03.01.2013, 13:18  von Ann Kathrin Hermes

Immotrends 2013: Eigennutzung statt Anlage

Remax-Regionaldirektor Reikersdorfer blickt zuversichtlich auf das neue Jahr / Bild: Jindrich Foltin

Immobilien. Nicht so sehr die Anlage, sondern die Eigennutzung steht vermehrt im Vordergrund. Die Preise für Immobilien steigen an, wenn auch moderat.

Wien. „Wenn mehr Immobilien auf dem Markt wären, könnten wir auch mehr verkaufen", stellt Alois Reikersdorfer, Regionaldirektor des in Amstetten angesiedelten Immobilien-Franchise-Netzwerks Remax fest. Wie schon in den vergangenen Jahren präsentiert das Unternehmen den Remax Immobilien-Zukunfts-Index für das Jahr 2013. Und die Aussichten sind vorsichtig optimistisch. „2013 wird positiv, aber moderater als das vergangene Jahr", fasst Managing Director Anton Nenning zusammen. Konkret heißt das, dass die Nachfrage nach Immobilien steigt, jedoch geringer als im Jahr 2012. Vor allem die Nachfrage im unteren Preissegment, Immobilien bis 150.000 Euro, wird um 5,7% ansteigen. Einen weiteren Zuwachs wird es im mittleren Preissegment mit 2,8% geben. Lediglich bei Immobilien über 350.000 Euro wird die Nachfrage um 0,5% zurückgehen.

Eigennutzung steht im Fokus

Die größte Veränderung wird es wohl im Nutzungsverhalten geben. „Das Hauptmotiv der Immobilieninteressenten verändert sich ganz signifikant. Nicht so sehr die Anlage, sondern die Eigennutzung steht wieder mehr im Vordergrund", prognostiziert Nenning. Damit sei Stabilität garantiert und das Risiko einer Blasenbildung minimiert, heißt es. „Bei der aktuellen Preissituation müssen wir nicht von einer Immobilienblase sprechen," ergänzt Alois Reikersdorfer, „die restriktive Kreditvergabe der Banken birgt eine gewisse Sicherheit."
Dem Motto „Grundbuch statt Sparbuch", nach dem viele noch vor vier Jahren handelten, scheint an Popularität verloren zu haben.

Die Preisentwicklung deutet, so die Remax-Experten, im unteren Segment auf Steigerungen von 2,6% und im mittleren Preissegment von 2,4% hin. Damit liegt die erwartete Preissteigerung nur mehr auf halben bis Zweidrittel-Niveau zum Vorjahr. Insbesondere Eigentumswohnungen in zentraler Lage werden teurer. Von einer Preissteigerungen um rund 5,9% gehen die Immobilienexperten hier aus. Wer sich derzeit keine eigenen vier Wände leisten kann und auf ein Mietverhältnis zurückgreifen muss, wird auch im kommenden Jahr mit Preissteigerung um 4,7% rechnen müssen, vorausgesetzt man bevorzugt die urbane Lage.

Mehr Grün, weniger zahlen

Abseits der Stadt kann man zwar günstiger mieten, eine Preissteigerung ist aber auch hier nicht abzuwenden, wenn auch mit 1,6% eine etwas geringere.
Wirklich günstig und unabhängig von der Form, lässt es sich in Landgemeinden wohnen. Für Eigentumswohnungen wird man im kommenden Jahr 1,7% weniger ausgeben müssen, für Mietwohnungen in Landesgemeinden sind es 1,9%.

Schlusslichter im Entwicklungsranking sind wie schon in den Vorjahren die Gewerbeimmobilien. Geschäftslokale und Handelsflächen, mit wenigen Ausnahmen in Top-Lagen, kämpfen weiter mit sinkender Nachfrage. Ähnlich ist die Situation bei den Büroflächen. Die Nachfrage verringert sich um 4,7%.

Keine Mietobergrenze für Wien

„Auch wenn Wien lediglich 30% des Immobilienmarktes ausmachen, ist es ein interessanter Markt", stellt Reikersdorfer fest. Ein wenig Beruhigung dürfte es in der Bundeshauptstadt aber geben. Das Wohnungsangebot bleibt konstant und die Preise werden mit 3,9% nicht eklatant ansteigen. „Nur in Top-Lagen besteht die Chance, dass die Preise noch ein wenig nach oben gehen", so Johanna Prosenik, Eigentümerin von Remax First in Wien.

Politische Diskussionen um eine Mietpreisbegrenzung möchte Alois Reikersdorfer nicht führen. „Ich bin der Ansicht, dass wir uns bei durchschnittlich sechs bis sieben Euro noch in einem vernünftigen Rahmen bewegen.", so Reikersdorfer. Eine Obergrenze für Wien lehnt der Regionaldirektor von Remax strikt ab, gibt aber zu bedenken: „Ich frag mich wirklich, ob es sein muss, dass Menschen mit einem guten Einkommen von 4.000 Euro im Monat wirklich in einer Genossenschaftswohnung wohnen müssen."

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Kommentare

2 Kommentare

Verbleibende Zeichen: 1500

Die Frage ist nicht ...ob es sein muss, dass Menschen mit einem guten Einkommen von 4.000 Euro im Monat wirklich in einer Genossenschaftswohnung wohnen müssen." Sondern ob die Wohnung bietet was der Mensch braucht, wenn ja, in welcher Rechtform ist es eigentlich egal. Selbst wenn jemand 4k im Monat verdient, (klingt zwar gut, aber netto bleibt ca 2,3 bis 2,4k), ist es nicht schlechtes 100 bis 200€ monatlich weniger auszugeben. Warum nicht? denn um 200€ mehr in die Tasche zu bekommen muss man 360 bis 400€ Brutto reinkriegen. Denn schließlich verdient nicht jeder wie ein Makler, bei Käufer 3,6% und noch einmal bei Verkäufer 3,6% zu kassieren plus zusätzlich steuerliche gestalterische Freiheit. Was sind Leistung der Makler? die Wohnung herzeigen, mehr ist nicht gefordert.

verfasst am 11:06 04.01.2013

Ewige Steigerung gibt es nicht

Ewige Steigerung gibt es nicht, auch nicht mit Immobilien. Für die Immo in ersten Bezirk, welche zwischen 6.000 bis 8.000€ pro Quadratmeter kosten haben wahrscheinlich 'noch' ihre Berechtigung. (repräsentativ, Zentral etc) Aber Wohnimmobilien in Randbezirke haben mittlerweile Preise, die jenseit von gut und böse sind. Mittelfristig muß eine Korrektur her und zwar angepasst auf das Einkommenverhältnis der Bewohner. Makler sind gut beraten, ihre Wohnungsabgeber auf die Marktgegebenheit einzustimmen. Die Indikatoren sprechen eine eindeutige Sprache: steigende Arbeitslosigkeit aber auch steigende Aktienkurse, Anleger haben wieder mehr Optionen ihre Portfolie zu gestalten. Denn die Transaktionskosten bei Immo ist sehr hoch (10%=3 Jahresrendite)
Makler vergleichen gerne Wien mit Skadinvien und Schweiz, sogenannte Lebensqualität, dennoch haben sie meistens vergessen, eine Putzfrau in der Schweiz verdient soviel wie ein frischer Hochschulabsovent bei uns oder ein Mc burger kostet in Norwegen zweimal soviel wie in Wien, das sind die Einkommenskriterien, die in die Immopreise einfliessen.

verfasst am 10:51 04.01.2013

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