14.02.2013, 10:07

"Schönborns Papst-Wahl wäre für Kirche von Vorteil"

Kardinal Christoph Schönborn / Bild: APA, Hochmuth

Papst. Seit dem Rücktritt von Benedikt XVI. am Montag wird der Wiener Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn als einer der Favoriten für die Papst-Nachfolge gehandelt.

Vatikanstadt. Dass der ehemalige Schüler Joseph Ratzingers gute Chancen hat, Nachfolger seines Lehrers zu werden, davon ist der Vatikan-Korrespondent des britischen katholischen Wochenmagazins "The Tablet", Robert Mickens, fest überzeugt. Im Gespräch mit der APA erklärte der Vatikan-Insider, warum die Wahl Schönborns zum neuen Pontifex nicht nur möglich, sondern für die Kirche auch wünschenswert wäre.

Erfahrung im Umgang mit Krisen

"Schönborn ist ein Kardinal, der auf ernsthafte und glaubwürdige Weise mit Krisen in seiner Diözese umzugehen weiß. Er versucht, die schwierige Lage der Kirche in Österreich zu entschärfen, ohne sie zu ignorieren. Der neue Papst wird mit mehreren Problemen innerhalb der Kirche konfrontiert werden. Daher wäre es von Vorteil für die Weltkirche, einen Papst zu haben, der schon Erfahrung im Umgang mit Krisen hat", betonte Mickens.

Der Amerikaner ist der Ansicht, dass Schönborn im Umgang mit den Protesten der "Pfarrer-Initiative" Offenheit bewiesen hat. "Er hat dabei nach Lösungen gesucht, die zwar der Kirchendoktrin entsprechen, aber nicht unbedingt dogmatisch sind. Er hat versucht, neue Wege einzuschlagen. Nicht jeder ist der Ansicht, dass dies richtig ist, doch Schönborn hat zumindest etwas Neues gewagt. In dieser Hinsicht betrachte ich ihn als einen der offensten Kirchenmänner", erklärte der US-Amerikaner.

Neue Evangelisierung

"Meiner Ansicht nach ist es wichtig, dass die Kirche die Positionen der Priester berücksichtigt. Wenn sie gegen die zunehmende Säkularisierung eine neue Evangelisierung starten will, muss die Kirche ein offenes Ohr für die Priester haben. In Europa gibt es viele Geistliche, die über ihr Unbehagen in der Kirche nicht sprechen, weil sie nicht ausgegrenzt und bestraft werden wollen. Die Forderungen nach einer tief greifenden Erneuerung sind jedoch vorhanden", so der Vatikan-Korrespondent.

Schönborns gute Beziehungen zu Benedikt XVI. könnten ihm die Unterstützung jener Kardinäle sichern, die einen Papst im Zeichen der Kontinuität mit der Linie Ratzingers wählen wollen. "Dass Schönborn ein Österreicher ist, könnte jedoch ein Handicap sein. Viele Kardinale im Konklave könnten sich dagegen wehren, dass zwei Päpste in Folge aus dem deutschsprachigen Raum stammen", meinte Mickens.

Schönborns Alter sei für einen Papst geeignet. "Allerdings muss man sagen, dass nach Benedikts Rücktritt das Thema des Alters für einen Papst eine andere Bedeutung hat. Von jetzt an wird ein Pontifex nicht mehr bis zum Tod im Einsatz bleiben müssen. Die Frage seines Alters ist somit relativiert worden", betonte der Journalist.

 

(APA)

Das WirtschaftsBlatt 3 Wochen gratis testen
» Jetzt kostenlos bestellen

18.12.2014, 11:44

Weltraumagentur ESA bekommt deutschen Chef

17.12.2014, 11:33

Dieses ungewöhnliche Vorstellungsgespräch sorgt für Begeisterung

16.12.2014, 10:59

Weihnachten im Büro nervt Österreichs Arbeitnehmer

Mehr auf wirtschaftsblatt.at

    Mehr aus dem Web

    WERBUNG

    Kommentare

    0 Kommentare

    Verbleibende Zeichen: 1500

    12.12.2014, 10:43

    "Wenn ich das Gefühl habe, dass ich es nicht mehr bringe, dann höre ich auf"

    Formel-1-Geschäftsführer Bernie Ecclestone denkt auch im Alter von 84 Jahren nicht an den Ruhestand. Die luxemburgische Investment-Gesellschaft prüft angeblich hinter den Kulissen eine Nachfolge-Regelung für Ecclestone.

    12.12.2014, 09:37

    "Wir waren gierig auf Feedback"

    Warum es sich lohnt, sich einem Wettbewerb wie "Great Place to Work" zu stellen, und was bei der Mitarbeiterkommunikation zu beachten ist, erzählen drei Personalisten.

    12.12.2014, 09:19

    "Sehen Sie doch einfach auf unserer Website nach"

    Almdudler, Post und McDonalds setzen gekonnt Tonbänder und Servicetelefonate ein, um ihre Markenbotschaft zu transportieren. UPC und Red Bull haben Nachholbedarf.

    10.12.2014, 14:07

    Bill Gates schwört auf dieses Business-Buch

    Microsoft Gründer Bill Gates veröffentlicht auch in diesem Jahr eine Liste von Büchern, die es ihm besonders angetan haben. Darunter ist auch das beste Unternehmer-Buch, das er je gelesen hat.

    10.12.2014, 10:23

    Medizinstudium: 80 Prozent deutscher Absolventen verlassen Österreich

    Befragungen ausländischer Medizin-Studenten an österreichischen Unis haben schon bisher nahegelegt, dass die Mehrheit nach dem Abschluss nicht als Arzt in Österreich bleiben möchte. Nun gibt es erstmals Zahlen, wo sie dann tatsächlich arbeiten.

    Umfrage

    • Klagen und Gegenklagen in Sachen Hypo Alpe Adria - macht das Sinn?
    • Ja, man sollte nichts unversucht lassen.
    • Nein, das bringt nur noch Gerichtskosten.
    • Jetzt ist es zu spät dafür.
    • Das ganze Hypo-Desaster ist hoffnungslos.