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DONNERSTAG, 20. JUNI 2013 14:31
28.12.2012, 12:39 von Tamara Depolo
Die wenig schmeichelhafte Liste (mit allerdings nur fünf Plazierungen) wurde vom US-Wirtschaftsprofessor und Managementthemen-Buchautor Sydney Finkelstein zum dritten Mal aufgelegt. Eines vorweg: Die Chefs von Facebook und Groupon hätten es laut Finkelstein „nahezu" in sein Top 5 der Gescheiterten geschafft. Die Begründung: Bei Facebook-Chef Mark Zuckerberg und Groupon-Chef Andrew Mason gebe es „keinen Grund, zu glauben, sie hätten Führungsqualitäten, um ein großes börsenotiertes Unternehmen zu leiten". Der Beleg dafür: Die Facebook-Aktie verlor binnen eines Jahres 30 Prozent an Wert, jene von Groupon 80 Prozent. Während der Schnäppchenhändler Groupon ein Businessmodell habe, das zunehmend unter Druck gerate, habe das weltgrößte Soziale Netzwerk Facebook zu spät angefangen, sich an mobilen Endgeräten vermarktbar zu machen, urteilt der Professor vom Dartmouth College, einer Ivy League-Universität.
Der Aktienkurs des Unternehmens dürfte bei seinem Ranking generell das wichtigste Kriterium sein. Bei Mark Zuckerberg kritisiert Finkelstein zudem das „massive Ego" und diagnostiziert ein Diktatorbenehmen. Die Anleger würden schlicht und einfach auf Zuckerberg wetten. Beiden Jungunternehmern attestiert der Management-Professor, sie seien „nicht reif im traditionellen Sinne" - Bier trinken auf Anlegerkonferenzen und Kapuzenpullis bei jedem Anlass zu tragen, lasse eben nicht auf reife Persönlichkeiten schliessen.
Kursabstürze und Betrügereien
Nun aber zu den in Österreich etwas weniger prominenten Namen, die von Finkelstein zu den fünf schlechtesten Bossen des Jahres erkoren wurden: Mitleid hat Finkelstein mit Brian Dunn, der im April als Boss des US-Elektrohändlers Best Buy zurückgetreten ist, keines - Dunn ist nämlich seine Nummer eins, und zwar nicht wegen den Vorwürfen eines „unangemessenen Verhältnisses" mit einer viel jüngeren Mitarbeiterin (weswegen Dunn auch zurückgetreten ist), sondern wegen dem „Aktienkurs-Absturz, dem Rückgang der flächenbereinigten Umsätze, dem Verlust der Marktanteile an schlechtere Mitbewerber sowie der ausufernden Aktienrückkaufprogramme". O-Ton Finkelstein: „Dunn war einige Jahre lang CEO und hat eigentlich nur dabei zugesehen, wie Leute in seine Geschäfte kommen, die Ware begutachten und sich die Preise notieren, um das Ganze dann billiger im Internet zu kaufen." Dunn habe erfolglos versucht, die Verkaufszahlen der hochpreisigeren Ware zu erhöhen. Die Kundenbetreuung zu „reparieren", das habe der glücklose CEO „nicht einmal versucht", genauso die Online-Verkaufssparte.
Nebenaktivitäten
Das Problem bei Aubrey McClendon, der Nummer zwei auf der Liste, ist etwas anders gelagert: Der CEO von Chesapeake Energy habe Probleme, die Finanzen des Konzerns und seine eigenen unter Kontrolle zu halten - McClendon soll persönlich in Gasbohrfelder investiert und dies mit Unternehmenskrediten finanziert haben. So nebenbei installierte er auch einen eigenen Öl- und Gas-Hedgefonds - ein klarer Interessenskonflikt. Der zweitgrößte US-Gasproduzent mit Sitz in Oklahoma City hat 13.000 Mitarbeiter und war zuletzt vom Einbruch des Gaspreises betroffen.
Der dritte Platz geht an die Ex-Chefin des Kosmetikkonzerns Avon, Andrea Jung - eine ihrer Verfehlungen sei, das Übernahmeangebot des Mitbewerbers Coty nicht eingegangen zu sein. Coty bot 10,7 Milliarden Dollar an - rückwirkend betrachtet, hätte Jung hier sofort zuschlagen müssen, meint Finkelstein. Jungs Bilanz am Unternehmensruder sei verheerend: Seit 2004 sei der Börsenwert des Unternehmens von 21 Milliarden Dollar auf weniger als ein Drittel davon gefallen. Zudem habe Avon 300 Millionen Dollar an Anwaltskosten gehabt, in Zusammenhang mit Bestechungsvorwürfen.
Der viertschlechteste Chef war im Online-Business zu finden: Nach Finkelsteins Kriterien ist es Mark Pincus, CEO des Onlinespiele-Anbieter Zynga. Allein 2012 habe die Zynga-Aktie 75 Prozent ihres Werts verloren, ein Exodus auf der Managementebene sei im Gange. Dem Harvard-Absolventen Pincus attestiert der Professor einige „Anfängerfehler", etwa dass er sich zu viel von der Kooperation mit Facebook erwartet hatte. Nicht sehr vertrauenserweckend sei weiterhin die Tatsache, dass Pincus seine Zynga-Aktien im großen Stil abgestossen habe, sobald die Verkaufssperre nach dem Börsengang (Dezember 2011) abgelaufen war.
Und die Nummer fünf geht an einen Europäer: Rodrigo Rato, Chef der bankrotten spanischen Sparkasse Bankia, kann mit einer langen Liste an Problemen aufwarten - gegen den ehemaligen spanischen Finanzminister und früheren hohen Direktor beim Internationalen Währungsfonds wird wegen Betrugsverdacht und wegen Verdacht auf Preisabsprachen im Zusammenhang mit dem Bankia-IPO ermittelt. Ein Bild des Niedergangs: 2011 hat Bankia 309 Millionen € an Gewinn in Aussicht gestellt, nachdem Rato zurückgetreten war im Mai 2012, wurde das Ergebnis 2011 auf drei Milliarden € Verlust korrigiert. (ag/tam)
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Kommentare
2 Kommentare
Gast: Kasandra meint
verfasst am 20:32 28.12.2012
chrisliom meint
verfasst am 09:52 30.12.2012