06.11.2015, 09:21  von Michael Loibner

Das Schwarze Brett im Stiegenhaus war gestern

Das klassische schwarze Brett wird digital / Bild: Flickr/micagoto

Hausverwaltungen kommunizieren mit den Bewohnern zunehmend online. Software-Entwickler haben das längst entdeckt und drängen darauf, ihre Produkte abzusetzen.

Wien. Hausverwaltungen beklagen nicht nur ihr verstaubtes Image – Stichwort Schwarzes Brett. Viele tun auch etwas dagegen. Sie wollen als innovative Dienstleister gesehen werden und setzen daher immer stärker auf neue Technologien wie Onlineservices, Apps und Co. Infos und Zahlungsaufforderungen per Mail zu versenden, ist für viele schon seit Jahren Normalzustand.

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Auch Downloads auf der firmeneigenen Homepage gehören zum Standard. „Aber das ist One-Way-Kommunikation“, sagt Philipp Vitera von der Hausverwaltung Dr. Gerlich. Die Bewohner sollen in der Lage sein, sich und ihre Anliegen mitzuteilen, und sie sollen mitverfolgen können, was mit ihren Anregungen geschieht.

Start-up Casavi

Das Salzburger Unternehmen hat Ende Oktober die Bewohner von rund 40 Liegenschaften mit einem vom Münchner Start-up Casavi entwickelten Onlinetool ausgestattet, das auf Tablets und Smartphones läuft. Ist zum Beispiel das Licht im Stiegenhaus defekt, kann ein Mieter dies über die App eingegeben. Die Info geht an die Hausverwaltung, die ihrerseits einen Spezialisten mit der Reparatur beauftragt. Die Bewohner können den aktuellen Stand der Instandsetzung über die App mitverfolgen. Sie können aber auch miteinander in Kontakt treten, etwa wenn jemand einen Babysitter sucht oder etwas zu verkaufen hat.

Einer der Spezialisten, die von den Hausverwaltungen im Fall des Falles beauftragt werden, ist die Attensam Hausbetreuung. Geschäftsführer Stefan Polletin sieht Transparenz und Effizienz als größte Vorteile des Systems. „Dass man jeden Arbeitsschritt einsehen kann, macht auch unsere Leistungen sicht- und nachvollziehbar.“

Bewohner-Chat im Aufbau

Das Casavi-Tool ist derzeit österreichweit in rund 3500 Wohnungen im Einsatz, aber keineswegs das einzige auf dem Markt. Bip Online verfügt über einen ähnlichen Leistungsumfang und soll „im kommenden Jahr in rund 1000 Wohnanlagen in Österreich genutzt werden“, sagt Geschäftsführer Martin Sams. Alle Infos werden außerdem auf einem Bildschirm im Hausflur angezeigt. Der Bewohner-Chat ist allerdings erst im Aufbau – ebenso wie jener des Systems „Alfred“, einer Eigenmarke der Salzburg Wohnbau.

„Die Software-Entwickler haben vor Kurzem den Markt der wohnhausbezogenen Anwendungen entdeckt und drängen darauf, ihre Produkte abzusetzen“, sagt Anton Holzapfel, Geschäftsführer des Österreichischen Verbands der Immobilienwirtschaft (ÖVI). Was mit Anwendungen für Mietkostenabrechnungen begonnen habe, entwickle sich jetzt in Richtung Customer Relationship. Der österreichische Hausverwalter-Kongress kommende Woche in Salzburg werde künftige Einsatzmöglichkeiten ausloten.

Platzhirsche zögerlich

Während immer mehr private Hausverwaltungen auch bei Software aus dem Apple-Store anbeißen (als österreichische Entwicklung ist dort etwa ein Tool der Online-Hausverwaltung aus Wien erhältlich), zeigt man sich bei Wiener Wohnen, als „Herr“ über rund 220.000 Gemeindewohnungen Europas größter kommunaler Hausverwalter, noch zögerlich. „Apps sind Teil unserer Überlegungen, denn sie könnten unsere Kunden noch zufriedener machen und uns die Arbeit erleichtern“, sagt Sprecher Jörg Neumayer. Elfriede Aydogar von Wohnen Graz erklärt, warum auch in den Gemeindebauten der steirischen Hauptstadt interaktive Onlineanwendungen erst „in Planung“ sind: „Viele unserer Mieter sind, nicht zuletzt aufgrund ihrer finanziellen Situation, technisch nicht so gut ausgerüstet.“

Seitens Attensam pflichtet man bei: „Apps können erst bei Luxusimmobilien ihre Zusatzfeatures ausspielen, wenn etwa ein Restaurant im Haus seine Menüs bewirbt.“ Das ÖVI sieht darüber hinaus „Objekte mit jungen Bewohnern, die Erfahrung mit Social Media haben“, als Zielgruppe.

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