21.12.2012, 13:15

Mega-Deal der conwert in Deutschland

Bild: WB (MAYR Elke)

Immobilien. Der österreichische Wohnimmo-Konzern übernimmt 60 Prozent der KWG, die 6700 Wohnungen ihr Eigen nennt.

Wien. Der börsenotierte österreichische Wohnimmo-Konzern conwert übernimmt 60 Prozent an der deutschen Kommunale Wohnen AG (KWG) mit Sitz in Hamburg. KWG verfügt über 9.700 Wohnungen mit 605.000 m2 Fläche, die künftig in der conwert vollkonsolidiert werden. Bezogen auf den 60-Prozent-Anteil erwirbt conwert Assets im Volumen von rund 260 Mio. Euro von einem Gesamtwert von 430 Mio. Euro, wie der APA am Freitag auf Anfrage erklärt wurde. Mit dem Zukauf wächst das Deutschland-Portfolio von conwert um zwei Drittel auf 24.500 Einheiten.

Der KWG-Anteil wird zu einem implizierten Kaufpreis von 620 Euro pro m2 erworben, hieß es am Freitag in einer Ad-hoc-Aussendung. Über den konkreten Kaufpreis wurde aber Stillschweigen vereinbart. Finanziert werden soll der Erwerb ungefähr je zur Hälfte in bar und über conwert-Aktien - dazu wird der implizierte Transaktionswert der eigenen Aktien mit je 13,94 Euro angegeben. Das Wiener Immo-Unternehmen will deshalb bis Ende März 2013 bis zu 2,5 Millionen eigene Aktien zurückkaufen.

"Signifikante Synergiepotenziale"

Durch den Mehrheitserwerb der KWG erweitere die conwert ihr bisheriges Deutschlandportfolio um etwa 66 Prozent auf knapp 24.500 Einheiten. Das Portfolio bestehe aus "ertragsstarken Wohnimmobilien" mit Schwerpunkten in Nordrhein-Westfalen sowie in Berlin, Sachsen, Niedersachsen und Thüringen, heißt es.

Nach einem vor kurzem erfolgten Zukauf rechne die KWG mit einer Jahresnettokaltmiete für 2013 in Höhe von etwa 32 Mio. Euro nach 19,5 Mio. Euro, die für 2012 geplant sind. "conwert erwartet durch die Transaktion signifikante Synergiepotenziale sowie eine deutliche Steigerung der Rentabilität des Gesamtportfolios", schreibt das Wiener Immobilienunternehmen. Im ersten Quartal werde detailliert über die voraussichtlichen Synergieeffekte berichtet.

KWG-Vorstandssprecher Stavros Efremidis soll zukünftig das operative Geschäft im Kernmarkt Deutschland verantworten und nach Abschluss der Transaktion im Februar 2013 in das geschäftsführende Direktorium der conwert berufen werden.

Aktie schießt in die Höhe

Die Aktien der im Entry Standard der Frankfurter Wertpapierbörse notierten Kommunale Wohnen AG (KWG) mit Sitz in Hamburg sind am Freitag in den ersten beiden Stunden nach der Eröffnung um 8,8 Prozent auf 6,66 Euro in die Höhe geschossen.

Ein Sprecher der conwert erklärte gegen Mittag gegenüber der APA aber, dass die conwert kein Übernahmeangebot legen werde und dies im entsprechenden Börsesegment auch nicht notwendig sei.

Auch die Anleger in Wien goutierten den in den Morgenstunden bekannt gegebenen Deal: Die an der hiesigen Börse notierte conwert-Aktie kletterte bis gegen 12.30 Uhr um 4,2 Prozent auf 9,87 Euro.

Kosten: Bis zu 80 Millionen €

Die Kosten, die der conwert durch die mehrheitliche Übernahme der Hamburger KWG entstehen, werden in mit dem Deal vertrauten Kreisen auf 70 bis 80 Millionen Euro geschätzt. Etwa die Hälfte davon wird mit eigenen Aktien bezahlt, deren Wert allerdings mit 13,94 Euro um knapp 40 Prozent über dem aktuellen Kurs der conwert angesetzt wurde.

Der aus dem Deal hervorgehende neue Kernaktionär wird der drittgrößte Aktionär der conwert werden, aber voraussichtlich weniger als 5 Prozent des Aktienkapitals halten, sagte conwert-Sprecher Clemens Billek auf APA-Anfrage. Die conwert erwirbt das deutsche Aktienpaket von einer Gruppe von KWG-Aktionären.

Die von der conwert bereits zurückgekauften 3,8 Millionen Aktien sowie die bis zu 2,5 Millionen Anteile, die bis Ende März zugekauft werden sollen, reichen nach Darstellung der conwert jedenfalls aus, um den Aktienanteil des Kaufpreises bedienen zu können.

Um eine Kaufoption auf weitere 1 Million conwert-Aktien zu 10 Euro bedienen zu können, will die conwert "zeitnah" ein weiteres Aktienrückkaufprogramm starten.

Von der KWG sind aktuell 15,9 Millionen Aktien ausstehend, die gestern noch bei etwa 6 Euro notiert haben. Dies ergibt für den 60-Prozent-Anteil rechnerisch rund 58 Mio. Euro. Üblich sind Übernahmeprämien zwischen 20 und 40 Prozent, was ein Preisband von 70 bis 80 Mio. Euro ergibt. Ein Teil des Kaufpreises hängt laut Aussendung von der Erreichung bestimmter Kenngrößen bei KWG ab, gab die conwert bekannt.

Das Wiener Unternehmen wird die zu 60 Prozent erworbene Firma voraussichtlich ab dem ersten Quartal 2013 voll konsolidieren, sagte conwert-Sprecher Billek.

Das bedeutet, dass die KWG-Aktiva voll in die Bilanz genommen werden und Mieterlöse und Profite auch voll in die conwert-Gewinnrechnung einfließen. Dafür wird am Ende der GuV-Rechnung ein Minderheiten-Gewinnanteil abgezogen.

Die conwert erwartet die Genehmigung durch die Kartellbehörden bis Ende Jänner 2013.

 

 

(APA)

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