19.01.2016, 10:32  von APA

Rote Zahlen von SBO – Grohmann: "Je länger es dauert, desto heftiger wird der Aufschwung"

SBO-Chef Gerald Grohmann / Bild: PEROUTKA Guenther / WB

Weil die Ölpreise auf Talfahrt sind, haben die Ölförderer ihre Investitionen im Vorjahr weiter zurückgefahren. Dem österreichischen Ölfeldausrüster Schoeller-Bleckmann (SBO) brechen die Aufträge weg, das Ergebnis ist 2015 deutlich unter die Nulllinie gesunken.

SBO-Chef Gerald Grohmann macht in Optimismus: "Je länger es dauert, desto heftiger wird der Aufschwung."

"Nur wenige haben damit gerechnet, dass der Ölpreis so weit runtergeht", sagte Grohmann am Dienstag im Gespräch mit der APA. Die Bohrtätigkeit habe sich im vergangenen Jahr praktisch halbiert, und auch heuer werde die Produktion weiter zurückgehen. 2015 sind die Auftragseingänge bei SBO bereits um 59 Prozent zurückgegangen. Der Umsatz sank um 36 Prozent auf 312 Mio. Euro, das Ergebnis vor Steuern drehte mit 21 Mio. Euro ins Minus.

"Operativ ist sich immerhin ein Betriebsgewinn von 2 Mio. Euro ausgegangen", sagte Grohmann. Das war vor Einmaleffekten - rechnet man Wertminderungen von Firmenwerten und Sachanlagevermögen sowie Restrukturierungsaufwendungen mit ein, so ergibt das ein EBIT von -24 Mio. Euro. "Die Wertberichtigungen waren aber großteils nicht cash-wirksam", betonte Grohmann. Der Cashbestand habe sich auf 200 Mio. Euro erhöht.

Der dicke Geldpolster gebe SBO die nötige Manövrierfähigkeit in schwierigen Zeiten, sagte Grohmann. "Wir nützen die Zeit, uns vermehrt und proaktiv um Akquisitionen umzusehen. Jetzt ist eine günstige Zeit um interessante Übernahmeziele zu finden." Als High-Tech-Player sieht sich Schoeller-Bleckmann dabei vor allem in "Nordamerika, Aberdeen und Norwegen" um, denn dort seien solche Ziele am ehesten zu finden.

Auch dieses Geschäftsjahr werde schwierig werden, erwartet Grohmann, allerdings werde man bereits von den im Vorjahr eingeleiteten Maßnahmen profitieren. Man habe 2015 vehement Personal abbauen müssen: "Wir haben das Jahr mit 1.720 Leuten begonnen und mit 1.130 beendet." Weiteren Personalabbau könne er nicht ausschließen, er werde aber nicht mehr so stark ausfallen.

Bei den Investitionen werde man sich nur auf die notwendigsten Erhaltungsaufwendungen beschränken. "Wir haben viele neue Maschinen und Hallen, die derzeit nicht ausreichend genutzt werden. Wir gehen davon aus, dass die Erhaltungsinvestitionen zwischen 15 und 20 Mio. Euro im Jahr ausmachen werden." Insgesamt habe man in den vergangenen Jahren im Durchschnitt rund 50 Mio. pro Jahr investiert.

Eine Prognose für das laufende Jahr will Grohmann nicht abgeben. "Wie sich das Jahr weiter entwickelt hängt davon ab, wann die Ölpreise anziehen. Aber es gibt ein Sprichwort: Die beste Medizin gegen niedrige Ölpreise sind niedrige Ölpreise. Und je länger es dauert, desto heftiger erwarte ich mir den Aufschwung."

Wie sich die Rückkehr des Iran auf den Ölmarkt auswirken werde, sei schwer abzuschätzen, meint Grohmann. "Da gibt es unterschiedliche Meinungen, ob der Iran kurzfristig die 500.000 Barrels mehr liefern kann, von denen die Rede ist. Aber selbst, wenn es ein paar hunderttausend sind, sollte das den vorher beschriebenen Effekt nur hinauszögern, aber nicht verhindern." Im Iran seien große Investitionen notwendig. "Da beginnen sich die Unternehmen zu positionieren, erst wird lange dauern, bis Verträge abgeschlossen sind und bis die Maßnahmen greifen."

Die SBO-Aktie hat am Dienstag bis kurz vor 10 Uhr bei einem um 2 Prozent festeren Umfeld um 0,53 Prozent auf 46,055 Euro nachgegeben.

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