16.11.2012, 10:40  von Melanie Manner

Weg mit dem Handicap

Spitzen-Netzwerkerin Valerie Keller / Bild: Keller

Kongress. Frauenquoten sind nicht ihr Ding: Unternehmerin Valerie Keller erforscht lieber strukturelle Veränderungen, um den Frauenanteil zu steigern.

"Wir sehen uns an, wie wir den Gender Gap schließen können, nicht nur, weil es das Richtige ist, sondern weil es klug ist. Wir können es uns in Organisationen nicht leisten, die Hälfte unserer Hirnkapazitäten außen vor zu lassen", sagt Valerie Keller. Die energiegeladene New Yorkerin war vergangene Woche Gastrednerin am Kongress "Making Social Innovation Happen" des European Women's Management Development-Netzwerks in Mayrhofen im Zillertal.

Akteure vernetzen

Als CEO von Veritas berät sie junge Unternehmen, die einen sozialen Hintergrund haben, und bringt sie mit Geldgebern, Kunden und Organisationen zusammen. Das Zusammenführen von Akteuren aus unterschiedlichen Bereichen, von denen man ein gemeinsames Interesse vielleicht nicht vermutet hätte, ist ihre Spezialität.

Ihr Networking-Talent hat sie bereits selbst unter Beweis gestellt: Nach dem Hurrikan Katrina hat sie mit Regierungsstellen, Unternehmen und NGOs zusammengearbeitet, um gemeinsam Änderungen im Krankenhausbau und im sozialen Wohnbau zu bewirken. Sie hat im Fundraising 100 Millionen US-$ für unterschiedliche Initiativen aufgestellt.

Verbesserungsvorschläge

Mehr Frauen in die Chefetagen zu bringen, ist nun Kellers Anliegen. Als Mitglied des Harvard Kennedy School of Governments Women's Leadership Board sowie als Associate Fellow von Oxford University's Said Business School (somit Mentorin) sammelt sie Verbesserungsvorschläge und bringt sie unter die Leute.

Ihr Thema: Mit welchen Mitteln kann man Vorurteile überwinden? Was kann strukturell verändert werden? Ein Beispiel: "In Gruppen einzustellen oder zu befördern schließt den Gender Gap im Unternehmen eher." Frauenquoten schätzt sie hingegen nicht. "Menschen sind rational. Wenn man es schafft, ihnen zu zeigen, dass etwas in ihrem Interesse ist, dann werden sie es tun."

Wie man es als Frau schafft, sei nicht "Rocket Science" - genauso, wie man es als Mann schafft. Anders als Männer werden Frauen aber entweder gemocht oder respektiert, nicht beides. "Aber wenn wir dauernd über unsere Handicaps nachdenken, dann sind wir erst recht gehandicapt." Viel wichtiger sei es, sich selbst ernst zu nehmen und sich Vorbilder zu suchen.

 

(WirtschaftsBlatt, Print-Ausgabe, 2012-11-16)

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Ausgezeichnet

Zum Young Global Leader des World Economic Forum wurde sie erst kürzlich gewählt: Beraterin Valerie Keller sammelt Auszeichnungen wie andere Leute Briefmarken. So etwa den JP Morgan Chase 20 under 40-Award, Change Agent Networks Humanitarian of the Year-Award und den Women Who Mean Business-Award. Als CEO des Beratungsunternehmens Veritas in New York hat sie an der Oxford University in England ihren MBA gemacht.

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