07.01.2016, 10:02  von Bloomberg/schu

George Soros treibt Goldpreis in die Höhe: "Umfeld erinnert an die Krise 2008"

George Soros in Sri Lanka / Bild: (c) APA/AFP/LAKRUWAN WANNIARACHCHI

Gold ist wieder einmal seinem Ruf gerecht geworden, in turbulenten Zeiten der bevorzugte Rohstoff für Investoren zu sein. Der Kurseinbruch an den chinesischen Aktienbörsen ließ den Goldpreis am Donnerstag den vierten Tag in Folge steigen und trieb ihn zeitweise über die Marke von 1100 Dollar je Unze auf ein Zweimonatshoch.

Der Handel an Chinas Börsen wurde zum zweiten Mal in dieser Woche vorzeitig beendet, was die Nachfrage nach sicheren Anlagen verstärkte. Zugleich warnte der Milliardär
und Investor George Soros, die globalen Märkte stünden vor einer Krise und die Anleger müssten sehr vorsichtig sein.

"Gold ist wahrscheinlich der einzige Rohstoff, der von den
Turbulenzen profitiert", sagte Bob Takai, CEO und President von Sumitomo Corp. Global Research in Tokio. "Der Aktienmarkt liegt am Boden, daher handeln die Investoren anscheinend aus Risikoscheu." Seit Jahresanfang hat Gold die beste Entwicklung unter allen Rohstoffen aufzuweisen. Zuvor war der Goldpreis drei Jahre in Folge gesunken. Doch die Schwäche von Währung und Aktienkursen in China, zusammen mit zunehmenden geopolitischen Spannungen im Nahen Osten und Nordkorea, hat die Nachfrage nach
Gold wiederbelebt. Soros äußerte sich auf einer Veranstaltung in Colombo, Sri Lanka: China tue sich schwer, ein neues Wachstumsmodell zu finden, und die Abwertung seiner Währung transferiere diese Probleme auf den Rest der Welt.

Das derzeitige Umfeld "erinnert mich an die Krise des
Jahres 2008", sagte Soros. Gold hatte sich in dem Jahr mit dem Beginn der globalen Finanzkrise um 5,8 Prozent verteuert. 2009 gab es eine Goldpreisrally von 24 Prozent und 2010, als die Aktienmärkte kollabierten, kletterte der Goldpreis um 30 Prozent.

Größter Gewinner

Am Kassamarkt verteuerte sich Gold am Donnerstag um rund ein Prozent und kletterte auf 1104 Dollar die Unze. Im Bloomberg Commodity Index, der die Erträge von 22 Rohstoffen misst, kommt das Edelmetall für dieses Jahr auf ein Plus von 3,7 Prozent.

Gold ist bisher der große Gewinner der Verwerfungen an den Finanzmärkten und wird damit seine Rolle als sicherer Hafen weiter gerecht, bestätigen die Commerzbank-Analysten. In US-Dollar kletterte der Goldpreis auf ein 9-Wochenhoch und in Euro gerechnet auf ein 7,5-Wochenhoch.

Unterdessen brachen die Preise von Industriemetallen und Öl weiter ein. Nordseeöl der Sorte Brent verbilligte sich zeitweise um bis zu sechs Prozent auf 32 Dollar je Barrel (159 Liter) und kostete damit so wenig wie zuletzt Anfang April 2004. Der Preis für das US-Öl WTI rutschte in der Spitze um 5,5 Prozent auf ein Zwölf-Jahres-Tief von 32,10 Dollar je Fass ab. Die Aussicht auf ein anhaltendes Überangebot macht dem Ölpreis seit Monaten zu schaffen. Wegen der weltweiten Überproduktion und des Kampfs der Förderländer um Marktanteile hat sich Rohöl seit Mitte 2014 um etwa zwei Drittel verbilligt. Verschärft wurde der Preisrutsch zuletzt noch durch die zunehmenden Spannungen zwischen dem sunnitischen Saudi-Arabien und dem schiitischen Iran über den Jahreswechsel. Experten zufolge wird dadurch eine gemeinsame Linie des Ölkartells Opec zum Abbau des Überangebots nun noch unwahrscheinlicher.

Auslöser für den jüngsten Preisrutsch waren laut Commerzbank-Einschätzung die neuen Schocknachrichten aus China und ein massiver Anstieg der US-Benzinvorräte. Die extrem negative Stimmung, die Charttechnik und das Momentum sprechen kurzfristig für eine Fortsetzung des Preisverfalls, erwartet die Commerzbank. Die Experten sehen aber eine spekulative Übertreibung.

Chinas CSI 300 Aktienindex sackte am Donnerstag um 7,2
Prozent ab, bevor der Handel gestoppt wurde. Der Inlands-Yuan-Kurs fiel auf ein Fünfjahrestief zum Dollar, nachdem die Zentralbank ihren Referenzkurs so stark heruntersetzte wie seit August nicht mehr. "Die Leute werden sich Sorgen machen im Hinblick auf Schwellenländerwährungen und Währungen mit Bezug zu China. Daher werden sie nach Anlagen wie Gold, dem japanischen Yen und dem US-Dollar greifen", sagte Ric Spooner, Chef-Marktstratege bei
CMC Markets Asia Pacific Pty. in Sydney. "Es gibt ziemlich viele Leute im Markt, die sich sorgen, dass die Marktbewegungen in China möglicherweise eine Reaktion der Verantwortlichen darauf widerspiegeln, dass die Wirtschaft schwächer sein könnte als viele meinen."

 

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