09.08.2012, 19:04  von John Naisbitt & Doris Naisbitt

Sui- What???

Bild: WB/Peroutka

Die Bevölkerung setzt Vertrauen in die wachsende Wirtschaft von Suining.

Man hört viel von Chinas „Go West"-Strategie. Dennoch sind viele Städte in Chinas Westen, der mehr als 50 Prozent der Fläche des Landes umfasst, noch weitgehend unbekanntes Terrain. Nicht nur in Europa, auch im Osten Chinas. „Sui- what?" fragten die Angestellten unseres Hotels in Shanghai, als wir vom geplanten Besuch in Suining erzählten.
Suining liegt in Zentralwestchina im Sichuan-Becken und ist von Chengdu, der Hauptstadt der Provinz, und der Metropole Chongqing in jeweils rund zwei Stunden Fahrt erreichbar. Nach chinesischem Verständnis ist es eine eher kleine Stadt - mit nicht ganz vier Millionen hat es rund halb so viele Einwohner wie Österreich. Doch die Bevölkerungsdichte ist fünfmal so hoch. Wer sich vom Flughafen Chengdu aus auf der prächtig ausgebauten Autobahn auf den Weg macht, fühlt sich bald in eine subtropische Toskana versetzt. Üppiges Grün in mannigfachen Schattierungen, sanfte Hügel, dann und wann eine Siedlung oder verstreute Bauernhäuser. Zwischen wild wuchernden Sträuchern und buschigen Bäumen wird jede noch so kleine geeignete Fläche landwirtschaftlich genutzt.

Grün - das Wort, das wir immer wieder hören. Wir setzen auf „Green Development", sagte der Vizebürgermeister beim Mittagessen mit typischen Gerichten der Region: Baby-Aale, Flusskrebse, Seefische, Entenzungen, Huhn, Pilze, Süßkartoffeln und Gemüse. Trotz rascher Urbanisierung, betont auch Luo Changfei, der Vorstand der Suining Daily Group, die mehrere Tageszeitungen in Millionenauflage publiziert, ist die Stadt darauf bedacht, nur „sauberes" Investment nach Suining zu holen. Erfolgreich im Westen Chinas investieren, ist die Devise auch auf den Visitenkarten:„Advance with the City Prosper with Enterprises"

Auf einem riesigen Plakat, das entlang der Flanke eines Hügels gespannt ist, wirbt das 1600 Jahre alte Suining in Chinesisch und Englisch um Kapital: „Diese Stadt wartet auf Dich". Schon heute beherbergt sie 19 Hightech-Unternehmen, fünf Hightech-Zentren und drei Forschungszentren für landwirtschaftliche Produkte, deren Anteil am lokalen BIP zwanzig Prozent beträgt. Im sogenannten „Logistikhafen Westchinas", der zu rund 50 Prozent fertiggestellt ist, beträgt das Investitionsvolumen laut Suining Daily 26 Milliarden Yuan. Der Aufschwung hat der Bevölkerung zahlreiche Verbesserungen beschert. Entlang der 15 Kilometer langen Uferpromenade des Fujijang, des größten der 15 Flüsse, die die Stadt kreuz und quer durchschneiden, laden Gehwege entlang von Grünflächen und ursprünglich erhaltenen Feuchtgebieten zum Flanieren ein. Zahlreiche Restaurants und Geschäfte säumen den Weg. Doch trotz der vielen Errungenschaften ist Suining erst am Beginn seines Weges. Auch, wenn es neben zahlreichen chinesischen Auszeichnungen von den Vereinten Nationen für den Erhalt von Lebensräumen prämiert wurde.

Laut dem Vizebürgermeister hat Suining vier Hauptziele: geringere Emissionen, eine Ausdehnung der Waldflächen, verbessertes Recycling und höhere Effizienz in der wirtschaftlichen und politischen Entwicklung. Und wieder: „Wir wollen als grüne Stadt bekannt werden. Sauber, nicht nur, was die Umwelt betrifft, sondern frei von Korruption." Schöne Worte, doch woher kommt all das Geld, wollten wir wissen. „Das kam bisher zu 90 Prozent aus der chinesischen Privatwirtschaft, die Investitionen in Infrastrukturen von der lokalen Regierung", erklärte Luo Changfei. Bis 2018 soll ein Hochgeschwindigkeitszug die Stadt noch näher an Chengdu und Chongqing heranrücken. Auch ein eigener Flughafen ist geplant.

Selbst wenn internationale Investoren den Weg nach Suining erst finden müssen, die Bevölkerung setzt zunehmend Vertrauen in die wachsende Wirtschaft ihrer Heimatstadt. Von einer Million Wanderarbeitern, die Suining einst verließen, um in den Küstenstädten zu arbeiten, sind rund 500.000 wieder zurückgekehrt. Wang Xi Jun, der Geschäftsführer der aus Shenzen stammenden Halbleiterfabrik Dayan, erzählte, dass vor allem die gut ausgebildeten jungen Leute gute Karrierechancen in seinem Unternehmen sehen. Das Durchschnittsalter der Belegschaft liegt bei Mitte 20.
Für westliche Investoren ist der Weg nach Suining ein wenig beschwerlich. Viele Fragen nach den Rahmenbedingungen blieben in der Übersetzung auf der Strecke, und Effizienz in der Kommunikation hat noch einen weiten Weg vor sich. Die Einladung aber steht: „This City is waiting for You." Wer eine Stadt im Aufbruch sucht, kann hier viel entdecken.

 


John Naisbitt & Doris Naisbitt

Exklusiv im WirtschaftsBlatt: „China heute und morgen" von John und Doris Naisbitt. „Megatrends" machte John Naisbitt weltbekannt. „Megatrends Asien" stand am Beginn der gemeinsamen Arbeit von Doris und John Naisbitt. Ihr 2009 erschienener Bestseller „Chinas Megatrends" analysiert das Fundament der rasanten Entwicklung des Reichs der Mitte. Im Fokus ihres 2007 gegründeten Naisbitt China Institutes mit Sitz in Tianjin und Chengdu ist heute Chinas aufstrebender Westen. Infos dazu finden Sie unter www.naisbitt.com und http://doris.naisbitt.com

 

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Exklusiv im WirtschaftsBlatt: „China heute und morgen" von John und Doris Naisbitt. „Megatrends" machte John Naisbitt weltbekannt. „Megatrends Asien" stand am Beginn der gemeinsamen Arbeit von Doris und John Naisbitt. Ihr 2009 erschienener Bestseller „Chinas Megatrends" analysiert das Fundament der rasanten Entwicklung des Reichs der Mitte. Im Fokus ihres 2007 gegründeten Naisbitt China Institutes mit Sitz in Tianjin und Chengdu ist heute Chinas aufstrebender Westen. Infos dazu finden Sie unter www.naisbitt.com und http://doris.naisbitt.com

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    Fakten

    Gründung:1. Oktober 1949
    Amtssprache: Mandarin
    Hauptstadt: Peking
    Währung:Renminbi (RMB)
    Staatsform: Volksrepublik
    Regierungssystem: 1,339 Milliarden Einwohnern
    9,571 Millionen km²
    BIP: 7.298 Milliarden $
    BIP pro Einwohner: 5.510€
    Bevölkerungsentwicklung: +0,51 % pro Jahr
    Fakten Führung: Kommunistischen Partei Chinas, „Gongchandang"
    Staatspräsident: Hu Jintao
    Premier des Staatsrates: Wen Jiabao
    Politisches System: Sozialistisches, autoritäres Einparteiensystem
    Fakten An der Spitze der Partei steht der ständige Ausschuss des Politbüros des Zentralkomitees (ZK).

    Das höchste Organ der Staatsmacht, ist zumindest auf dem Papier, der Nationale Volkskongress- NVK. (Gesetzte werden in Praxis vom NVK nur abgenickt)

    Die Regierung heißt offiziell Staatsrat. Vorsitzender ist Ministerpräsident Wen Jiabao.

    Wirtschaft

    Fakten Wirtschaftswachstum:
    2009: 9.2% des BIP
    2010: 10.4% des BIP
    2011: 9.2% des BIP
    2012: 8.2%* des BIP
    Leitzinsen: 3%
    Beziehungen EU und China
    Einfuhr der EU: 292,1 Mrd.€ (+3,6%)
    Ausfuhr der EU: 136,2 (+20,4%)
    Devisenreserven:
    2009: 2.399 Mrd. US$
    2010: 2.847 Mrd. US$
    2011: 3.181 Mrd. US$
    Auslandsverschuldung:
    2011: 695 Mrd. in US$

    BIP-Entstehung 2011:
    Primärsektor:10,1%(+4,5)
    Sekundärsektor:46,8%(+10,6)
    Tertiärsektor:43,1%(+8,9)

    Fakten Chinas Banken:

    ICBC:
    Umsatz:109,040 Mrd. US$
    Gewinn:32,214 Mrd. US$
    Mitarbeiter:408.859

    China Construction Bank:
    Umsatz:89,648 Mrd. US$
    Gewinn:26,181 Mrd. US$
    Mitarbeiter:329.438

    Agricultural Bank of China:
    Umsatz:84,803 Mrd. US$
    Gewinn:18,860 Mrd. US$
    Mitarbeiter:447.401

    Bank of China:
    Umsatz:80,230 Mrd. US$
    Gewinn:19,208 Mrd. US$
    Mitarbeiter:289.951