09.11.2012, 14:52  von Evelin Past

Recrutainment: Spielerisch zum Traumjob

Die Gaming-Kultur zieht in die Personalabteilungen ein. / Bild: spreaduserDE

Karriere. Das klassische Interview hat ausgedient. Junge Talente müssen sich neuerdings in der virtuellen Welt beweisen.

„Recrutainment wird das klassische Bewerbungsgespräch ablösen. Es ist der Trend in der Personalbeschaffung", sagt Johannes Kopf, Vorstand des Arbeitsmarktservice Österreich, in einer Expertenrunde auf der Personal Austria in der Messe Wien. Denn die Suche nach qualifizierten Nachwuchskräften, stellt die heimischen Personalabteilungen vor große Herausforderungen.

Um die Aufmerksamkeit potenzieller Mitarbeiter im "War for talents" auf sich zu ziehen, kommen neue Rekrutierungsprozesse zum Einsatz. So suchen die Unternehmen inzwischen mit Online-Spielen und interaktiven Test nach geeigneten Kandidaten.

Moderner Rekrutierungsprozess

Das englische Kunstwort „Recrutainment" bezeichnet eine Mischung aus "Recruiting" (Personalbeschaffung) und "Entertainment" (Unterhaltung) und dient nicht nur zur Auswahl geeigneter Kandidaten, sondern auch dem Marketing der Firmen. „Employer Branding wird immer wichtiger für die Unternehmen", weiß Johannes Kopf. Und weil junge Professionals, Berufseinsteiger und Fachkräfte mit spezifischen Kompetenzen gerne unterhalten werden, beinhalten moderne Rekrutierungsprozesse neben Informationen oft auch einen Unterhaltungsaspekt.

OMV, Tchibo und Commerzbank

So zeigt Tchibo im virtuellen Rundgang unter anderem den Weg der Kaffeebohne vom Feld im Ursprungland bis zur Lagerhalle in Deutschland. Unter dem Motto "Probier-dich-aus" lässt die Commerzbank den User einen Tag als Berater durchspielen: den Kunden begrüßen, persönliche Ebene schaffen, Anliegen erfragen, Angebote auswählen, Kreditformular durchgehen.

Einen spielerischen Zugang fand auch die OMV. Mit ihrer Gender-Initiative „Österreich sucht die Technik Queen" versucht das Unternehmen die Begeisterung für Technik bei Mädchen zu wecken. In sieben Missionen können die weiblichen Nachwuchskräfte Punkte sammeln, die sie dann in die nächste Runde des Online-Spiels bringen. Eine der Aufgabenstellungen lautet etwa: Wie baue ich einen Generator? Auf die besten Fünf warten Bildungsschecks, Förderprogramme und eine Reise. Bei der tatsächlichen Personalsuche setzt der Mineralölkonzern.allerdings lieber auf alt bewährte Methoden. „High-Potentials wählen wir in Assesment-Centern aus, hier passt Recrutainment nicht zu uns", sagt Claudia Rodler, Leiterin Rekruting & Personalmarketing bei der OMV.

Unternehmen zeigen sich von ihrer besten Seite

Instrumente der gezielten Bewerberansprache können neben webbasierte Spielen auch Events sein. Ein Beispiel ist die Modehandelskette Peek&Cloppenburg. Während der Berliner Fashion Week lädt das Unternehmen Studierende und Hochschulabsolventen für einen Tag zum Event "Fashion meets Future" in ein Luxushotel ein. Dort werden die potenziellen Mitarbeiter über Einstiegs- und Karrieremöglichkeiten informiert, sie nehmen an Workshops teil und können Mitarbeiter persönlich befragen. Im Anschluss werden die Teilnehmer zu einer Modeshow des Unternehmens eingeladen.

Egal wie unterschiedlichen die Recruitainment-Anwendungen auch sein mögen, sie alle haben ein gemeinsames Ziel: Sie sollen Aufmerksamkeit bei den Young Professional Aufmerksamkeit erregen und den Konzern ins rechte Licht rücken.

 

Das WirtschaftsBlatt 3 Wochen gratis testen
» Jetzt kostenlos bestellen

18.12.2014, 11:44

Weltraumagentur ESA bekommt deutschen Chef

17.12.2014, 11:33

Dieses ungewöhnliche Vorstellungsgespräch sorgt für Begeisterung

16.12.2014, 10:59

Weihnachten im Büro nervt Österreichs Arbeitnehmer

Mehr auf wirtschaftsblatt.at

    Mehr aus dem Web

    WERBUNG

    Kommentare

    0 Kommentare

    Verbleibende Zeichen: 1500

    12.12.2014, 10:43

    "Wenn ich das Gefühl habe, dass ich es nicht mehr bringe, dann höre ich auf"

    Formel-1-Geschäftsführer Bernie Ecclestone denkt auch im Alter von 84 Jahren nicht an den Ruhestand. Die luxemburgische Investment-Gesellschaft prüft angeblich hinter den Kulissen eine Nachfolge-Regelung für Ecclestone.

    12.12.2014, 09:37

    "Wir waren gierig auf Feedback"

    Warum es sich lohnt, sich einem Wettbewerb wie "Great Place to Work" zu stellen, und was bei der Mitarbeiterkommunikation zu beachten ist, erzählen drei Personalisten.

    12.12.2014, 09:19

    "Sehen Sie doch einfach auf unserer Website nach"

    Almdudler, Post und McDonalds setzen gekonnt Tonbänder und Servicetelefonate ein, um ihre Markenbotschaft zu transportieren. UPC und Red Bull haben Nachholbedarf.

    10.12.2014, 14:07

    Bill Gates schwört auf dieses Business-Buch

    Microsoft Gründer Bill Gates veröffentlicht auch in diesem Jahr eine Liste von Büchern, die es ihm besonders angetan haben. Darunter ist auch das beste Unternehmer-Buch, das er je gelesen hat.

    10.12.2014, 10:23

    Medizinstudium: 80 Prozent deutscher Absolventen verlassen Österreich

    Befragungen ausländischer Medizin-Studenten an österreichischen Unis haben schon bisher nahegelegt, dass die Mehrheit nach dem Abschluss nicht als Arzt in Österreich bleiben möchte. Nun gibt es erstmals Zahlen, wo sie dann tatsächlich arbeiten.

    Umfrage

    • Klagen und Gegenklagen in Sachen Hypo Alpe Adria - macht das Sinn?
    • Ja, man sollte nichts unversucht lassen.
    • Nein, das bringt nur noch Gerichtskosten.
    • Jetzt ist es zu spät dafür.
    • Das ganze Hypo-Desaster ist hoffnungslos.