30.11.2012, 15:05  von Petra Spescha

RHI-Chef prophezeit einen Aufschwung in der Stahlindustrie

RHI-Chef Franz Struzl will mit dem Unternehmen wachsen / Bild: Elke Mayr

Ansage. Der Chef des Feuerfest-Konzerns RHI, Franz Struzl, will trotz schwierigem Umfeld mit dem Unternehmen auch auf Jahresbasis wachsen. Die Projekte in Serbien und Brasilien liegen auf Eis. Einen kolportierten Zukauf in Indien dementiert Struzl. Auch Werksschließungen sind kein Thema mehr.

Wien. RHI-Chef Franz Struzl spürt den Abschwung der weltweiten Stahlindustrie. Das vierte Quartal wird der Chef des börsenotierten österreichischen Feuerfestprodukte-Herstellers deshalb nicht ganz so erfolgreich abschließen können, wie die vergangenen neun Monate des laufenden Geschäftsjahres. So wird die Ebit-Marge unter jener des dritten Quartals (12,3 Prozent) zu liegen kommen.

Insgesamt wird Struzl sein erstes volles Geschäftsjahr als Chef der RHI aber mit einer deutlichen Umsatz- und Ergebnissteigerung abschließen. Der Umsatz soll nach rund 1,75 Milliarden € 2011 heuer auf über 1,8 Milliarden € klettern. „Die Ebit-Marge wird deutlich besser als im Vorjahr (8,6 Prozent; Anm.) sein, aber sie wird nicht bei zehn Prozent liegen. Eher in der Nähe von 9,5 Prozent", sagte Struzl am Freitag im Klub der Wirtschaftspublizisten.

Für 2013 ist Struzl „gedämpft optimistisch" und erwartet nach der Delle am Stahlmarkt bereits wieder eine Erholung. „Wir sehen einen Aufschwung in der Stahlindustrie Mitte des zweiten Quartals. Das lassen erste verbesserte Auftragseingänge vermuten. Wir sehen auch eine Belebung auf der Bau-Seite." Auf der Rohstoffseite rechnet Struzl nicht mit starken Einbrüchen. Im kommenden Jahr will er den Umsatz halten und ein das Ergebnis verbessern. Mittelfristig soll der Umsatz gar auf drei Milliarden € klettern und sich die Ebit-Marge zwischen zwölf und 13 Prozent einpendeln.

Doch kein Zukauf in Indien?

Um dieses Ziel zu erreichen muss die RHI weiter wachsen. Struzl will deshalb in neue Märkte eindringen und zukaufen. Er hat dabei USA und Indien im Auge.

In Nordamerika überlegt Struzl Green- und Brownfield-Projekte. In den kommenden drei Jahren will er dort wieder produzieren. Rund 50 Millionen € würde der RHI-Chef dafür in die Hand nehmen. Die USA haben seiner Ansicht nach Potenzial: „Wir sehen dort eine Industrialisierung, die ich in Europa nicht sehe. Was wir in den nächsten 50 Jahren in Europa machen werden, weiß ich nicht. Vielleicht sind wir dann wieder Jäger und Sammler", sagt der CEO. Die Industrie werde in Österreich und Europa „zu Tode reguliert" und besteuert.

In Indien führt Struzl „Gespräche mit Partnern, die zu uns passen". Realistisch sei aber im Moment „gar nichts". Dass man kurz vor dem Abschluss mit einem indischen Unternehmen stehe, sei „eindeutig die Unwahrheit". In den Medien war kolportiert worden, die RHI habe 48 Prozent an der indischen Orient Refractories erworben und bereite ein 80 Millionen €-schweres Übernahmeangebot vor.

Auch Russland hat Struzl auf der Agenda: „Ich schließe nicht aus, dass wir langfristig in Russland produzieren werden. Wenn möglich aus nationalem Rohstoff heraus", sagt Struzl. In Europa will er über Spezialprodukte weiter wachsen. Die Arbeit in China gestalte sich schwierig. Das Land sei „nicht mehr berechenbar".

Projekt-Stopp in Brasilien und Serbien

In Brasilien liegt der Bau eines Werks in Queimados nach plötzlich eingeführten hohen Importzöllen und Dumpingverfahren derzeit auf Eis. Dass sich die Situation in den kommenden zehn Jahren entspannt, glaubt Struzl nicht. Endgültig die Hoffnung aufgeben will er dennoch nicht: „Wir haben eines gelernt: Ohne einen nationalen Rohstoff werden wir in Brasilien nicht gewinnen können." Wenn das gelinge, wäre der Bau der Fabrik wieder ein Thema. Man untersuche verschiedene Möglichkeiten und Partnerschaften. Das „stranded investment" belaufe sich in Brasilien derzeit auf rund zehn Millionen €, so Struzl.

Vorerst gestoppt ist auch die Übernahme eines serbischen Rohstoffproduzenten. Den erhofften Abschluss wird es heuer nicht geben. Struzl schließt aber nicht aus, dass aus dem Deal irgendwann doch noch etwas wird.

Kein „Standort-Vernichtungsprogramm"

Trotz schwacher Stahlkonjunktur hat Struzl nicht vor, in Mitteleuropa Betriebe zu schließen; und das trotz Auslastungsproblemen. In Deutschland habe er „ohne viel Wirbel" bereits Kurzarbeits-Aussetzungsverträge gestartet. In Österreich sei das aber „sinnlos". Hier würden Urlaubskonten abgearbeitet. Wenn die europäische Stahlindustrie aber weiter um zehn, 20 Prozent schrumpfe, was er allerdings nicht glaubt, müsse man über Optimierungen sprechen. Man werde die Organisation verändern und nicht zwangsläufig Werke schließen. „Wir arbeiten nicht an einem Standort-Vernichtungsprogramm", so Struzl.

Dividendenerhöhung

Gute Nachrichten gibt es für Aktionäre. Sie können sich möglicherweise auf eine höhere Dividende freuen. „Wir werden die Payout-Ratio (derzeit bei rund 25 Prozent) erhöhen", sagt Struzl.

 

 

 

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