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26.12.2012, 23:02 von Hans-Jörg Bruckberger und Andre Exner
Wien. Die Letzten werden die Ersten sein, heißt es schon im Neuen Testament. An der Börse hat sich das wieder einmal bewahrheitet: Die nach einem grottenschlechten Jahr 2011 totgesagte Börse Wien hat sich heuer eindrucksvoll zurückgemeldet. Der Leitindex ATX liegt seit Jahresbeginn 27,4 Prozent im Plus, gleich fünf Mitglieder haben mehr als 50 Prozent zugelegt. Und die viel gescholtenen Banken waren die Überflieger schlechthin, wobei die Erste Group mit einem Kursgewinn von rund 77 Prozent herausragt.
Auch im Vergleich mit internationalen Benchmarks ist diese Leistung sehenswert. Paris (CAC), Tokio (Nikkei), London (FTSE), New York (Dow), Eurostoxx: Sie alle hat der Wiener Leitindex outperformt. Der DAX enthält auch die Dividenden; berücksichtigt man diese auch in Österreich, gewinnt der ATX auch den Vergleich mit dem Nachbarland.
Freilich hat nicht jeder Grund zum Feiern: Die schwache Baukonjunktur macht Wienerberger und Strabag zu schaffen, Letztere notiert wie auch der Verbund sogar im Minus. Am schlechtesten schneidet die Telekom Austria ab, die 2012 (und das Börsejahr ist ja so gut wie zu Ende) fast 40 Prozent an Wert eingebüßt hat - das nicht zuletzt, da eines der letzten Kaufargumente weggefallen ist: Die Dividende musste gekürzt werden.
Umsatz hinkt nach
Doch auch in den Büroräumen der Börse Wien wird sich die Euphorie trotz der guten ATX-Entwicklung in Grenzen halten. Schließlich ist die Umsatzentwicklung an der Börse besorgniserregend - auch wenn sie bis zum Jahresende wieder ein Stück zulegen konnte und der Tiefstand aus dem Monat Juli nicht wieder erreicht wurde (siehe Grafik).
Mitverantwortlich dafür, dass die Umsätze schwinden, ist laut Experten die Politik, die dem Kapitalmarkt etwa mit der neuen Wertpapier-KESt einen Bärendienst erwiesen hat. Alois Wögerbauer, Geschäftsführer der 3 Banken Generali Investment, zeigt sich kämpferisch: „Es ist die Aufgabe unserer Branche, unermüdlich darauf hinzuweisen, dass wir viele ausgezeichnete Unternehmen haben, in die es Sinn macht, zu investieren. Eine Industrienation braucht einen funktionierenden Kapitalmarkt - dass wir das im Jahr 2012 überhaupt erklären müssen, ist ja schon an sich ein Armutszeugnis."
Zuletzt konnten neue Marketmaker gewonnen werden. BIW übernimmt diese Aufgabe für Conwert und EVN, die Baader Bank für Conwert. Im November wurde ein neues Handelsmitglied zugelassen: BNP Paribas Arbitrage SNC Paris inklusive seiner Zweigniederlassung in London. Dennoch befürchten Börsianer eine „Erosion" der Marketmaker, Analysten und der Zahl der notierten Unternehmen - während nämlich einzelne Firmen der Börse den Rücken kehren oder aufgrund von Übernahmen wegfallen, kommt seit Jahren nichts mehr nach.
Die größte Hoffnung von Börsechefin Birgit Kuras ist daher, dass auch der IPO-Markt ein Comeback erleben wird. „Das Interesse der Unternehmen ist da", sagte sie erst vor Kurzem zum WirtschaftsBlatt. Noch stünden viele wegen konjunktureller Unsicherheiten auf der Bremse. „Wenn die Konjunktur anspringt, werden Investitionen und dann sicher auch Eigenkapital aber wieder ein Thema" - nicht zuletzt, weil auch die Finanzierung, etwa über Kredite, immer schwieriger werde.
Attraktive Aktien
Wie geht es 2013 weiter? Die Experten der Erste Group gehen erneut von einer zweistelligen Performance im ATX aus. Auch Fondsmanager Wögerbauer ist für Aktien generell zuversichtlich - und das, obwohl sich sein Optimismus insgesamt in Grenzen hält: „Aktien sind wohl die einzige Assetklasse, die im historischen Vergleich attraktiv bewertet ist. Eine Beteiligung an realen Unternehmen macht im aktuellen Umfeld sowieso Sinn. Daher mein Rat an die Österreicher: Rauf mit der Aktienquote - auch wenn das in diesem Land leider nicht populär ist." Wenn das internationale Marktumfeld mitspielt, sollte Wien also weiter outperformen. Denn der Aufholbedarf ist immer noch groß und der ATX erst vor Kurzem aus seinem charttechnischen Abwärtstrend ausgebrochen.
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1 Kommentare
Gast: Markus Trullus meint
verfasst am 11:36 27.12.2012