24.07.2012, 23:32  von Hans Weitmayr

Es ist Abstufung-und keiner geht hin

Warnungen vor einer Herabstufung des Ratings hat Moody 's jetzt also auch für Deutschland, Österreich und andere Länder ausgesprochen. Kein AAA, so sieht es aus, wird auf dem anderen bleiben. Wir steuern auf eine Epoche höchststufenfreier Bonitäten zu. Was vor wenigen Wochen und Monaten noch zu panischen oder wütenden Reaktionen geführt hätte, kann heute kaum mehr jemanden aus der Reserve locken. Bemüht konsterniert wirken die Reaktionen aus Berlin. Man hat das Gefühl, die Zurückweisungen entsprächen mehr der Treue zu lieb gewordenen Ritualen denn einer tatsächlich empfundenen Emotion.

Dieser Eindruck täuscht nicht und entspricht einer erfreulichen Entwicklung, die einen still eingetretenen Umstand widerspiegelt: die viel geforderte Entmachtung der Ratingagenturen. Kein Verbot war notwendig, keine Gründung einer weiteren Ratingagentur, nur ein paar Drehungen an einer Schraube hier und an einer anderen da -ein Beispiel wäre die Befreiung der EZB von Investmententscheidungen, die sich verbindlich am Rating der großen Agenturen orientieren. Mit der Abkoppelung von solchen Beschränkungen wurden die Ratingagenturen stärker in die Rolle schlichter Analysten gerückt, und schnell wurde klar, dass diese Unternehmen auch nur mit Wasser kochen. Nehmen wir nur einmal die Begründungen für die Warnungen Richtung Deutschland-Rating: Die Gefahr sei gestiegen, dass die Euro-Peripherie mehr Stützungsgelder brauchen würde, was die einzahlenden Länder stärker belasten könnte. Nun muss der Autor dieser Zeilen zugeben, dass er nicht weiß, was eine bei Moody's in Auftrag gegebene Länderstudie kostet. Aber für doch relativ leistbare 2,0 €konnte man diese Einschätzung auf den vor Ihnen liegenden Seiten schon vor mehreren Monaten lesen.

Die Märkte haben erkannt, dass die These von der Verschlimmerung der Krise durch die Agenturen so nicht stimmt. Dazu müssten diese "ahead of the curve" sein, die Ereignisse also antizipieren. Wie bei Lehman sind sie ihrer Zeit aber nach wie vor nicht voraus. Sie reagieren allenfalls relativ zeitnah auf Ereignisse, sind vielleicht noch "in" der Kurve, aber sicher nicht "davor". Das bedeutet, dass die Einschätzungen der Agenturen in der Regel eingepreist und somit obsolet sind. Dass die Märkte die Agenturen inzwischen größtenteils ignorieren, lässt sich auch an den Anleihenmärkten ablesen. Die niedrigsten Zinsen in der Geschichte der Republik zahlt Österreich nämlich, seit es seine Top-Bonitätsnote AAA von Standard &Poor's verloren hat.

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