenten eine wichtige Funktion im weltweiten Handel. "Deshalb hat die Deutsche Bank entschieden, dass sie im Interesse ihrer Kunden weiterhin Finanzinstrumente auf Agrarprodukte anbieten wird", sagte der Co-Chef von Deutschlands größtem Geldhaus weiter. Das Institut hatte diese Produkte 2012 ausgesetzt, um die Ergebnisse der Untersuchung abzuwarten.

Die Verbraucherschützer der Organisation Foodwatch hatten in zahlreichen Aktionen Druck auf die Bank gemacht, aus dem Geschäft auszusteigen. Die Organisation ist davon überzeugt, dass Spekulationen mit Nahrungsmitteln die Preise für die Produkte auch in armen Ländern nach oben treiben.

In der Wissenschaft ist dies durchaus umstritten. Eine Übersicht der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg über die Forschungsarbeiten zu dem Thema kommt zu dem Schluss, dass die Zunahme der Finanzspekulationen nicht zu einem höheren Preisniveau bei Agrarprodukten geführt habe. Auch die Schwankungen der Preise seien hierauf nicht zurückzuführen. Dafür seien eher realwirtschaftliche Faktoren verantwortlich.

Rohstofhandel als Wachstumssegment

Für die Deutsche Bank zählt der Rohstoffhandel zu den Wachstumssegmenten im Kapitalmarktgeschäft. "Hier wird seit einigen Jahren kräftig Gas gegeben", sagt ein Banker. Speziell im Nahrungsmittelgeschäft würden ordentliche Renditen erzielt. Für Kritiker ist das auch der Hauptgrund, warum die Deutsche Bank trotz möglicher Imageschäden an dem umstrittenen Geschäft festhält. "Die Investmentbanker wollen sich diese Wachstumsstory nicht wegnehmen lassen", sagt ein weiterer Insider. Die Bank äußerte sich nicht zum Geschäftsvolumen.

Auch die Allianz ist in dem Geschäft aktiv. Die Commerzbank, die Deka und die LBBW sind dagegen ausgestiegen - bei ihnen spielte es aber auch volumenmäßig keine große Rolle. Die Landwirtschaftliche Rentenbank hat dagegen eine Lanze für derartige Spekulationen gebrochen. Die Vorteile für die Produzenten von Weizen, Kakao oder anderen Agrargütern seien höher zu bewerten als die Verwerfungen an den Märkten durch den Handel mit Derivaten auf diese Produkte, erklärte Horst Reinhardt, Vorstand der zweitgrößten deutschen Förderbank, vergangenes Jahr.

 

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