10.02.2016, 12:26  von Leo Himmelbauer

Auf die Voestalpine ist Verlass: Mehr Umsatz, mehr Gewinn

Voestalpine-Chef Wolfgang Eder / Bild: PEROUTKA Guenther / WB

Die Spezialisierung auf Premiumprodukte macht sich für die Voestalpine bezahlt. Trotz der Turbulenzen auf den Weltmärkten kann der Konzern bei Umsatz und Ergebnis zulegen. Die Jahresprognose bleibt aufrecht, das Sparprogramm wird verschärft.

Der Rekordjahresverlust von fast acht Milliarden Dollar für den weltgrössten Stahlerzeuger ArcelorMittal zeigt, wie schwierig das Geschäft für Massenstahlhersteller geworden ist. Der weltweite Preisverfall sowohl bei Erdöl und einer Reihe anderer Rohstoffe, als auch im Bereich der Stahl-Commodities sowie die zunehmende Unsicherheit über die weitere konjunkturelle Entwicklung in China - das sind Trends, denen sich auch die Linzer Voestalpine nicht zur Gänze entziehen kann. Die negativen Auswirkungen bleiben aber aufgrund der seit Jahren konsequent verfolgten Fokussierung auf Premiumprodukte überschaubar. Einmal mehr zeigt sich das an den am Mittwoch vorlegten Zahlen für die ersten drei Quartale des Geschäftsjahres 2015/16.

In den Monaten April bis Dezember konnte die Voestalpine den Umsatz um 1,5 Prozent auf 8,38 Milliarden Euro erhöhen. Das EBITDA wurde um 11,1 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro verbessert, das EBIT um 15,9 Prozent auf 727 Millionen Euro (ohne Einmaleffekte von 582 auf 608 Millionen Euro). Der Gewinn vor Steuern stieg um 18,8 Prozent auf 629 Millionen Euro. Der Gewinn nach Steuern erhöhte sich um 17,6 Prozent auf 508,5 Milllionen Euro. Ohne Einmaleffekte wäre er um 1,6 Prozent auf 383 Millionen Euro zurückgegangen. Der Gewinn nach Minderheiten und Hybridkapitalzinsen stieg von 394 auf 480 Millionen Euro. Davon wurden 78,8 Millionen Euro im dritten Quartal verdient gegenüber 109,3 Millionen Euro im dritten Quartal des Vorjahres. Das ist um ein paar Millionen weniger als von Analysten erwartet worden war. Rückläufig war in den Monaten Oktober bis Dezember auch der Umsatz.

Am bereits beim letzten Quartalsbericht abgeschwächten Ausblick für das gesamte Geschäftsjahr hält die Voestalpine fest: Die bereinigten Ergebnisse werden "im Hinblick auf das zuletzt zunehmend schwieriger gewordene Marktumfeld" entgegen den Erwartungen zu Beginn des Geschäftsjahres "unter jenen des Vorjahres zu liegen kommen", hieß es schon im November. Unter Einbeziehung der außerordentlichen Effekte bzw. von Konsolidierungsveränderungen sollen aber operatives Ergebnis (EBITDA) und Betriebsergebnis (EBIT) für das Gesamtjahr "über den Werten des Vorjahres" zu liegen kommen.

Die Voestalpine ist an der Börse vier Milliarden Euro wert. Anleger haben mit der Aktie derzeit wenig Freude. Sie hat seit Jahresbeginn knapp 20 Prozent an Wert verloren. Der Kursverlust binnen 12 Monaten liegt bei 31 Prozent, womit sich das Voestalpine-Papier aber besser hält als die Aktien von ThyssenKrupp (minus 44 Prozent) und ArcelorMittal (minus 68 Prozent).

Der Konzern beschäftigt 47.900 Mitarbeiter (3,1 Prozent mehr als vor einem Jahr) und hat 5,6 Milliarden Euro Eigenkapital (11,5 Prozent mehr als vor einem Jahr).  Der Nettoverschuldungsgrad konnte in den vergangenen 12 Monaten von 61,4 auf 57 Prozent gesenkt werden - trotz des Rekord-Investitionsaufwandes von 937 Millionen Euro in den vergangenen drei Quartalen.

Noch mehr sparen

Voestalpine-Chef kündigte im Aktionsbrief eine Verschärfung des Sparkurses an. Wörtlich heisst es: "Die unverändert solide Entwicklung des Konzerns in einem ungemein schwierigen Umfeld bestätigt einmal mehr die Richtigkeit dieser bereits über die vergangenen 15 Jahre kompromisslos verfolgten Strategie. Dabei bleibt die Fortführung dieses Weges zweifellos herausfordernd – nicht zuletzt in finanzieller Hinsicht. Im Interesse einer nachhaltigen Absicherung der Finanzkraft des Voestalpine-Konzerns erfolgt die Umsetzung von Investitionen daher immer unter der Voraussetzung, dass im Falle eines anhaltenden Konjunkturverfalls Investitionsprogramme – gegebenenfalls auch sehr kurzfristig – um bis zu 50 Prozent gekürzt werden können, wie dies etwa in der Periode 2009 bis 2011 geschehen ist. Unabhängig von solchen (derzeit nicht aktuellen) Überlegungen erfolgt im Hinblick auf die anhaltend schwierige allgemeine Marktentwicklung im laufenden Quartal eine weitere Verschärfung der Ergebnisoptimierungsziele. Konkret wird das im März 2014 verabschiedete dreijährige – das heißt bis Ende des Geschäftsjahres 2016/17 geltende – 900-Millionen-Euro-Effizienzsteigerungs- und Kostenoptimierungsprogramm durch zusätzliche Maßnahmen in den kommenden 12 Monaten um 100 Millionen Euro auf insgesamt eine Milliarde Euro erweitert. Damit soll – wie dies auch schon in den vergangenen beiden Jahren gelungen ist – trotz kritischer konjunktureller Rahmenbedingungen
weiterhin eine möglichst stabile Ergebnisentwicklung des Konzerns sichergestellt werden."

 Es drohen aber keine Stellenstreichungen im größeren Stil, wie versichert wurde. Vielmehr sollen Prozesse in vergleichsweise neuen Anlagen im Stahlbereich am Standort Linz und bei neuen Anlagen im Automotive-Bereich verbessert und so die Kosten gesenkt werden. "Wir haben nicht vor, irgendwo großflächige Maßnahmen im Mitarbeiterbereich zu setzen - wir sind in allen Bereichen gut ausgelastet", betonte Eder in einer Telefonkonferenz. "Es geht nicht um Personalabbau."

Im Bereich Metal Engineering in Kindberg (Steiermark), wo Nahtlosrohre hergestellt werden, wird wegen der schlechten Marktentwicklung im Energiebereich bereits eine Schicht weniger gefahren. Dafür sei aber in der Schienenfertigung in Donawitz (ebenfalls Steiermark) eine Schicht dazugekommen.

Gut zwei Drittel der Einsparungen sollen aus dem Stahlbereich sowie dem Automobil- und Profilbereich kommen, ein knappes Drittel aus der Konzerndivision Special Steel (Edelstahl) und Metal Engineering.

Mitte November 2015 war früheren Angaben zufolge erst die Hälfte des nunmehr eine Milliarde Euro schweren Sparprogramms realisiert. Der Rest folgt nun in den kommenden Monaten bis Ende März 2017. Nach dem Ausbruch der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise setzte der Stahl- und Technologiekonzern schon einmal massiv den Rotstift an: Zwischen 2009 und 2012 wurden bereits 600 Mio. Euro eingespart. Zwischen 2014 und 2017 ist nun noch einmal eine Milliarde Euro fällig.

 

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