08.02.2013, 10:46  von Melanie Manner

Ehrgeizige Nachbarn bauen am Hauptbahnhof

40.000 Quadratmeter werden den Erste Campus umhüllen. / Bild: zoomvp.at

Immobilien. Sie haben das Ziel, alle Mitarbeiter an einen Fleck zu holen, sparen Energie und haben sogar optisch einige Ähnlichkeiten: die neuen Gebäude von ÖBB und Erste Group in Wien.

Zwei neue Firmenhauptquartiere werden mit Fertigstellung des Areals rund um den neuen Hauptbahnhof eröffnet werden: der "Erste Campus" der Erste Group und das Headquarter der ÖBB. Beide Konzernflaggschiffe sind einander ähnlicher, als auf den ersten Blick auffällt.

Zunächst einmal geht es bei beiden Konzepten um Synergien durch die Zusammenführung der Mitarbeiter auf einen Standort. Im Erste Campus werden rund 4500 Mitarbeiter von Erste Bank Österreich, Erste Holding und allen Tochterunternehmen in Wien an einem Standort konzentriert. Derzeit sind sie auf 15 Geschäftsstellen in Wien verteilt. Dafür konnte die Erste Group drei ihrer Immobilien in der Wiener Innenstadt um 42,7 Millionen € verkaufen (das WirtschaftsBlatt berichtete).

Auch die ÖBB reduzieren von sechs Standorten (für sieben Gesellschaften) auf einen, der dafür Arbeitsplätze für 1700 Mitarbeiter bietet. Die Büroflächen können dadurch von 39.000 Quadratmeter auf 29.800 Quadratmeter reduziert werden.

Energie sparen

Daneben geht es auch um die Frage, wer aufgrund moderner Bauweise am meisten Energiekosten spart. Im Erste Campus etwa erwirkt dies Projektentwickler Erste Group Immorent durch unterschiedliche Maßnahmen: einerseits durch Betonkernaktivierung für die Heizung und Kühlung gespeist aus Geothermiepfählen, eine Doppelfassade mit intelligentem Sonnenschutz, Temperaturabsenkung während der Nachtstunden, LED-Beleuchtung und Energierückgewinnung bei den Aufzügen. Etwa 300 Millionen € betragen die Baukosten.

Auch im Konzept des ÖBB-Headquarters, das von dem Konsortium rund um Habau, Östu-Stettin und BAI bis 2014 realisiert wird, geht es um das nachhaltige Bauen, etwa durch die Nutzung der thermischen Speichermassen, einen erhöhten Wärmeschutz und einen regelbaren außen liegenden Sonnenschutz.

Ähnlich sind einander die beiden Architektenentwürfe optisch insofern, als es sich bei beiden um einen geschwungenen Baustil handelt. Das ÖBB-Hauptquartier von Architekten Zechner & Zechner hat eine S-Form, die vier Gebäude des Erste Campus ähneln im Design von Marta Schreieck und Dieter Henke ebenfalls geschwungenen Buchstaben. Mit 117.000 Quadratmetern Bruttogeschoßfläche ist die Gebäudegruppe zwar deutlich größer als das ÖBB-Quartier - sie bietet ja auch zweieinhalbmal so viele Arbeitsplätze -, allerdings ist es auch niedriger.

Hoch hinaus

Die ÖBB nutzen die bauliche Beschränkung von 88 Metern Höhe aus: Auf einem fünfgeschoßigen Sockel, der gemischt genutzt werden soll, wird ein Hochhaus aufgesetzt, in dem die Arbeitsplätze angesiedelt werden. Die vier Gebäude des Erste Campus haben dagegen nur eine Höhe zwischen 37 und 50 Metern. Sie sind so konzipiert, dass sich Änderungen in den Arbeitsbereichen und -prozessen ohne baulichen Aufwand realisieren lassen.

In natura vergleichen werden Besucher die zwei Gebäude erst 2015 können - dann erst wird der Erste Campus fertig sein.

(WirtschaftsBlatt, Print-Ausgabe, 2013-02-08)

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550.000 Quadratmeter

Auf 105 Hektar rund um den neuen Hauptbahnhof in Wien - 86 Prozent von Quartier Belvedere und Sonnwendviertel wurden bereits von Investoren gekauft - sind Bürogebäude mit ca. 550.000 Bruttogeschoßfläche geplant.

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