17.03.2016, 13:56  von APA

Debakel für die Vienna Insurance Group - Aktie fällt unter 19 Euro

Auch die Töchter im Osten machen der VIG nicht nur die reine Freude / Bild: (c) FOLTIN Jindrich / WB (FOLTIN Jindrich / WB)

Der Gewinn vor Steuern ist im Vorjahr von 518,4 auf rund 172 Millionen Euro eingebrochen, berichtet die Vienna Insurance Group (VIG). Entsprechend wird auch die Dividende von 1,40 Euro auf 60 Cent gekürzt. Die Aktie bricht ein.

Österreichs grösster Versicherungskonzern, die  Vienna Insurance Group (VIG), musste im vergangenen Jahr einen herben Gewinneinbruch hinnehmen. Das Ergebnis vor Steuern (EGT) sank von 518,4 Millionen Euro auf rund 172 Millionen Euro und damit auf ein Drittel - neben den bekannten IT-Impairments gab es weitere Abschreibungen. Dennoch soll die Dividende nur von 1,40 Euro auf 60 Cent je Aktie gekürzt werden, teilte der börsennotierte Konzern Mittwochabend mit.

Für das laufende Jahr 2016 peilt die VIG mindestens eine Verdoppelung des Vorsteuerergebnisses auf bis zu 400 Millionen Euro an, wie weiter erklärt wurde. Den Dividendenvorschlag für 2015 hat der Vorstand am Mittwoch beschlossen - die Ausschüttungsquote beträgt damit voraussichtlich rund 78 Prozent.

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Belastet wurde das Ergebnis 2015 durch eine Wertberichtigung auf die IT-Systeme im 3. Quartal in Höhe von 195 Millionen Euro.

Weitere Wertberichtigungen

Darüber hinaus gab es aber maßgebliche "weitere Impairments auf immaterielle Vermögensgegenstände" - und zwar "durch eine in Zusammenhang mit der Erweiterung des Vorstands erfolgten Änderung der Cash Generating Units, durch eine vorsichtigere Betrachtung der Entwicklungen in Rumänien sowie durch steuerliche Änderungen in Polen", wie es am Mittwochabend hieß. Dass es wegen der Niedrigzinsen 2015 einen Gewinndämpfer geben werde, hatte die VIG bereits seit dem vergangenen Frühjahr wiederholt erklärt.

In Summe erzielte die VIG 2015 ein Prämienvolumen von über 9 Milliarden Euro. Dabei stiegen die Einnahmen in Schaden/Unfall um 0,8 Prozent, in der Krankensparte um 3,0 Prozent und in der Lebensversicherung gegen laufende Prämie um 4,9 Prozent. Die wegen des Niedrigzinsumfelds bewusste Zurückhaltung im Einmalerlagsgeschäft (-15,7 Prozent) habe zum insgesamt leichten Rückgang um 1,4 Prozent bei den verrechneten Prämien des Konzerns geführt, so die VIG.

Aktie bricht weg

Die Aktie des Versichers ist schwer unter Druck. Das Papier brach am Donnerstag zu Handelsbeginn um mehr als 15 Prozent auf bis zu 19,39  Euro ein. Zu Mittag wurden nur noch 18,98 für das Papier bezahlt. Am frühen Nachmittag standen nur noch 18,62 Euro auf dem Kurszettel - minus 18 Prozent. Weniger als 20 Euro hatte die Aktie zuletzt vor neun Jahren gekostet. Die Analysten der Baader Bank schreiben in einer ersten Einschätzung von enttäuschenden Ergebnissen. Auch die geplante Dividendenausschüttung liegt unter den Erwartungen. Die Experten nahmen die VIG-Aktie nach den vorgelegten Geschäftsergebnissen von ihrer Empfehlungsliste "Top Pick". Das Anlagevotum "buy" wird jedoch beibehalten.

Die VIG ist an der Börse nur noch 2,45 Milliarden Euro wert. Österreichs zweitgrösster Versicherer, die Uniqa, bringt es auf rund 1,9 Milliarden Euro Börsewert. Die Uniqa hat im Vorjahr ein EGT von 423 Millionen Euro erreicht und einen Nettogewinn von 331 Millionen Euro erzielt. Die Dividende wird von 42 auf 47 Cent je Aktie erhöht.

Wachstum geplant

Der in Osteuropa führende  Versicherungskonzern  will in der Region weiter zukaufen. "Unser Appetit auf weiteres Wachstum ist nach wie vor vorhanden", sagte VIG-Chefin Elisabeth Stadler am Donnerstag.

In den kommenden Monaten werden die 25 Märkte, in denen der Versicherungskonzern vertreten ist, auf ihr Wachstumspotenzial untersucht. Länder, in denen die VIG Top-Marktanteile hält, wie Österreich, Tschechien und die Slowakei, sollen abgesichert werden. In Polen, Ungarn, Kroatien und Serbien will man den Marktanteil mittelfristig auf mindestens jeweils 10 Prozent steigern.

Die VIG konzentriere sich auf die 25 Länder, in denen sie vertreten ist. Die Türkei beispielsweise sei noch ein kleines Pflänzchen, in Deutschland sei man in einer Nische tätig. In Rumänien habe es in den vergangenen eineinhalb Jahren eine Normalisierung gegeben. Die VIG glaube an den Markt, verfolge aber nach wie vor sehr aufmerksam die Entwicklung. Zukaufen wolle man, wo es wirtschaftlich sinnvoll erscheine und man so schneller die Marktposition erreichen könne.

Einen stärkeren Fokus will Stadler in Mittel- und Osteuropa (CEE) auf die Krankenversicherung legen.

Ein großes Sparpaket wird es nicht geben, betonte Stadler und verwies auf das permanente Kostenbewusstsein im Konzern. Die VIG beschäftigt in den 25 Ländern insgesamt rund 23.00 Mitarbeiter. Die VIG habe Kostensenkungen eigentlich in ihren Genen, daher sei es ganz klar nicht notwendig, dass man sich ein großes Sparpaket gebe, so Stadler. Geprüft werde, wo Konsolidierungen sinnvoll sein könnten und Serviceleistungen und Prozesse für mehrere Gesellschaften gebündelt werden könnten.

Als Beispiele für Innovationen im Konzern nannte Stadler heute ein SMS-Reiseversicherungs-Angebot in Ungarn sowie in Polen die Möglichkeit, Autoversicherungen an Automaten abzuschließen, da alle relevanten Daten dort auf dem Zulassungsschein gespeichert sind.

Fortsetzen wolle man auch die Mehrmarkenstrategie, das lokale Unternehmertum, den Multikanalvertrieb sowie die konservative Veranlagung und konservative Rückversicherungspolitik, so Stadler. Fortgesetzt werde die Kooperation mit der Erste Group. Veranlagt waren im VIG-Konzern per Ende des Vorjahres ohne fonds- und indexgebundene Lebensversicherung rund 31,8 Mrd. Euro, davon entfielen 70,4 Prozent auf Anleihen, 9 Prozent auf Darlehen, 6,3 Prozent auf Immobilien und 4,4 Prozent auf Aktien.

Die Umsetzung der strategischen Pläne werde durch solide Eigenmittel unterstützt. Die Solvenzrate gemäß der eigenen partiellen Modellierung (PIM) im Rahmen der neuen Eigenkapitalregeln für Versicherungen (Solvency II) liege in einer Größenordnung von rund 200 Prozent. Die VIG sei die einzige österreichische Versicherungsgruppe, der von der FMA ein solches partielles internes Modell genehmigt worden sei.

Zum Thema Gerichtsurteile und mögliche Klagen zum Rücktrittsrecht in der Lebensversicherung in Österreich sagte Stadler, man habe einige Anfragen und gehe davon aus, dass dies für die VIG keine wirtschaftliche Relevanz habe. Die zum Konzern gehörende Wiener Städtische habe rund ein Dutzend Kundenanfragen zu diesem Thema bekommen, die nun individuell geprüft würden, hieß es heute aus dem Unternehmen. Aus jetziger Sicht könne aus dem Prüfungsergebnis abgeleitet werden, dass dieses Thema für die Wiener Städtische von keiner wirtschaftlichen Relevanz sei. Aus der s Versicherung heißt es, man sei aktuell nicht betroffen, es könnte sich aber höchstens um Einzelfälle handeln.

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