07.12.2012, 10:22  von Kathrin Gulnerits

"Ohne Nachhaltigkeit kommt man nicht weit"

Peter Engert, CSR-Berater / Bild: WB, Peroutka

Karriere. Nachhaltige Personalarbeit ist wichtig, um gute Mitarbeiter zu finden und zu binden, sagen die einen. Nachhaltigkeit ist für viele nur ein Feigenblatt, meinen die anderen.

Ein Unternehmen, das wachsen will, braucht gutes Personal. Doch um bestens qualifizierte Mitarbeiter zu finden und langfristig zu binden, müssen Unternehmen etwas anbieten - in wirtschaftlicher und in sozialer Hinsicht. Wenig überraschend ist es daher, dass die Etablierung einer nachhaltigen Unternehmenskultur laut einer Erhebung des Instituts für Beschäftigung und Employability derzeit von 48 Prozent der Führungskräfte als Top-Thema gesehen wird. 714 Manager in Deutschland, Österreich und der Schweiz wurden befragt. Im Vorjahr lag dieser Wert noch bei 39 Prozent.

Nachhaltige Personalarbeit heißt für die Befragten u.a. Förderung der Beschäftigungsfähigkeit, Talentmanagement und Work-Life-Balance, aber auch Fragen rund um den demografischen Wandel beschäftigen die Unternehmen. Doch hat tatsächlich das Gros der Firmenlenker erkannt, dass das Dauerbrennerthema Nachhaltigkeit auch in der Personalarbeit verankert werden muss? Berater Peter Engert, Herausgeber des Buches "CSR &Nachhaltigkeit: Idealismus oder betriebliche Realität" (Linde) und Geschäftsführer von Enstro, hat seine Zweifel. "Solange Manager mit Drei-Jahres-Verträgen gepeitscht werden und der Bonus nur auf Ergebnisse ausgerichtet ist, wird sich nicht viel tun."

Dabei ist es laut Engert gerade im Personalmanagement leicht, nachhaltige Maßnahmen zu definieren und umzusetzen. Wertschätzung und Anerkennung kosten nicht viel, bringen aber einiges (siehe Artikel Seite 36)."Es reicht aber nicht, einmal bei der Weihnachtsfeier zu sagen, dass der Mitarbeiter im Mittelpunkt steht." Vieles, sagt Engert, hänge vom Denken und der Einstellung des Managements ab. Auf nachhaltige Personalarbeit zu verzichten, können sich (langfristig) jedenfalls nicht viele leisten. "Ohne Nachhaltigkeit kommt man nicht mehr weit. Es gibt aber auch genug Unternehmen, die nur abcashen und nichts hinterlassen wollen", sagt Engert.

Langfristige Strategie

Ein erster Schritt in Richtung nachhaltigen Personalmanagements ist es, zu schauen, was es im Unternehmen schon gibt. "Da findet man immer etwas." Hilfreich ist es auch, Externe - etwa Headhunter - zu befragen: Wie siehst du mich als Unternehmen? Würdest du leicht für mich Mitarbeiter finden? Was muss ich tun, um eine Verbesserung zu erreichen? "Entscheidend ist eine langfristige Strategie", sagt Engert. "Und nicht glauben, dass nach drei Monaten alles super ist. In drei Monaten kann man sich keinen Namen am Personalmarkt machen." Er berät derzeit vor allem "gehobene KMU". Denn: "Die Kleinen schrecken die Kosten ab, weil der Nutzen noch viel zu wenig herausgearbeitet ist."

(WirtschaftsBlatt, Print-Ausgabe, 2012-12-07)

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In drei Monaten kann man sich keinen Namen am Personalmarkt machen

Peter Engert, CSR-Berater

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