14.07.2014, 16:17

US-Strafen gegen europäische Banken beschleunigen Abstieg des Dollar

BNP mußte fast neun Milliarden Dollar Strafe zahlen / Bild: APA/EPA/IAN LANGSDON

Experten zufolge unterhöhle der harte Kurs der US-Justizbehörden gegenüber europäischen Banken die Position des Dollar als Weltleitwährung.

Frankfurt. Die Milliardenstrafen gegen europäische Banken sind Experten zufolge ein Pyrrhus-Sieg für die USA. Langfristig unterhöhle der harte Kurs der Justizbehörden die Position des Dollar als Weltleitwährung. In europäischen Regierungs-und Bankenkreisen wird diskutiert, ob man sich nicht freimachen solle von der Gefahr, von der US-Justiz für Dinge belangt zu werden, die nach hiesigem Recht legal sind.

Denn das einzige Zuggriffsmittel der USA ist die Nutzung des Dollar als Währung bei Geschäften etwa mit Ländern wie Iran, Sudan, Kuba oder Myanmar.

"Das Vorgehen der USA ist ein Katalysator, der den Status des Dollar schneller als gedacht unter Druck setzt", sagt Folker Hellmeyer, Chef-Analyst der Bremer Landesbank. Die Milliarden aus den Strafzahlungen seien für die USA nur kurzfristig ein lukratives Geschäft. Mittelfristig werde sich der harte Kurs der Behörden zu einem gravierenden Standort-Nachteil entwickeln. "Eine Weltleitwährung muss libertär sein, und dies ist beim Dollar nicht mehr gewährleistet", betont Hellmeyer.

Die Anwendung von US-Recht auf Geschäfte in und zwischen anderen Staaten beurteilt auch Commerzbank-Analyst Lutz Karpowitz kritisch: "Was im Falle von Iran oder Sudan noch unproblematisch erscheint, würde sicherlich anders wahrgenommen, sollten eines Tages politisch extremere Kräfte in Washington regieren und weniger akzeptierte Sanktionen erlassen."

In Frankreich löste die Rekordstrafe von knapp 9 Milliarden Dollar (6,62 Milliaden Euro) gegen die BNP Paribas einen Aufschrei der Empörung aus. In Meinungsumfragen und Äußerungen der Regierung in Paris wird die Geldstrafe als "anti-französische" Aktion gebrandmarkt. Denn die EU hatte die Geschäfte mit Sudan, Iran, Kuba und Myanmar nicht unter Strafe gestellt. Der französische Finanzminister Michel Sapin fordert daher eine stärkere Nutzung des Euro zur Abrechnung internationaler Geschäfte. Ähnlich äußern sich europäische Wirtschaftsverbände.

Auch die Deutsche Bundesbank ist alarmiert. "Wir beobachten das sehr aufmerksam", sagt Vorstand Andreas Dombret in einem Interview mit dem "Spiegel". Fast wortgleich äußert sich eine Sprecherin des deutschen Finanzministeriums. Ressort-Chef Wolfgang Schäuble habe das Thema auch bei einem Treffen mit seinem US-Kollegen Jacob Lew angesprochen.

Deutschen Geldhäusern drohen ebenfalls hohe US-Strafen. Laut Insidern wird die Commerzbank voraussichtlich bis zu 600 Millionen Euro zahlen müssen. Dem "Spiegel" zufolge geht es bei der Deutschen Bank um eine ähnliche Summe. Auch wenn dies in Deutschland nicht so lautstark und national aufgeheizt diskutiert wird wie in Frankreich - den Vorwurf, dass die US-Amerikaner ihr nationales Recht einfach extra-territorial auch auf alle Drittgeschäfte in der Welt ausdehnen, die in Dollar abgewickelt werden, gibt es auch in der deutschen Bundesregierung.

Die US-Behörden ermitteln außerdem gegen die italienische UniCredit sowie die französischen Institute Credit Agricole und Societe Generale. Dem US-Bezirksstaatsanwalt Cyrus Vance zufolge zahlten ausländische Banken in den vergangenen Jahren mehr als 12  Millionen Dollar als Strafe für Sanktionsverstöße.

Der Thron der Weltleitwährung wackelt aber nicht allein wegen des harten Kurses der US-Justiz, sondern auch durch den Aufstieg von Schwellenländern wie China und deren wachsende Bedeutung für die Weltwirtschaft. Am Rande der Reise von Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel nach China erhielt der Börsenplatz Frankfurt das Recht, Geschäfte im Volumen von bis zu 80 Mrd. Yuan (9,48 Mrd. Euro) abzuwickeln. "Zum Teil ersetzt dies Geschäfte, die bisher in Euro abgewickelt wurden. Aber auch Geschäfte in Dollar werden ersetzt", sagt ein hochrangiger Banker. Und China hat ähnliche Handelsvolumen bereits etwa Frankreich, Großbritannien, Luxemburg oder Südkorea zugestanden. Die Bedeutung des Yuan als Handelswährung steigt also.

Auch der Euro gilt als Kronprinz. Der ehemalige US-Notenbankchef Alan Greenspan orakelte schon 2007, die europäische Gemeinschaftswährung werde den Dollar als Weltreservewährung ablösen oder zumindest gleichrangig sein. Sieben Jahre und eine europäische Schuldenkrise später mehren sich aber die skeptischen Stimmen. "Viele private Investoren weltweit sehen den Euro als weniger sicher als den Dollar an, weil es eine Zentralbank, aber 18 nationale Finanzpolitiken gibt", betont ein hochrangiger Banker in Frankfurt. Außerdem schrecke sie der Schuldenschnitt für Griechenland ab. "Es gibt keine Garantie, dass sich dies im Krisenfall nicht wiederholen würde." In den USA könne man dagegen sicher sein, dass es nicht so weit kommen werde.

Auch der haushaltspolitische Sprecher der Union, Norbert Barthle, warnt vor falschen Erwartungen: "Der Dollar ist und bleibt die auf den Weltmärkten dominante Leitwährung", betont er. Dies lässt sich auch an Zahlen des Internationalen Währungsfonds (IWF) [http://www.imf.org/external/np/sta/cofer/eng] ablesen: Die Notenbanken der Welt halten ungefähr ein Viertel ihrer Devisenreserven in Euro. Unangefochtener Spitzenreiters ist der Dollar mit einem Anteil von gut 60 Prozent. An der Gewichtsverteilung hat sich dieser Statistik zufolge in den vergangenen zwölf Monaten kaum etwas verändert. Der chinesische Yuan taucht hier nicht gesondert auf, weil er bisher nicht frei handelbar ist.

Vielleicht aber zeichnet sich auch ein dritter Weg ab: "Es gibt eine Tendenz zu einer Korbwährung", sagt Volkswirt Hellmeyer von der Bremer Landesbank. Diese berechne sich aus den Kursen der von Euro, Dollar, Yen & Co. sowie dem Goldpreis - abhängig vom jeweiligen Anteil am weltweiten Handel. Das Ganze könne aber nur funktionieren, wenn ausgeschlossen werde, dass sich Unternehmen bei der Abrechnungen von Geschäften dem US-Recht unterworfen seien, betont Hellmeyer

 

Das WirtschaftsBlatt 3 Wochen gratis testen
» Jetzt kostenlos bestellen

12:04

Gold: Längste Gewinn-Serie seit 2 Jahren

30.06.2016, 19:01

Euro fällt unter 1,10 Dollar - Gold stabil

30.06.2016, 14:11

Gold und Yen mit größtem Juni-Plus seit Jahrzehnten

Kommentare

1 Kommentare

"Dies lässt sich auch an Zahlen des Internationalen Währungsfonds (IWF) [http://www.imf.org/external/np/sta/cofer/eng] ablesen" Hahaha. Glaube keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast!!!

verfasst am 15.07.2014, 16:52

29.06.2016, 17:43

Silberpreis steigt auf höchsten Stand seit Jänner 2015

Eine Feinunze Silber kostet 18,47 Dollar.

28.06.2016, 13:42

Gold-Experte Stöferle: "Gold befindet sich wieder in einem Bullenmarkt"

Goldexperte Ronald-Peter Stöferle hat sein Kursziel für Gold von 2.300 Dollar bis Juni 2018 bestätigt.

27.06.2016, 17:22

Brexit: Anleger fliehen in Scharen aus dem Pfund Sterling

Die Entscheidung der Briten für den Ausstieg aus der Europäischen Union setzt dem Pfund Sterling weiter stark zu. In London rechnen viele Börsianer mit einer baldigen Zinssenkung durch die Bank of England.

27.06.2016, 08:47

Gold seit Brexit-Votum im Aufwind

Aus Unsicherheit über die weitere politische und wirtschaftliche Entwicklung in Folge des Brexit-Votums flüchten Anleger wieder in Gold.

26.06.2016, 22:17

Der Brexit lässt Gold und Silber noch mehr erstrahlen

Edelmetalle waren bis Freitagfrüh eigentlich nicht mehr so recht gefragt. Doch die neue Situation in Europa befeuert das Bestreben der Anleger, sich stärker abzusichern.

Goldpreis - Chart

CA Immo Logo
Immofinanz Group Logo

Weltwährungen

USD
Mehr

Aktiensuche


Börse Frankfurt

Borsenkurse

Top 5

VOLKSWAGEN A.113,814,36%chart

THYSSENKRUPP.18,844,12%chart

CONTINENTAL .175,372,90%chart

BAYERISCHE M.67,802,54%chart

DT.T L.FANA .10,922,04%chart

Flop 5

PROSIEBENSAT.38,24-3,09%chart

VONOVIA SE N.32,42-1,55%chart

ALLIANZ SE V.127,31-1,51%chart

BEIERSDORF A.83,94-1,37%chart

COMMERZBANK .5,85-1,32%chart

Mehr
Borsenkurse

Top 5

HELLA KGAA H.30,696,17%chart

LEONI AG NAM.26,165,68%chart

STEINHOFF IN.5,244,66%chart

AURUBIS AG I.42,674,23%chart

SALZGITTER A.24,844,23%chart

Flop 5

JUNGHEINRICH.26,74-2,48%chart

HUGO BOSS AG.50,11-2,19%chart

KRONES AG IN.93,72-2,14%chart

AIRBUS GROUP.51,26-1,51%chart

METRO AG INH.27,49-1,05%chart

Mehr
Borsenkurse

Top 5

ADO PROPERTI.35,484,67%chart

ADLER REAL E.11,813,69%chart

BRAAS MONIER.20,753,34%chart

HAMBURGER HA.13,772,72%chart

WASHTEC AG I.31,932,62%chart

Flop 5

KOENIG & BAU.44,82-2,36%chart

HEIDELBERGER.2,45-1,64%chart

ELRINGKLINGE.17,62-1,29%chart

STABILUS S.A.42,00-1,26%chart

HAPAG-LLOYD .18,72-1,23%chart

Mehr
Borsenkurse

Top 5

UNITED INTER.38,333,03%chart

SARTORIUS AG.68,642,82%chart

SMA SOLAR TE.45,412,19%chart

DIALOG SEMIC.27,292,03%chart

SOFTWARE AG .30,921,46%chart

Flop 5

AIXTRON SE N.5,28-3,56%chart

TELEFONICA D.3,61-2,83%chart

SILTRONIC AG.13,87-2,53%chart

CANCOM SE IN.44,11-2,15%chart

SUESS MICROT.6,64-1,04%chart

Mehr