04.03.2016, 12:36  von Reuters/schu

Andritz-Chef Leitner sieht hohes Maß an Unsicherheit

Bild: Reuters

Andritz-Chef und Miteigentümer Wolfgang Leitner erwartet für den börsenotierten steirischen Anlagenbauer im laufenden Geschäftsjahr 2016 zwar eine zufriedenstellende Geschäftsentwicklung, sieht die Geschäftsaussichten aber mit einem hohen Maß an Unsicherheit behaftet.

Andritz investiere deshalb auch verstärkt in "Flexibilität und Strukturen", sagte Leitner am Freitag bei der Jahrespressekonferenz in Wien.

"Wir glauben nicht, dass wir bei der Einschätzung der wirtschaftlichen Entwicklung besser sind als die anderen", meinte Leitner. Sorgen bereitet dem Firmenchef etwa die wirtschaftliche Entwicklung in China: "China wird 2016 und 2017 nicht mehr so stark wachsen, wie in der Vergangenheit", so Leitner. Das sei auch eine Modellfrage, China wolle mehr auf nationale Anbieter setzen. Den Absatz von Andritz in China sieht Leitner aber weiter wachsen. Chancen biete etwa der Umstand, dass die Volksrepublik im Zuge des geplanten Abbaues von 1,8 Millionen Beschäftigten etliche Kohlekraftwerke schließen und verstärkt auf erneuerbare Energien setzen will. Der China-Standort habe sich auch für Lieferungen nach Vietnam, Laos und Kambodscha sehr bewährt. Gute Geschäftsaussichten biete auch die USA: "Die Autoindustrie läuft ganz gut", meinte Leitner und rechnet mit weiteren Aufträgen aus Nordamerika.

Trotz der durch die Sanktionen hervorgerufenen verstärkten Hinwendung von Russland nach China glaubt Leitner, dass sich Russland gerne weiterhin auch nach Europa orientieren würde. "Es wäre gut, wenn es zu einer politische Lösung kommen könnte und die Zusammenarbeit wieder besser würde", so der Firmenchef. Einige Andritz-Projekte seien wegen der Sanktionen nicht in Kraft getreten.

Für die beiden Geschäftsbereiche Hydro und Pulp & Paper (Zellstoff & Papier) geht Leitner auch für dieses Jahr von guten Projektaktivitäten aus, bei Hydro auf dem Niveau von 2015, bei Pulp & Paper unter dem "außerordentlich guten Niveau" des Vorjahres. Anhaltend niedrige Projekt- und Investitionsaktivitäten erwartet Leitner im Bereich Metals - der Metallumformung für die Automobilindustrie und im Edelstahl- und Aluminiumbereich. Im vierten Geschäftsbereich Separation erwartet Leitner eine unverändert niedrige Projektaktivität im Bergbaubereich, solide sollte sie dagegen in den Bereichen Umwelt, Lebensmittelindustrie, chemische Industrie und Futtermittelindustrie ausfallen.

Mit dem abgelaufenen Geschäftsjahr 2015 zeigte sich Leitner zufrieden, die um 9 Prozent auf 6,4 Mrd. Euro gestiegenen Umsätze zeigten weltweit in allen Regionen und allen vier Geschäftsbereichen eine sehr stabile Entwicklung. Das Ebitda habe trotz der Aufwendungen für die Schuler-Restrukturierung mit 429 Mio. Euro einen Rekordwert erreicht. Mit einer Nettoliquidität von 1,0 Mrd. Euro sei Andritz in der Lage, alle Chancen und Möglichkeiten am Markt zu nutzen.

Der Auftragseingang, der mit 6,0 Mrd. Euro um einen Prozent unter dem Vorjahr lag, profitierte alleine vom 13,4-prozentigen Anstieg im Pulp & Paper-Bereich. Große Investitionen gab es aus China, Schweden und Südamerika. Hydro ging um 5,4 Prozent zurück. Rückgänge gab es bei großen Wasserkraftwerken, kleine liefen gut. Metals verloren sogar um 13 Prozent. "Hier wird sehr wenig investiert", meinte Leitner. Projekte wurden vor allem in China verschoben. Separation blieb unverändert. Mit Ergebnis und einer Rentabilität von 3,6 Prozent in diesem Bereich ist Leitner nicht zufrieden. "Wir wollen da mehr verdienen".

Den Auftragsstand von 7,3 Mrd. Euro (-3 Prozent) bezeichnete Leitner dennoch als "sehr gut", damit könne man durchaus länger leben.

Ergebnismäßig schlugen im Vorjahr Restrukturierungsaufwendungen bei Schuler mit 78 Mio. Euro negativ und Sondereffekte in Pulp & Paper mit 40 Mio. Euro positiv zu Buche. Die Ebitda-Marge lag inklusive dieser Einmaleffekt mit 6,7 Prozent noch unter dem Zielbereich von 7 bis 8 Prozent, exklusive Sondereffekte wären es 7,3 Prozent gewesen.

Die vorgeschlagene Erhöhung der Dividende von 1,00 auf 1,35 Euro je Aktie sei leistbar, ohne Abstriche bei den Investitionsmöglichkeiten machen zu müssen, so Leitner.

Andritz beschäftigte per Jahresende 2015 weltweit rund 24.500 Mitarbeiter, knapp 3.400 davon in Österreich an den Standorten in Graz (1.175), Wien (733), Linz (271), Weiz (929) und Raaba (290). In Deutschland sind es knapp 6.100 Beschäftigte.

An der Wiener Börse kamen die Andritz-Zahlen sehr gut an. Die Aktie des Anlagenbauer notierte gegen Mittag mit 4,27 Prozent im Plus bei 47 Euro.

Citigroup bestätigt Kaufempfehlung nach "soliden" Zahlen

Die Analysten der Citigroup haben ihre Kaufempfehlung "Buy" für die Aktien des heimischen Anlagenbauers Andritz bestätigt. Die heute, Freitag, veröffentlichten Jahresergebnisse 2015 seien "solide" ausgefallen, hieß es. Das Kursziel bezifferten die Experten mit 57,0 Euro.

Andritz habe quer durch alle Divisionen gute Fortschritte gemacht und Rekordumsätze und (beinahe) Rekordauftragseingänge erzielt, hieß es weiter. Die Erhöhung der Dividende habe aber die Erwartungen der Citigroup verfehlt, die mit einem Anstieg der Ausschüttung auf 1,46 Euro je Aktie gerechnet hatte. Allerdings unterstützen die soliden Zahlen, eine anhaltend gute Performance sowie eine weiterhin attraktive Bewertung die Empfehlung zum Kauf, resümieren die Analysten.

Beim Gewinn je Aktie erwarten die Citigroup-Analysten 2,66 Euro für 2015, sowie 2,97 bzw. 3,20 Euro für die beiden Folgejahre. Ihre Dividendenschätzung je Titel beläuft sich auf 1,46 Euro für 2015, sowie 1,63 bzw. 1,76 Euro für 2016 bzw. 2017.

Am Freitagvormittag notierten Andritz-Papiere an der Wiener Börse mit einem kräftigen Plus von 4,31 Prozent auf 46,97 Euro.

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