09.02.2016, 18:01

ATX erstmals wieder unter 2000 Punkten

WIENER BÖRSE / Bild: (c) PEROUTKA Günther / WB (PEROUTKA Guenther / WB)

Vor allem im Bankensektor herrscht Panik: Sie müssen für die Refinanzierung der Ölfirmen gradestehen, denen wiederum der viel zu tiefe Ölpreis zusetzt. Der ATX fällt auf den tiefsten Stand seit mehr als drei Jahren.

Die Wiener Börse hat am Dienstag ihren Sinkflug fortgesetzt und erstmals seit August 2012 unter 2.000 Punkten geschlossen. Der ATX fiel um 54,37 Punkte oder 2,68 Prozent auf 1.972,03 Einheiten.

Damit lag die tatsächliche Entwicklung des Leitindex rund 28 Punkte unter der heutigen Händlerprognose im APA-Konsensus von 2.000,00 Punkten. Zum Vergleich die wichtigsten Börsenindizes um 17.30 Uhr: Dow Jones/New York -0,44 Prozent, DAX/Frankfurt -0,83 Prozent, FTSE/London -0,71 Prozent und CAC-40/Paris -1,51 Prozent.

Nach einem kleineren Minus zur Eröffnung rasselte der Wiener Leitindex dabei am frühen Nachmittag deutlich unter die 2.000-Punkte-Marke. Unter dieser schloss er heute erstmals seit dem 30. August 2012. Vor allem die grassierende Angst rund um den Bankensektor wurde dabei auch heute als Hauptgrund für die Verluste ausgemacht. So rasselte die Aktie der Deutschen Bank auf ihren Tiefststand seit 1992. Auch die Jahresbilanz 2015 der UniCredit und der neuerlich schwache Ölpreis - Brent fiel bis Sitzungsende um 1,8 Prozent - belasteten.

Tiefer Ölpreis gefährdet finanzierende Banken

Analyst Jochen Stanzl von CMC Markets sieht dies unter anderem in der Verwobenheit zwischen großen Banken und Ölunternehmen begründet. Stark im Rohstoffgeschäft engagierte Geldhäuser wie die Deutsche Bank dürften nicht allzu bald auf eine Erholung der Ölpreise hoffen. "Die Unterfinanzierung der Erdöl-Unternehmen bleibt und das gefährdet den Bankensektor, der ihnen das Geld lieh", resümiert er.

An der Wiener Börse notierten Ölwerte unter den größten Verlierern, OMV verbilligten sich um 3,64 Prozent und Schoeller-Bleckmann Oilfield waren mit minus 5,74 Prozent größter Tagesverlierer. Wienerberger verloren 2,15 Prozent an Wert, nachdem die Aktien des Ziegelherstellers am Vortag um über 11 Prozent eingebrochen waren. Auch die Bankaktien Erste Group (minus 3,15 Prozent) und Raiffeisen (minus 1,73 Prozent) knüpften an ihre klaren Vortagesverluste an.

voestalpine verbilligten sich um 3,82 Prozent. Der Linzer Stahlkonzern wird am morgigen Mittwoch seine Ergebnisse im dritten Quartal 2015/16 veröffentlichen. Im Mittel der Schätzungen von Citigroup, Deutsche Bank und Raiffeisen Centrobank (RCB) wird ein 3 Prozent niedrigerer Umsatz von 2,6 Mrd. Euro erwartet.

Telekom trotz Erwartungen im Minus

Die Telekom Austria wird am späteren Abend ihre Jahresbilanz 2015 publizieren. Dabei erwarten Analysten eine Rückkehr in die Gewinnzone bei relativ stabilen Umsätzen. Telekom Austria verbilligten sich im Vorfeld dessen um 1,53 Prozent.

An den kommenden beiden Handelstagen dürften Anleger gespannt auf die Anhörung von Janet Yellen, Chefin der US-Notenbank Fed, vor dem Repräsentantenhaus (Mittwoch) und dem Senat (Donnerstag) der USA warten. Denn nach den jüngsten Marktturbulenzen hoffen Börsianer auf weniger oder gar keine Zinserhöhung im laufenden Jahr. Deshalb dürften die Kommentare Yellens zur Konjunktursituation in den USA am Markt besonders aufmerksam verfolgt werden.

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