05.11.2012, 16:18  von Wolfgang Drucker

„Systemkameras legen um bis zu 500 Prozent zu“

Robert Hartlauer / Bild: WB/Alexandra Eizinger

Interview. Nach den Kameraherstellern freut sich auch der Handel über den Erfolg der Systemkameras. Sie stellen bereits fast 30 Prozent im hochpreisigen Kamerasegment.

WirtschaftsBlatt: Die Kamerahersteller freuen sich, dass Systemkameras nun im Massenmarkt angekommen sind. Wie sieht das der Handel? Teilen Sie diese Sicht?

Robert Hartlauer: Ja definitiv. Pro Jahr werden derzeit insgesamt rund 32.000 Systemkameras verkauft. Bei Spiegelreflexkameras sind wir aktuell bei rund 80.000 verkauften Stück, das heißt, fast 30 Prozent aus dem hochpreisigen Segment werden bereits von Systemkameras gestellt. Das Segment wächst aber weiterhin: Je nach Monat zwischen 200 und 500 Prozent.

Wie läuft der Verkauf von Objektiven? Noch vor einem Jahr war deutlich zu sehen, neben den Set-Angeboten kaufte kaum jemand zusätzliche Objektive.

Der Objektiv-Markt geht in die richtige Richtung. Wir merken, das System wächst. Noch vor wenigen Jahren gab es kaum geeignete Angebote, die Kunden mussten mit den Sets aus Kamerabody und dem Einstiegs-Objektiv auskommen. Die Hersteller haben nachgerüstet, auch Nachbau-Objektive sind bereits erhältlich. Nun gibt es zum Beispiel Portrait-Objektive um ungefähr 200 Euro. Im Spiegelreflex-Bereich kosten diese zwischen 800 und 1.400 Euro.

Höherwertige System- und Spiegelreflexkameras sollen den Verkaufsrückgang bei billigeren Kompaktkameras kompensieren. Gelingt das?

Wir merken, dass es einen Boom zur Fotografie gibt. Smartphones sind dabei der Einstieg. Die Kunden haben so die Lust zum Fotografieren entdeckt, früher oder später entscheiden sich viele dann aber doch für eine bessere Bildqualität. Hier bieten Systemkameras Vorteile: Sie sind klein, lösen sehr schnell aus und haben lichtstarke Objektive.

Bei Kompaktkameras haben die Hersteller sehr lange auf möglichst viele Megapixel gesetzt. Das ist aber nicht ausschlaggebend. Vielmehr muss auch die Bauweise stimmen, die größeren Sensoren und besseren Objektive sprechen auf jeden Fall für die Systemkamera.

Was sind aus Ihrer Sicht die Trends am Fotomarkt?

Wir sehen durch den Preisverfall bei Fotokameras ganz klar den Trend zu mehreren Apparaten. Mit Kameras ist es wie mit Schuhen. Man hat nicht nur ein Paar Schuhe und nutzt sie fürs Tanzen, Laufen oder beim Theaterbesuch. Für unterschiedliche Gelegenheiten gibt es passende Kameras. Für den Schnappschuss nutzt man das Smartphone, für Reisen die System- oder Spiegelreflex- und für Sportbilder oder den Skiurlaub eine spezielle wasserdichte und stoßfeste Outdoor-Kamera.

Ebenfalls sehe ich den Trend hin zu Kameras mit WLAN-Anbindung: Also beispielsweise Kameras mit dem Android-Betriebssystem. Im App-Store gibt es ja bereits viele Fotobearbeitungsprogramme, das ist auf jeden Fall ein Plus und im Vergleich zu Smartphones haben diese Kameras ein echtes optisches Zoom. Ob es allerdings der große Run wird, kann man noch nicht sagen.

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Systemkameras

Systemkameras sind Fotoapparate mit Wechselobjektiven. Im Vergleich zu günstigeren Kompaktkameras werden größere Sensoren und lichtstärkere Objektive verwendet. Die Bildqualität ist deshalb mit Fotos von Spiegelreflexkameras vergleichbar. Neben Panasonic - ihre Lumix DMC G1 war die erste Systemkamera - Olympus, Pentax, Samsung oder Sony hat zuletzt auch Canon eine eigene Systemkamera vorgestellt. Die Preise der Kameras reichen von 200 bis über 1.000 Euro.

Elektronikhändler Robert F. Hartlauer

Elektronikhändler Robert F. Hartlauer

Elektronikhändler Robert F. Hartlauer

Hartlauer

Der Elektronikhändler Hartlauer mit Hauptsitz im oberösterreichischen Steyr wurde 1971 von Franz Josef Hartlauer gegründet.
Heute hat das Unternehmen 160 Filialen mit 1.360 Mitarbeitern. Der Umsatz der Hartlauer Handeslgesellschaft m.b.H. im Geschäftsjahr 2010/11 betrug laut Firmenbuch rund 180 Millionen Euro.

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