04.03.2016, 16:35

Flughafen Wien wird ATX-Rauswurf von FMA untersuchen lassen

AT&S schaffte es auf dem letzten Drücker ins umkämpfte Spitzensegment / Bild: (c) EIZINGER Alexandra / WB (EIZINGER Alexandra)

Nicht dass der Flughafen von der Wiener Börse aus dem erlauchten Kreis der ATX-Unternehmen hinausgeworfen wurde, giftet die Verantwortlichen dort, sondern wie das geschehen ist.

Die börsennotierte Flughafen Wien AG ärgert sich über ihr vorzeitiges Ausscheiden aus dem Leitindex ATX der Wiener Börse. Sie vermutet dahinter Marktmissbrauch und will das von der Finanzmarktaufsicht FMA untersuchen lassen. "Wir werden das am Montag offiziell der FMA melden, das ist ein untersuchungswürdiger Vorgang", sagte ein Flughafen-Sprecher am Freitag im Gespräch mit der APA.

"Wir sind nicht wehleidig, wir wären sowieso in sechs Monaten aus dem ATX rausgeflogen, aber die Art und Weise, wie das passiert jetzt ist, gefällt uns nicht", so der Sprecher weiter. Die Schuld, dass es zum Marktmissbrauch kommen konnte, gibt er ATX-Bestimmungen. Diese hätten den Missbrauch erst ermöglicht. Über die geplante Meldung hat heute auch die Tageszeitung "Österreich" berichtet.

Zum Hintergrund: Halbjährlich wird die Zusammensetzung des ATX überprüft, mit dem Ziel, die größten und umsatzstärksten Aktien in den Index zu bekommen. So geschehen auch Ende Februar. Am vergangenen Mittwoch nach Börseschluss hat dann das ATX-Komitee der Wiener Börse beschlossen, dass die Flughafen Wien-Aktie ab 21. März durch jene des steirischen Leiterplattenherstellers AT&S ersetzt wird.

In letzter Sekunde

Ausschlaggebend für die Mitgliedschaft im ATX ist neben dem Handelsvolumen und Streubesitzfaktor auch die Marktkapitalisierung eines börsenotierten Unternehmens. Erst wenn ein Unternehmen bei der Marktkapitalisierung unter den 25 größten ist, kann es in den ATX aufgenommen werden, erläuterte der Sprecher. Und AT&S sei dies erst in der Schlussauktion Ende Februar quasi in letzter Sekunde gelungen.

Der Platzverbesserung vorangegangen sei allerdings eine ungewöhnlich Kursbewegung bei der Palfinger-Aktie. In der Schlussauktion sei es nämlich jemanden gelungen, den Kurs der Palfinger-Aktie durch eine Bestens-Order um 7 Prozent zu drücken, was dementsprechend auch auf ihren Börsenwert ausgewirkt hat. Am nächsten Tag habe sie aber wieder am ursprünglichen Kursniveau eröffnet. Das habe bewirkt, dass AT&S bei der Marktkapitalisierung - nur an diesem Stichtag - vom 26. auf den 25. Platz vorgerückt sei, und ihr damit die ATX-Teilnahme ermöglicht habe.

Ein Blick auf die Kursentwicklung der Palfinger-Aktie auf der Wiener Börse-Homepage zeigt: Am 29. Februar sackte der Kurs des Kranherstellers von über 24 auf 22,71 Euro ab, begleitet von einem überdurchschnittlich hohen Handelsvolumen. Am nächsten Tag eröffnete die Aktie allerdings wieder am ursprünglichen Niveau von über 24 Euro.

"Ein einziger Tick kann entscheiden"

Das Problem bei den ATX-Regularien liegt laut dem Sprecher darin, dass für die Berechnung des Handelsvolumens eine Durchschnittsbetrachtung vorgesehen sei, für die Marktkapitalisierung jedoch eine Stichtagsbewertung. "Ein einziger Tick kann entscheiden."

"Wir wollen mit der Untersuchung nicht bewirken, dass die Flughafen-Aktien wieder hineinkommt", so der Sprecher weiter. Aufgrund des geringen Streubesitzes und der gefallenen Handelsumsätze sei sie ein Ausstiegskandidat gewesen. Den ausländischen Flughafen-Aktionären habe man bisher aber immer vermittelt, dass das Ausscheiden wohl erst im September geschehen werde und man im März noch drin bleibe. "Die Investoren sind jetzt einigermaßen erstaunt", so der Sprecher.

Die Wiener Börse habe auf Nachfrage erklärt, dass sie keine Manipulationen erkennen könne, meinte der Sprecher. Dies sei seltsam, weil selbst Palfinger diese Kursbewegungen für ungewöhnlich halte und so etwas noch nie gesehen hätte. "Das ist ganz klar Marktmanipulation."

Schon im Vorfeld angekündigt

Wie der Sprecher weiter ausführte, sei diese Vorgangsweise sogar schon im Vorfeld von einem Börsenjournalisten angekündigt worden, nämlich, dass AT&S durch Wertpapierorder in den ATX gebracht werden solle.

"Wir wollen eine Änderung der Indexbestimmungen erreichen", so der Sprecher weiter. So sollte in Zukunft auch für die Berechnung der Marktkapitalisierung nicht ein einziger Schlusskurs ausschlaggebend sein, sondern der durchschnittliche Kurs in einem bestimmten Zeitraum.

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