05.04.2013, 10:44  von Kathrin Gulnerits

Entscheidungen werden zu oft "ausgesessen"

Nichts zu tun scheint für viele Manager oft die einzige Möglichkeit / Bild: colourbox

Karriere. Viele Manager leiden unter chronischer Entscheidungsschwäche, sagtAutor Roland Jäger - und zeigt in seinem Buch "Ausgesessen" Wege aus dem Dilemma.

Roland Jäger ist genervt - besonders von jenen Managern, die keine Entscheidungen treffen können und stattdessen lieber regelmäßig mit faulen Kompromissen ihren Arbeitsalltag bestreiten. "Den Menschen fehlt zunehmend der Mut, zu dem, was man denkt, sagt und entscheidet, zu stehen", ist der Managementcoach und Bestsellerautor überzeugt. "Nichts zu tun oder sich für den Status quo zu entscheiden, wird oft als einzige Möglichkeit gesehen", kritisiert Jäger und zeigt in seinem neuen Buch "Ausgesessen: Warum uns die Kultur des Nicht-Entscheidens unsere Zukunft kostet" (Orell Füssli) mithilfe von Beispielen aus seiner Coachingpraxis und Studien aus der Arbeitspsychologie Wege aus dem Dilemma auf.

Lernen, Nein zu sagen

Die Antwort auf die Frage "Was will ich?" ist beispielsweise ein Schritt in Richtung mehr Entscheidungsfreude. "Es ist ein Irrglaube, dass ich mir alle Optionen offen lasse, wenn ich abwarte oder eine Entscheidung aussitze", sagt Jäger, der das obendrein für ziemlich anstrengend hält. "Sich für etwas zu entscheiden, kann ja auch sehr entlastend sein. Schließlich muss ich mehrere Bälle hochhalten." Gute Entscheider sind aber auch Neinsager. "Wichtig ist es, die nicht gewählten Optionen gedanklich loszulassen", sagt Jäger und weiß: "Damit tun sich viele schwer."

Auch gut zu wissen: Nur weil ich einmal eine Entscheidung getroffen habe, heißt das noch lange nicht, dass man tatenlos beim weiteren Lauf der Dinge zuschauen muss -im Gegenteil. Jäger: "Ich kann bremsen, ich kann einlenken. Ich habe sehr wohl noch Alternativen."

Schritt ins Ungewisse

Die Gründe für das Aussitzen sind vielfältig: Eine Entscheidung zu treffen ist immer ein Schritt ins Ungewisse. Entscheidungen sind aber auch immer mit einem Verlust verbunden. Denn wer Ja zu etwas sagt, entscheidet sich gleichzeitig gegen viele andere Möglichkeiten. "Etwas nicht zu entscheiden und die Dinge laufen zu lassen, führt unter Umständen dazu, dass es zu der Lösung kommt, die man ohnehin gerne möchte", nennt Jäger einen weiteren Grund. Er ist überzeugt: Wenn wir selbst keine Entscheidungen treffen, erledigen das andere. Das heißt auch: Wir werden entweder Opfer von Fremdentscheidungen - oder es passiert gar nichts mehr.

"Etwas nicht zu entscheiden, heißt auch, Potenziale nicht zu ergreifen", warnt der Autor, der im Hinblick auf die Entscheidungskultur in den Unternehmen nicht positiv in die Zukunft schaut: "95 Prozent der Manager setzen auf die Vermeidungsstrategie." Und auch der nachrückenden Generation Y stellt der Managementexperte kein gutes Zeugnis aus. "Da habe ich bezüglich des Übernehmens von Verantwortung für Entscheidungen meine Zweifel."

(WirtschaftsBlatt, Print-Ausgabe, 2013-04-05)

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Kommentare

1 Kommentare

Das Übernehmen von Verantwortung sowie die Entscheidungsspielräume werden systematisch zurückgedrängt.
Ich beobachte einen gesellschaftlichen Trend zu mehr Zentralismus und weniger Eigenverantwortung.
In der Politik und öffentlichen Verwaltung wird das "manu ducere"-Prinzip sehr weit ausgelegt. Technokraten nehmen immer mehr Einfluss auf persönliche Lebensbereiche.
In grossen Unternehmen herrscht oft eine "Kultur des Misstrauens".
Die Geschäftsleitung traut den untergeordneten Führungsebenen nicht zu, selbständig gut Entscheidungen zu treffen.
Es gibt umfassende Kontrollstrukturen. In einfache Entscheidungen über relative geringe Ausgaben sind häufig über acht Entscheidungsträger und fast alle Hierarchie-Ebenen eingebunden.
Kein Wunder, dass kaum mehr Verantwortung übernommen wird.

verfasst am 12.04.2013, 06:49

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