01.12.2008, 10:29  von Peter Untersperger

Gastkommentar: Schnell neue Bildungsakzente setzen

Bild: WB/Mayr

Die chemische Branche birgt enormes Zukunftspotenzial - die Nachfrage nach qualifizierten Mitarbeitern steigt.

Die nächste Bundesregierung wird sich der Herausforderung stellen müssen, den Innovations- und Wirtschaftsstandort ­Ös­t­erreich nachhaltig zu sichern. Dass dafür dringender Handlungsbedarf in der Bildungspolitik gegeben ist, belegen internationale Vergleichsdaten: Die OECD mahnt uns ständig wegen unserer niedrigen Anzahl an Akademikern, die auch die erfolgreiche Entwicklung der österreich­ischen Wirtschaft gefährdet.

Betroffen davon ist auch die chemische Industrie, die auf innovative Nachwuchskräfte angewiesen ist. Diese fallen jedoch nicht vom Himmel. Nicht zuletzt PISA signalisiert uns, dass bereits in der Schule begonnen werden muss, junge Menschen zu fördern: Jeder sechste österreichische Schüler hat gegen Ende der Pflichtschulzeit große Mängel im naturwissen­schaftlichen Wissen. Und was die Motivation für den naturwissenschaftlichen Unterricht betrifft, ist Österreich das Schlusslicht.

Wer glaubt, dass Schüler grundsätzlich nicht begabt sind, irrt. Dies haben uns über tausend junge Menschen - die begeistert an den Aktivitäten der über 110 Schulen zu den Aktionstagen „Faszination Chemie" teilgenommen haben - vor Augen geführt.

Chancen nutzen.

Was wir brauchen, sind neue Akzente für den Chemieunterricht: Mehr Unterrichtsstunden ermöglichen mehr Zeit für praxisnahen Experimentierunterricht. Das Einfließen von Chemie als lebende und erlebte Materie bereits in der Volksschule weckt Interesse und baut Berührungsängste ab. Wenn Österreichs Schulen zusätzlich mit den notwendigen Räumlichkeiten und Utensilien ausgestattet werden, sodass mehr spannende „Chemie-Übungen" als bisher angeboten werden können, kommen wir dort hin, wo wir hinwollen.

Nutzen wir die Chance.

Die chemische Branche birgt enormes Zukunftspotenzial für junge Menschen, sie ist mit ihrer steigenden Nachfrage nach qualifizierten ­Mitarbeitern ein Schlüsselfaktor.

Wenn bei der Chemieolympiade 2007 in Moskau alle vier österreichischen Teilnehmer eine Medaille erringen können und in Budapest 2008 vier Silbermedaillen an die Österreicher gehen, wird deutlich, dass wir uns mit unseren Talenten nicht zu verstecken brauchen. Es liegt an Österreich und an seiner Bundesregierung, wie wir die steigende Herausforderung der verschärften internationalen Konkurrenz - insbesondere aus Asien, China und Indien - anpacken werden. Das Potenzial ist da - es braucht nur noch Mut für neue Akzente und zielgerichtete Förderung unserer jungen Menschen.

* Peter Untersperger ist Obmann Fachverband Chemische Industrie sowie der CFO Lenzing AG

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