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06.12.2012, 18:05 von Esther Mitterstieler
Der Tag des Herrn ist dafür da, in sich zu gehen und die Arbeit ruhen zu lassen. Nach dem Besuch der Heiligen Messe ist es besonders in der Weihnachtszeit manchen Leuten ein Bedürfnis, ein paar Einkäufe zu erledigen - und bitte nicht nur am Weihnachtsmarkt. Bummeln gut und recht, aber nur in Schaufenster zu schauen ist für die meisten halt etwas wenig. Windowshopping statt wahres Shoppen macht Wien im Gegensatz zu Paris oder Rom zu einer Provinzstadt, hat Kollege Michael Vorauer kürzlich kommentiert. Recht hat er. Ich bekenne mich als echter Einkaufsmuffel. Und trotzdem hat mich früher an den vier Sonntagen vor Weihnachten nicht nur der angenehme Duft von Zimtsternen und Glühwein in die Bozner Innenstadt gelockt. Und die üblichen Ladenöffnungszeiten waren vor 20 Jahren auch nicht viel breiter angesetzt als heute in Österreich. Trotzdem hat niemand die Südtiroler davon abgehalten, in der Vorweihnachtszeit kräftig Geschäft zu machen. Nun ist Bozen mit Wien nicht zu vergleichen.
Unehrlich.
Trotzdem ist die ganze Diskussion hierzulande unehrlich. Weihnachtsmärkte ja, und andere Geschäfte nein? Wo soll der große Unterschied sein? Dass Mitarbeiter nicht sonntags arbeiten müssen bzw. sollen? Das ist in diversen Branchen der Fall: Warum sollen Läden in den Bahnhöfen dürfen und die anderen alle nicht? Man mag die Ansichten des Einkaufszentrum-Betreibers Richard Lugner teilen oder nicht: Es ist originell, dass der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte seine Beschwerde wegen der Sonntagsöffnung zur Bearbeitung angenommen hat. Was Wien verbietet, sieht Brüssel anders. Und das ist gut so. So viel Meinungsvielfalt sollte sein - wie auch immer der Streit ausgeht. Originell ist dementsprechend auch die Sonntagsöffnung von Spar in Salzburg und Lugners Anzeige dagegen - wegen Verdachts der Verletzung des Öffnungszeitengesetzes. Weil er sich zu Recht benachteiligt fühlt. Hier zeigt sich der Nachteil der Gesetzgebung: ein Fleckerlteppich über die Bundesländer, ein Ausnahmefall nach dem anderen, ein Bild mangelnder Klarheit. Man fühlt sich ungut an das ebenso unerklärliche Nichtrauchergesetz erinnert.
Das Fehlen klarer Regeln öffnet die Tür für Willkür. Man hat das Gefühl, in Österreich sind Dinge manchmal sehr kompliziert, die anderswo nach kurzem Gemurre anstandslos akzeptiert werden. Wer hätte die rigide Einhaltung des Nichtrauchergesetzes in Italien für möglich gehalten? Also könnten wir auch mal etwas Neues probieren. Resistenz gegen eine längere Öffnung der Geschäfte ist nicht mehr zeitgemäß. Mitarbeiter müssen natürlich ordentlich entlohnt werden. Viele Menschen mögen Feiertagsdienste auch, um sich ihr Gehalt aufzubessern. Es lebe der Sonntag für jene, die arbeiten (müssen) und jene, die ruhen dürfen. Mehr Flexibilität auch in den Köpfen wäre gut.
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11:33
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16.05.2013, 21:59
Zur Sache. Die Krise ist noch nicht vorbei, das zeigen aktuellen Konjunkturdaten. Ob wir die Vereinigten Staaten von Europa brauchen, ist allerdings eine andere Frage.
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Kommentare
2 Kommentare
Gast: CEO KMU meint
Shopping ist Teil unseres Freizeitverhaltens. Immer öfter und immer mehr.
Niemals am Sonntag. Natürlich.
Da frägt man sich: Geht's noch blöder?
Witz zum Thema: Was machen die Handelsangestellten am Montagmorgen in den österreichischen Innenstädten? Sie reinigen die Fensterscheiben, an denen sich die Kunden am Sonntag die Nasen platt gedrückt haben.
Nebenbei: Nach einer anstrengenden Arbeitswoche nutzen wir den Samstag zur Erholung. Enspanntes Einkaufen am Sonntag wäre durchaus ein Anreiz zum Geldausgeben. Geht aber nicht. Weil alles zu.
Dialog
Gewerkschaft: "Ätsch"
Wirtschaft: "Ihr seid gefeuert"
G: "?"
W: "Ätsch"
DAS ist gelebte Sozialpartnerschaft.
verfasst am 10:05 07.12.2012
Gast: Leser12 meint
verfasst am 13:42 09.12.2012