30.11.2012, 13:32  von Ann Kathrin Hermes und Wolfgang Drucker

"Europa braucht eine Erfolgsgeschichte"

Julie Meyer, CEO von Ariadne Capital / Bild: Ariadne Capital

Interview. Julie Meyer, CEO von Ariadne Capital über Start-ups, europäische Unternehmen und den Reiz in Europa zu investieren.

WirtschaftsBlatt: Frau Meyer, was macht für Sie als Investorin ein gutes Start-up aus?

Julie Meyer: Ich bin auf der Suche nach außergewöhnlichen Menschen. Wichtig ist für mich, dass sie hartnäckig ihre Ideen verfolgen. Diese Unternehmer müssen belastbar und einfallsreich sein. Sie brauchen kein fantastisches Exit, im Gegenteil. Wenn jemand viel Geld gemacht hat, dann wird er vielleicht auch in Zukunft nur bestrebt sein, Geld zu machen.
Ich möchte sehen, dass es Menschen sind, die Kraft haben durchzuhalten. Das gilt vor allem in Phasen, wo die meisten schon aufgegeben hätten.

Um nochmal auf das "Exit" zurückzukommen. Wann würden Sie von einem guten "Exit" sprechen?

Auf diese Frage gibt es keine allgemeingültige Antwort. Das ist von Unternehmen zu Unternehmen verschieden. Drei Punkte sind zu beachten: Die Marktchance, das Management-Team und das Produkt an sich. Dann muss abgewogen werden. Wenn die Rendite zu gering ist, muss man verkaufen.

Vor 12 Jahren gründeten Sie Ariadne Capital. Was hat Sie dazu bewogen dieses Projekt ins Leben zu rufen?

Das Konzept hinter Ariadne lautet Unternehmer unterstützen Unternehmer. Ein ganz natürliches Modell, wenn Sie mich fragen. Unternehmer sollten ihre Erfahrungen teilen, sodass andere Unternehmer davon profitieren können. Es muss ein Dialog stattfinden. Für mich war von Anfang an klar, dass - wenn wir in die Zukunft investieren wollen - wir auch europäische Unternehmen in diesem Projekt haben sollten.

Gibt es etwas, was wir Europäer von den Amerikanern lernen können oder lernen sollten?

Wir sollten uns bewusst sein, dass Europa nicht Amerika ist und auch nicht werden soll. Ich bin der Überzeugung, dass Europa außergewöhnliche Unternehmen hat, in die es sich lohnt zu investieren.
Derzeit sehe ich den Trend, dass Investoren und Unternehmer bestrebt sind, ihre Produkte an amerikanische Technologieunternehmen zu verkaufen. Das ist aber nicht Sinn und Zweck der Sache. Wir sollten selbstbewusst genug sein und in das Business in Europa investieren. Wir können eigene Dynastien erschaffen.

Was braucht es dafür?

Ich bin mir bewusst, dass es noch ein hartes Stück Arbeit ist. Aber was deutlich wird, wenn man sich die Nachrichten anschaut - Europa braucht eine Erfolgsgeschichte. Und da sehe ich die Chance für Business-Angel. Sie sollten bestehende Unternehmer unterstützen und ihnen Mut machen. Es gibt genügend europäische Unternehmer die bereit sind etwas zu verändern und etwas zu erreichen, diese Unternehmen müssen wir fördern.

Was macht einen guten Angel-Investor für Sie aus?

Ein Angel-Investor ist bereit für einen Unternehmer sein Kapital zu riskieren. Je höher die mögliche Rendite desto höher ist auch das Risiko, das sie tragen. Gleichzeitig wollen sie aber auch das Risiko für den Unternehmer minimieren, indem Sie ihren Erfahrungsschatz teilen und Einblicke in ihre Netzwerke gestatten. Ein Angel-Investor ist Investor, Coach und Mentor in einer Person.


Was für Julie Meyer Erfolg bedeutet, wie wichtig ihr Geld ist und was Frauen als Unternehmerinnen ausmachen, sehen Sie in unserem Video.

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Zur Person

Julie Meyer ist Gründerin und Vorstandsvorsitzende der Ariadne Capital.

Ariadne Capital wurde 2000 gegründet und arbeitet unter dem Motto "Unternehmer unterstützen Unternehmer". Ziel ist es, ein neues Finanzierungsmodell für Unternehmen zu etablieren. Das Wall Street Journal wählte Julie Meyer unter die 30 einflussreichsten Frauen in Europa.

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