22.01.2013, 06:51  von Leo Himmelbauer

AT&S investiert 350 Millionen Euro in neues Segment

AT&S-Chef Andreas Gerstenmayer / Bild: WB/MAYR Elke

Leiterplattenhersteller AT&S steigt in ein neues Geschäftsfeld ein. In China wird gross investiert.

Leoben. Leiterplattenhersteller AT&S, Marktführer in Europa und auch weltweit ein führender Player, kündigte den Einstieg in die Produktion von IC-Substraten an. Solche dienen zur Verbindung von Halbleitern mit der Leiterplatte. Die strategische Expansion basiere auf dem Trend, dass sich Halbleiter- und Leiterplattenanforderungen sowie diesbezügliche Fertigungstechniken immer mehr annähern. Das weltweite Marktpotential für IC-Substrates werde auf 8,6 Milliarden Dollar geschätzt und soll bis 2016 auf  11,8 Milliaden Dollar steigen, heisst es dazu.

Die Produktion der IC-Substrate soll in China erfolgen. AT&S will das erforderliche Know-how mit Unterstützung eines führenden, nicht namentlich genannten Halbleiterherstellers aufbauen und in enger Kooperation mit diesem in den Markt einsteigen. Das in Bau befindliche Werk in Chongqing, China, wird auf das neue Geschäftsfeld ausgerichtet. Aus heutiger Sicht rechnet die AT&S mit Gesamtinvestitionen von rund 350 Millionen Euro exklusive Anlaufkosten. AT&S rechnet mit Umsätzen in diesem Geschäftsfeld ab dem Kalenderjahr 2016.

In Chongqing wird seit 2011 gebaut. Es wird dies der siebte Standort des steirischen Konzerns und der zweite in China nebst Shanghai, wo 4900 der insgesamt 7500 Mitarbeiter beschäftigt sind. AT&S-Präsident Hannes Androsch bezifferte vergangenen Oktober die Kosten für die erstes Ausbauphase mit 280 Millionen Euro, die Kosten für den Endausbau mit bis zu 600 Millionen Euro. 4000 bis 5000 Mitarbeiter sollen in Chongqing beschäftigt werden.

Umsatz steigt, Gewinn fällt

AT&S legte am Montag auch  Zahlen für das dritte Quartal. 150 Millionen Euro Umsatz bedeuten Quartalsrekord. Das operative Ergebnis (EBITDA) lag bei 30,5 Millionen Euro. Die Einführung neuer Modelle führender Smartphone Hersteller und die gesteigerte Nachfrage nach hochwertigen Leiterplatten für die Premiumklasse im Automotivebereich hätten zu einer Verbesserung des operativen Ergebnisses gegenüber dem ersten Halbjahr 2012/13 geführt, heisst es. Nach neun Monaten hält AT&S bei Erlösen von 405,12 Millionen Euro nach zuvor 371,75 Millionen Euro. Das EBITDA fiel geringfügig von 75,91 auf 74,43 Millionen Euro. Der Periodengewinn in den ersten drei Quartalen beträgt 5,44 Millionen Euro oder 23 Cent je Aktie nach zuvor 94 Cent je Aktie.  

Die Umsatzsteigerung sei vor allem auf die verbesserte Kapazitätsauslastung des HDI Werkes in Shanghai zurückzuführen. Während in den ersten sechs Monaten die Auslastung unter den Erwartungen lag, habe sich die Auftragslage im dritten Quartal mit der erfolgreichen Einführung neuer Produkte für den Mobile Device Markt wesentlich verbessert. Auch  finden immer mehr HDI Leiterplatten Einzug in die Premiumklasse im Automotivebereich. Die Nachfrage nach hochwertigen Leiterplatten in der Industrie in Europa ging konjunkturbedingt zurück.

AT&S-Chef Andreas Gerstenmayer: "Natürlich können wir den schwachen Start ins Geschäftsjahr nicht zu 100 Prozent kompensieren. Die starke Nachfrage im Weihnachtsgeschäft im Mobile Device Bereich und der weiterhin stabile Bedarf an hochwertigen Verbindungslösungen im Automotive Bereich haben zu einer Ergebnisverbesserung und einem Rekordumsatz im dritten Quartal geführt. Auch unsere Strategie, sich im Medizinbereich stärker zu engagieren, trägt nun Früchte. Der Umsatz ist in diesem Bereich im laufenden Geschäftsjahr um 50 Prozent gewachsen."

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