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16.08.2012, 10:50 von Martin Sturm
Wien. Europa verliert international zunehmend an Bedeutung - und somit jedes einzelne europäische Land. Sowohl der Anteil der europäischen Bevölkerung gegenüber der Weltbevölkerung wie auch der Anteil der europäischen Wirtschaftsleistung an der Weltwirtschaftsleistung nehmen permanent ab.
Das heißt aber auch, dass kein Nationalstaat in Europa, global gesehen, noch eine wichtige Rolle spielt. Selbst ein Land wie Deutschland könnte langfristig allein gegenüber den USA und den aufstrebenden BRIC-Staaten nicht wirkungsvoll agieren. Aus diesem Grund ist es aus meiner persönlichen Sicht begrüßenswert, dass man sich auf europäischer Ebene Gedanken über ein engeres Zusammenwirken macht - obwohl wir hier der Zeit schon hinterherlaufen. Eine gemeinsame Finanz- und Wirtschaftspolitik auf EU-Ebene kann sicher Vorteile bringen, da ein transparenterer Einblick in die Budgets der Länder so einiges an Schwierigkeiten, wie wir sie jetzt erleben, abwenden könnte.
Es bedarf einer Volksabstimmung
Damit bei einer solchen Volksabstimmung die Bevölkerung auch wirklich beurteilen und entscheiden kann, ist eine umfassende und aufklärende Berichterstattung notwendig.
Dieses Thema ist so wichtig für die Zukunft von ganz Europa, dass populistische und machtpolitische Interpretationen von Parteien, Experten und Medien dabei nichts verloren haben. Da ist eine faktenbezogene, sachliche Diskussion erforderlich. Wenn es allen Beteiligten nicht gelingt, in diesem Punkt vernünftig zu agieren, dann kann das weitreichende Konsequenzen für Österreich, aber auch für Europa haben.
Die derzeitige Situation der europafeindlichen Stimmung, die oft auch durch Populismus verursacht wird, ist sicher nicht die richtige Basis für eine Volksabstimmung von großer Tragweite. Leider sind aber auch die Politiker nicht in der Lage, den Menschen die EU oder das Projekt Europa zu erklären.
Daher wäre es unbedingt erforderlich, dass Europapolitiker wesentlich mehr Gehör bekommen. Wir können uns nicht erwarten, dass speziell Politiker der österreichischen Regierung, die mehr Befehlsempfänger der EU sind als dass sie Europa mitgestalten, der Bevölkerung die EU näherbringen. Vielmehr wird für jene Politiker die EU schon als Ausrede für alle möglichen Entscheidungen herangezogen.
Dampfwalze
Die österreichischen Bürgerinnen und Bürger haben das Gefühl, von der EU „überrollt" zu werden. Somit wird auch bei jeder EU-Wahl nicht ein österreichischer Vertreter gewählt, der das Projekt Europa voranbringt und die Gemeinsamkeit stärkt, sondern jemand, dem man zutraut, dass er es „denen in Brüssel zeigt" und nur dazu da ist, Österreich „gegen die EU zu verteidigen".
Dieses Bewusstsein in der Bevölkerung sollte man endlich ändern. Wünschenswert wäre auch, dass man bei der EU-Wahl nur aus einem Angebot europäischer Parteien wählen kann. Dann wählt man eben eine EVP (Christdemokraten, Konservative), SD (Sozialdemokraten) oder die ALDE (Liberale), um nur die drei zurzeit stärksten Fraktionen im europäischen Parlament zu nennen.
Wir befinden uns in einer globalisierten Welt und nutzen auch die Annehmlichkeiten daraus. Auf diese Veränderung muss man sich einlassen und darf nicht dagegen ankämpfen. Veraltete nationalistische Denkmuster müssen aufgegeben werden, ohne dass dabei die österreichische Identität verloren geht.
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