22.12.2012, 11:44  von Leo Himmelbauer

Börse-Bilanz: Heuer 24 Milliarden Euro verloren

Börse-Vorstand Birgit Kursas, Michael Buhl / Bild: (c) PEROUTKA G nther WB (PEROUTKA Guenther WB)

Die Aktienumsätze an der Wiener Börse brachen heuer um 40 Prozent ein. Sie sind so gering wie zuletzt vor neun Jahren.

Wien. Birigt Kuras und Michael Buhl, die beiden Vorstände der Wiener Börse, zogen bereits vor Weihnachten die Bilanz für 2012. Die gute  Nachricht: Nach zwei schwierigen Jahren schlug sich der Leitindex ATX beachtlich. Er ist seit Jahresbeginn um 28,32 Prozent gestiegen (Stand Donnerstag vor Handelsbeginn) und hat damit bis auf den deutschen DAX alle wichtigen europäischen Börsen outperformt. Die schlechte Nachricht: Die monatlichen Umsätze haben zwar im Sommer ihren Tiefstand überwunden, sie sind allerdings auf äussert tiefem Nivau. Im Dezember gibt es voraussichtlich Umsätze von 2,2 Milliarden Euro. Das wäre gegenüber Dezember 2011, der gegenüber 2010 einen Rückschlag um mehr als 50 Prozent gebracht  hatte,  ein Rückgang um 28,1 Prozent bzw. 860 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr sind demnach Aktienumsätze von 35,2 Milliarden Euro zu erwarten. Das sind um 24,2 Milliarden Euro bzw. 40,8 Prozent weniger als im Jahr 2011, das einen Rückschlag um 18 Prozent gebracht hatte. Niedriger waren die Aktienumsätze an der Wiener Börse zuletzt 2003.

Die Marktkapitalisierung beträgt per 19. Dezember 79,04 Milliarden Euro . Das entspricht einem Plus von 13,32 Milliarden Euro gegenüber dem 31.12.2011.

Gut gelaufen ist das Jahr, was  Unternehmensanleihen übetrifft.  Insgesamt wurden heuer  27  Corporate Bonds im Wert von 4,4 Milliarden Euro gelistet bzw. einbezogen. 2012 bot europaweit kein ideales Umfeld für Börsegänge, für das kommende Jahr zeigt sich Birgit Kuras zuversichtlicher: „Das Marktumfeld hat sich verbessert, die Volatilitätsindizes signalisieren wieder mehr Ruhe und auch das Vertrauen der Unternehmen in die Kapitalmärkte steigt langsam wieder an." Börsegänge  seien im kommenden Jahr dennoch nicht selbstverständlich: „ Es bedarf zuerst eines erfolgreichen IPOs oder einer großen erfolgreichen Kapitalerhöhung. Dann würden andere Kandidaten ihre fertigen Börsepläne aus der Schublade holen", so Kuras.

Die Wiener Börse hat heuer gemeinsam mit österreichischen und ausländischen Banken für gelistete Unternehmen Roadshows in New York, Zürich, London, Mailand und Paris organisiert. „Besonders bei unseren beiden jüngsten Roadshows in Zürich und New York nahmen zahlreiche Investoren teil. Österreich profitiert wieder von der engen Verknüpfung mit Zentral- und Osteuropa (CEE), weil diese Märkte auch in Zukunft die Wachstumszone Europas bilden werden", sagt Buhl.

Sollte das Rezessionstief erwartungsgemäß im ersten Quartal 2013 durchschritten werden, erwarten beide Vorstände eine Stabilisierung des Aufschwungs der Wiener Börse durch einen weiteren ATX-Anstieg, mehrere Kapitalmarkttransaktionen und steigende Aktienumsätze. „Wenn der Index weiter zulegt, wird auch das Kaufinteresse bei institutionellen Investoren und Privatanlegern zunehmen. Die Umsätze an der Wiener Börse werden somit zeitversetzt ansteigen", sagt Kuras. Liquidität bleibt auch im kommenden Jahr ein zentrales Thema für den Vorstand der Wiener Börse. „Wir werden unsere Maßnahmen zur Erhöhung der Liquidität, wie die Akquisition zusätzlicher Handelsteilnehmer oder Roadshows für internationale Investoren im kommenden Jahr verstärkt fortsetzen", versichert Buhl.

 

 

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