21.01.2013, 11:21  von Evelin Past

Kik, Mayr-Melnhof und Andritz stehen am Pranger

Umstrittenes Wasserkraft-Projekt Belo Monte / Bild: EPA

CSR. Die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen steht im Fokus des österreichischen Projekts "Schandfleck 2012". Auch zwei börsennotierte Konzerne sind für den Negativ-Preis nominiert.

Das Thema Corporate Social Responsibility (CSR) steht seit 2006 im Fokus des Netzwerks Soziale Verantwortung. Um ihre Tätigkeit stärker in die Öffentlichkeit zu rücken, werden Unternehmen, Organisationen, Institutionen und Einzelpersonen, die besonders verantwortungslos und ohne Rücksicht auf soziale oder ökologische Schäden gehandelt haben, mit einem Anti-Preis ausgezeichnet. Der Schmähpreis "für das unverantwortlichste Unternehmen 2012" wird Ende Februar verliehen. Noch kann jeder online abstimmen.

"Die Auswahl der Shortlist ist der Jury nicht leichtgefallen", erklärt Franz Fiala, Vorstandsvorsitzender des Netzwerk Soziale Verantwortung in einer aktuellen Aussendung. "Die durch Verantwortungslosigkeit besonders auffällig gewordenen Unternehmen zeigen schon sehr deutlich die Notwendigkeit einer verschärften Regulierung und Kontrolle österreichischer und europäischer Unternehmen einschließlich ihrer Auslandsaktivitäten."

Verheerender Brand in Textilfabrik

So wurde etwa das deutsche Textilunternehmen Kik, im Zusammenhang mit der Brandkatastrophe in Pakistan, vorgeschlagen. In der dort ansässigen Fabrik Ali Enterprise, die für Kik Textilien produzierte, starben im vergangenen September 259 Menschen wegen unzureichender Brandschutzvorrichtungen.

Der Textildiscounter ließ die Katastrophe freilich nicht unkommentiert auf sich sitzen. So sieht Kik sich - unabhängig von der Klärung der Schuldfrage - in der Verantwortung, den Menschen zu helfen. Ein Vierteljahr nach dem verheerenden Brand wurden die ersten Gelder aus einem Hilfsfonds des deutschen Textildiscounters ausgezahlt.

Die ersten 250.000 US-Dollar seien überwiesen und stünden für eine weitere Verteilung zur Verfügung. Die Hilfe sei besonders für Familien vorgesehen, die aktuell noch keine Entschädigung von den pakistanischen Behörden bekommen hätten. Insgesamt will Kik 500.000 Dollar zur Verfügung stellen.

Liverpool-Schließung nicht rechtskonform?

Ebenfalls im Visier der Ordnungshüter für soziale Gerechtigkeit ist das Unternehmen Mayr-Melnhof Packaging, Europas größter Faltschachtelproduzent, geraten. Bei der Schließung des Werks in Liverpool am 29. März 2012 sollen die Rechte des örtlichen wie auch des Europäischen Betriebsrats nicht gewahrt worden sein.

Allerdings wurde nach internationalen Gewerkschaftsprotesten inzwischen ein Sozialplan für die 161 Beschäftigten ausgearbeitet. "Mit dem nun vorliegenden Verhandlungsergebnis wurde eine für beide Seiten akzeptable Lösung gefunden", kommentiert der Vorsitzende der Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier (GPA-djp), Wolfgang Katzian das Verhandlungsergebnis im Mai.

Die Beschäftigten erhalten über die gesetzlich vorgesehenen Gehaltsfortzahlungen hinaus Abfertigungszahlungen, gestaffelt nach Betriebszugehörigkeit bis zu einem Maximum von 80 Wochenlöhnen. Bei langer Beschäftigungsdauer gibt es eine Extraprämie. Alle während des Arbeitskampfes ausgesprochenen Entlassungen wurden zurückgenommen.

Kraftwerk in Brasiliens Amazonas-Gebiet

Als drittes Unternehmen wurde der Grazer Anlagenbauer Andritz in das Negativ-Ranking aufgenommen. Der Grund: Die Beteiligung an dem brasilianischen Staudammprojekt Belo Monte, in deren Folge Menschen vertrieben werden und weitreichende Zerstörungen der Umwelt zu erwarten sind, wie das Netzwerk Soziale Verantwortung berichtet.

Dass Brasilien inzwischen mehrmals ein Baustopp gegen das Wasserkraft-Projekt Belo Monte (Amazonas-Gebiet) verhängt hat, nimmt der steirische Anlagenbauer gelassen Er bangt nicht um seine Aufträge an dem Megaprojekt. „Bei derartigen Großprojekten seien Verzögerungen nichts Unübliches", hieß es im August von Andritz gegenüber der APA.

Der "Schandfleck des Jahres" wird zum Welttag der sozialen Gerechtigkeit, am 20. Februar 2013, im Off-Theater in Wien im Rahmen einer Gala verliehen.

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Was ist CSR?

Corporate Social Responsibility (CSR) ist die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen. Dabei handelt es sich um ein Konzept, das Unternehmen eine Grundlage liefert, um auf freiwilliger Basis soziale Belange und Umweltbelange in ihre Unternehmenstätigkeit und in die Wechselbeziehungen mit den Interessensgruppen zu integrieren.

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