26.11.2008, 17:12  von Roland Graf

Gastkommentar: Das Pyramidenspiel mit den Gehältern

Bild: WB/Draper

Schließlich schreibt auch die Wirtschaft der Politik nicht vor, wie sie ihr Haus zu bestellen hat.

Gibt es „ein zu extremes Gehalt“? Ehe man sich mit dem Verbot von Monatseinkommen über einer gewissen Summe X – denn genau das meint das sanfte Wort Gehaltsdeckelung – beschäftigt, gilt es, diese Frage zu klären. Die Antwort aus österreichischer Sicht kann nur lauten: Vielleicht, aber nicht bei uns.

Überbezahlung.

Eine Betracht­ung der Verantwortung und des entsprechenden Gehalts relativiert das Geschrei um die „Überbezahlung“ ziemlich: Für rund 50 Millionen Umsatz und 70 geführte Mitarbeiter sind es im Schnitt monatlich – um den Spitzensteuersatz zu bereinigende, also fast halbierte –, 11.000 €.

Mißverständnis Nummer zwei: Die Ablehnung eines staatlichen Eingriffes bedeutet per se kein Bekenntnis zum ungezügelten Markt. Damit stellt man nur die Gewaltenteilung außer Frage, auf die wir gerade „im Westen“ lange Jahrzehnte äußerst stolz waren. Der Staat schafft den rechtlichen Rahmen, in dem sich unternehmerisch tätig werden lässt, die Gewinne fließen ihm dafür über Steuern zu.

Überschneidungen gibt es: Firmen erfüllen freiwillig Sozialstandards über das gesetzliche Maß hinaus, der Staat profitiert von den eigenen Gesetzen, wo er – wie im Tankstellen-Bereich – selbst als Unternehmen auftritt. Die Trennung hat sich bewährt, Staat und freie Wirtschaft sind mächtige Bereiche, aber auch immer nur Teile der Gesellschaft, die sich nie absolut setzen sollten.

Echter Gradmesser.

Schließlich schreibt auch die Wirtschaft der Politik nicht vor, wie sie ihr Haus zu bestellen hat. Sollte man als Gradmesser für unbedankte Politik jene Mandate, die dem Stimmenanteil der Nichtwähler entsprechen, schlicht unbesetzt lassen? Warum etwa nehmen sich ausgerechnet Parlamentarier von den „Anfütterungs­bestimmungen“ im neuen Korruptionsrecht aus? Kurz, auch umgekehrt lässt sich trefflich am Kopf, an dem der Fisch angeblich zu stinken beginnt, ansetzen.

Ebenfalls lediglich Symbolcharakter hätte auch die Grenze für Gehälter: Das „eingesparte“ Geld käme niemandem zugute, es geschieht dadurch keine Umverteilung, es löst sich keine Krise, es sinkt keine Inflation – ganz im Gegenteil. Genau das wäre aber der Fall bei einer Anhebung des Eingangswertes zum Spitzensteuersatz von anachronistischen 50.000 € per anno.

Wenn man das Spiel um die Gehaltspyramide eröffnet, dann bitte mit möglichst vielen Gewinnern. Ein Pyramidenspiel, an dessen Ende es allen ein wenig schlechter geht, bietet keinen Konsumimpuls – und den bräuchte es dringend.

* Roland Graf ist Generalsekretär des Wirtschaftsforums der Führungskräfte (WdF)

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Kommentare

4 Kommentare

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"Eine Betracht­ung der Verantwortung und des entsprechenden Gehalts relativiert das Geschrei um die „Überbezahlung“ ziemlich" - Ja, ziemlich wenig! Die große Verantwortung, die ein Top-Manager hat, muss er nur gemeiner weise nicht selbst ausbaden! Wenn sein Unternehmen, das ihm diese - saftige - Überbezahlung gönnt, schlechte Zahlen schreibt, dann definiert der große Verantwortungsträger in aller Regel, wie viele Leute ihre Sachen packen können. Wenn es ganz schlimm hergeht und der groß angelegte Mitarbeiterabbau, der potenziell Tausende "kleine Leute" in gewaltige Probleme stürzt, nicht fruchtet, dann geht er halt - vielleicht nicht mit einem Golden Handshake - und nimmt bald darauf eine ähnliche Position bei einem ähnlichen Unternehmen ein... Verantwortung ist also m.E. ein dürftiges Argument für Millionengagen!

verfasst am 28.11.2008, 16:39

Wenn einfach nur "Manager" weniger verdienen und sonst keine Änderung eintritt, dann wird nichts verteilt, das stimmt. Das eingesparte Gehalt könnte man aber durchaus in Form von Prämien oder auch gleich Gehaltserhöhungen an Mitarbeiter der "tieferen" hierarchischen Ebenen ausschütten - et voilà: Hier haben wir die Umverteilung!

verfasst am 28.11.2008, 16:32

Also, wenn das Interview seriös und komplett die Meinung wiedergibt, dann: Selten solch eine unqualifizierte Äußerung gelesen!
Weder Ahnung vom öffentlichem Recht, Gesellschaftsrecht, Soziologie, Rechtsphilosophie..und dergleichen..
Beispiel: Gewaltenteilung..was hat denn das damit zu tun hier? Das trifft nur auf das Verhältnis im Staatsverband zu..
Firmen halten sich freiwillig an soziale Standards..mal was ganz neues...das sie das dann im Ergebnis tun, wird als Freiwilligkeit dargestellt..wow..selten solch Zynismus gelesen..
Kalr....Spitzenmanager machen alles selbstständig, dh verdienen sie solche exorbitantes Gehalt...und was ist mit dem Rest der Firma?Diese Leute tun also nichts?Die Firma überlebt also nur aufgrund eines einigesn Menschen oder eines Vorstandes..?Der Mehrwert wird nur von diesen geschafen?

verfasst am 28.11.2008, 12:35

verfasst am 28.11.2008, 12:35