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10.09.2012, 09:17 von Fabian Graber / Alexander Hahn
WirtschaftsBlatt: Können Sie sich vorstellen, in fünf Jahren mit einem Elektroauto unterwegs zu sein?
Gerhard Roiss: Das hängt davon ab, was breiter einsetzbar ist -mit Wasserstoff schafft man Reichweiten, wie man sie heute von Autos kennt. In zwei Jahren werden die ersten Serienautos vom Band laufen. Sie haben die höchste Energieeffizienz, und sie tanken bei OMV-Tankstellen.
Das ist für Sie natürlich der springende Punkt.
Es wird Wasserstofftankstellen brauchen. Ob es in fünf oder zehn Jahren so weit ist, sei dahingestellt. Fakt ist: Es kann nur eine globale Antwort geben. Gas ist für die nächsten 200 Jahre verfügbar und Wasserstoff wird aus Gas erzeugt. Das ist eine Antwort auf die Mobilität, die heute noch zu wenig gesehen wird.
Finden Sie die Widerstände in der Bevölkerung gegen Schiefergas gerechtfertigt?
Der Konsument hat das Anrecht, ausreichend informiert zu werden. Die Industrie muss transparent sein und die Gesamtheit der Thematik auf den Tisch legen.
Wie sieht die aus?
Das ist ein europäisches Thema mit Auswirkungen auf den Wettbewerb: Die energieintensive Petrochemie ist in den USA vor Ort. Und viele fragen sich, wo sie investieren sollen: in Europa -oder dort, wo die Energie nachhaltig günstig ist? Man ist sich in Europa nicht bewusst, was bereits losgetreten wurde.
Ihr Ziel lautet, organisch zwei Prozent pro Jahr zu wachsen. In Rumänien lässt die Förderung schon nach. Wie wollen Sie die zwei Prozent schaffen?
Ich habe gesagt bis 2016. Die Felder in Rumänien sind alt. Es ist eine fantastische Leistung, die Produktion zu stabilisieren. Wir waren die Ersten, die im Schwarzen Meer in großem Stil Gas entdeckt haben. Nächstes Jahr werden wir sehen, wie groß das Potenzial ist.
Wo werden Sie als Nächstes investieren?
In Abu Dhabi sind wir gerade eingestiegen, das haben wir viele Jahre lang verfolgt -ein großer Schritt. Abu Dhabi ist mit über drei Millionen Barrel pro Tag einer der ganz großen Produzenten und wird in den kommenden Jahren den Iran überholen.
Wie viel wollen Sie dort fördern?
Dafür ist es zu früh. Wir werden das Feld jetzt evaluieren.
Wie wird sich das Verhältnis Upstream zu Downstream entwickeln?
Unsere Strategie ist simpel: Upstream ausbauen, Downstream optimieren. Upstream ist ein langfristiges Geschäft. Tankstellen sind Jahresgeschäfte. Wir verhandeln derzeit den Rückzug aus dem Tankstellengeschäft in Bosnien und Kroatien bis 2014. Da gibt es die ersten Angebote.
Das erste Halbjahr ist für die OMV gut gelaufen. Wie sehen Sie die weitere Entwicklung?
Der Ölpreis hängt vom weltweiten Wachstum ab. Solange die Prognosen halten, gehen wir davon aus, dass 100 US-$ gerechtfertigt sind. Die europäische Raffinerielandschaft ist von Überkapazitäten geprägt, das wirkt sich natürlich negativ auf Margen und Ergebnis aus. Positiv ist für die OMV, dass wir sehr stark in der Petrochemie sind- wo das Geschäft im ersten Halbjahr sehr gut war.
Spielt dem Nabucco-Projekt die Krise in Südeuropa in die Karten?
Das hat damit nichts zu tun. Es geht um langfristige Verträge, somit kann ich den Markt Griechenland aus heutiger Sicht nicht beurteilen. Fakt ist aber: Die Märkte, die Nabucco versorgen kann, sind ein starkes Versprechen.
Wovon hängt es ab, dass das Gaskonsortium in Aserbaidschan auf Nabucco-West als Pipeline setzt?
Zuerst müssen die Produzenten wissen, wer ihnen die nächsten 20 Jahre zu welchen Preisen das Gas abkauft. Dann entscheiden sie, welche Pipeline dafür am besten geeignet ist. Mir geht es darum, dass in Baumgarten bei der OMV Gas ankommt -woher, ist zweitrangig.
Wird Bayerngas bei Nabucco einsteigen?
Das weiß ich noch nicht. Es werden jedenfalls noch mehr Unternehmen einsteigen.
Ihr Vertrag läuft bis März 2014. Wo sollte die OMV dann stehen?
Ich orientiere mich nicht nach meinem Vertrag, sondern nach dem Wohl des Unternehmens. Was immer wir tun, hat eine langfristige Orientierung. Was sie heute in unserem Ergebnis sehen, ist oft das Ergebnis von Investitionen, die lange zurückliegen.
(WirtschaftsBlatt, Print-Ausgabe, 2012-09-10)
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Europas Raffinerielandschaft ist von Überkapazitäten geprägt
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Marktbericht. Furcht vor einer Abkühlung der Weltwirtschaft macht sich breit. Die Börsen verlieren auf breiter Front.
Kommentare
2 Kommentare
andrea82 meint
www.weinviertelstattgasviertel.at
verfasst am 07:10 11.09.2012
Gast: caz meint
Die renommierten Autohersteller pushen ja das E-Auto nur noch weil sie schon zu viel Geld in dessen Entwicklung gesteckt haben. Und das mit dem Wissen darum, dass das Elektroauto kein befriedigender Ersatz für Antriebe mit fossilen Energieträgern ist
verfasst am 12:34 10.09.2012