11.02.2014, 12:15  von Manfred Moschner

Hypo Alpe Adria: Ein schwarzes Loch

Die Bilanz der Hypo Alpe Adria offenbart allerlei interessante Zahlen / Bild: (c) APA/BARBARA GINDL (BARBARA GINDL)

Ende November wurde gemeldet, dass die Hypo Alpe Adria Bank (HAA) 300 Millionen € an Beratungshonoraren gezahlt habe – bei einem durchschnittlichen Stundensatz von 365 €. Die Öffentlichkeit nahm davon wenig Notiz.

Dies ist insofern bedauerlich, als sich erstaunliche Erkenntnisse offenbaren: 300 Millionen € ergeben bei einem Durchschnittssatz von 365 € pro Stunde 821.918 verrechnete Arbeitsstunden bzw. 102.740 Arbeitstage (zu einem Tagessatz von 2920 € pro Arbeitstag). Bei durchschnittlich 210 Arbeitstagen pro Jahr ergeben sich 489 Arbeitsjahre. Bei Beratern darf vom Einsatz von maximal 25 Prozent ausgegangen werden. Ergebnis: Für die HAA waren 489 Top-Berater jeweils vier Jahre tätig.

So viele Top-Berater mit diesen Tagessätzen gibt es am freien Markt in ganz Österreich nicht. Und die, die es gäbe, arbeiten nicht für die HAA. Fragt man nach, erhält man die Antwort, dass die HAA alles allein regle. Die 300 Millionen werden vom österreichischen Steuerzahler bezahlt werden.

Wer bediente sich am Futtertrog?

Zum Vergleich: Gemäß Jahresfinanzbericht der HAA-Gruppe betrugen die Personalaufwendungen 2012 gesamt 259 Millionen €, andere Verwaltungsaufwendungen 190 Millionen €. Es drängt sich die Frage auf, für wen der Futtertrog so prall gefüllt wurde.

Hypo-Abwicklung lässt Staatsschulden schlagartig steigen

Zuviel Risiko. In der HAA-Bilanz stößt man auf viel Interessantes: So sind 15,7 Milliarden € Kredite (von 24,4 Milliarden) an Branchen mit Ausfallsrisiken vergeben. Davon 3,4 Milliarden in Branchen mit Konzentrationsrisiken (Real Estate &Tourismus). Aufs Kreditportfolio wurden Kreditrisikovorsorgen von 3,07 Milliarden € getätigt-12,5 Prozent des Gesamtportfolios. Für "normales" Bankgeschäft gilt, dass Kreditausfälle von mehr als zehn Prozent bei halbwegs funktionierendem Risikomanagement nicht vorkommen dürfen/können-darüber hinausgehende Ausfälle sind ein klarer Hinweis auf aktive Mittäterschaft der involvierten Entscheidungsträger.

Selbst unter der Annahme, dass die "gesunde" Banktätigkeit schon reduziert wurde und sich daher der Anteil notleidender Kredite erhöht hat - und daher weitere zehn Prozent Ausfälle zu erwarten sind - ergibt sich ein weiterer möglicher Kreditausfall von 1,6 Milliarden € - per 31. Dezember 2012. Der Verkauf österreichischer Bankaktivitäten reduziert 2013 die Summe der aushaftenden Kredite. Nachdem Verkäufer aber für die Einbringlichkeit der übertra genen Aktiva haften, ändert sich an Beträgen nichts.

In der HAA befinden sich laut Bilanz keine (außerbilanziellen) Wettgeschäfte. Kumulierte Verluste aus Derivaten sind mit 782 Millionen € berücksichtigt. Sie stammen aus echten Absicherungen. Ebenso befinden sich praktisch keine Spareinlagen mehr in der HAA, die gerettet werden müssten.

Hypo/BayernLB: Wir sagen es gleich, mir warns nicht

Fragen über Fragen...

Unter der Annahme, dass sich die Bilanzen auf dem letzten Stand befinden, ist folgende vereinfachte "Schadensrechnung" möglich: 3,2 Milliarden € bei Verdoppelung des bilanziell schätzbaren obigen Verlusts (zusätzlich zu den schon berücksichtigten Kreditrisikovorsorgen), dazu jeweils eine Milliarde € für noch nicht absehbare Schadensfälle und für Abwicklungskosten ergibt einen maximalen Verlust von 5,2 Milliarden €.

Geringer Ausfall. Daraus ergibt sich dieses Konkursszenario: 5,2 Milliarden € als maximale Schadensschätzung: 1,9 Milliarden € Eigenkapital, 1,9 Milliarden € Nachrangkapital. 1,4 Milliarden € Differenz ergebe eine Konkursquote von 95 Prozent für die übrigen Gläubiger.

Mehr als die Hälfte (750 Millionen €) sind durch Haftungen des Landes Kärnten abgesichert, der effektive Forderungsausfall läge bei 2,5 Prozent.

Wieso geht die HAA-Gruppe nicht sofort in Konkurs?

Hypo: Netzaktivisten machen mobil gegen Spindeleggers "Anstalt"

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Der Autor ist Geschäftsführer der ACS Acquisition Services

Kommentare

14 Kommentare

Wohl eher ein blaues Loch. Oder ein Jörg Haider Loch.

verfasst am 06.05.2014, 11:36

vor allen ein T I E F E S L O C H !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
aber ernte: die Assets werden zwischen 5 und 30% des Realwertes bewertet. Ich schnall's nicht mehr. Nur mehr Dilettanten am Werk????????????` Ich muss bei anderen Postern Anleihen treffen: ich kann nicht so viel essen wie ich Ko..n wollte!!!!

verfasst am 13.04.2015, 19:21

Vor einigen Tagen im Handelsblatt. Die Bankenrettung durch den Steuerzahler ist die größte Umverteilung , von unten nach oben !!!

verfasst am 16.02.2014, 17:45

Sie sollten schauen, wer "oben" ist, und bitte über den Tellerrand Österreichs hinausschauen, etwa in die Wallstreet oder City of London. Die kaufen die Assets um 10 bis 20% des Realwerts der HAA. Und machen bis zu 400 % Rendite - gibt's so was????????

verfasst am 13.04.2015, 19:23

Gast: Karo meint

Diese HAA ist nur durch die Mithilfe von Schüssel möglich gewesen, der Haider halten musste um "Kanzler " bleiben zu können. Dass nun mittlerweile 3 ÖVP-Finanzminister versuchen dies so lange zu verschleiern, hat sicher mit Reifeisen zu tun. Wenn die ÖVP Finanzminister die Gläubiger aufdecken, welche da super sauber , wie Grasser, mitgeschnitten haben, dann werden diese hoffentlich bald Geschichte sein. Dollfuß und Schüssel gehören abgehängt! Der eine hat auf Österreicher schießen lassen und der andere lässt unsere Kinder noch für seine Machtgier zahlen.

verfasst am 14.02.2014, 09:24

Ich kann mir vorstellen, warum sich alle Politiker gegen einen Konkurs sträuben:
dann wären doch alle die diesen verschleppt habne (pröll, Fekter,...) im Sinne einer Konkursverschleppung straffällig

verfasst am 13.02.2014, 07:57

Weil die rot-schwarzen Politiker den Raiffeisenkonzern, die Kommunalkredit und die Volksbanken AG mit den angeblichen HAA-Verlusten finanzieren. Alles klar?

verfasst am 11.02.2014, 19:24

Gast: snugs meint

Nachdem wir bis jetzt immer angelogen wurde, ist anzunehmen, das der tatsächliche Schaden doppelt so hoch ist.

verfasst am 11.02.2014, 16:35

Versklavungsinstitute dürfen nicht in Konkurs gehen !

Die Sklaven wüssten nicht was sie mit ihrer Freiheit machen sollten.

verfasst am 11.02.2014, 13:57

Gast: Rudi98 meint

Beraterkosten?
Ich kenne halbsttaatliche Firmen, da geben sich die Berater die Klinke in die Hand - weil die hauseigenen "Fachleute" keinen blassen Schimmer von der Materie haben, wofür sie eigentlich angestellt wären!
Versorgerposten für Parteigänger - ohne Ahnung - daher die hohen Beraterkosten!

verfasst am 11.02.2014, 13:53

Chris Carl meint

Hypo ist Sotchi mit einem AAA+ Loch. Freut euch auf die EU- Wahlen
entwürdigte VerantwortungsträgerInnen.

verfasst am 11.02.2014, 13:44

Tja, sehr gute Fragen, die ihr da stellt. Was ich auch noch nicht gelesen habe: WER sind eigentlich die säumigen Schuldner, die anscheinend von Jahr zu Jahr mehr werden? Hat die HAA Kredite ausschliesslich an Leute vergeben, die nicht zahlen? Kulterer & Co sind ja keine Irren. Wer sind - namentlich! - diese Leute, die die "notleidenden" Kredite notleiden machten? Datenschutz? Bankgeheimnis? Das stinkt ja hinten und vorne.

verfasst am 11.02.2014, 13:39

Der Beitrag hat nur eine Schwäche - der letzte Satz müßte der erste sein... aber wahrscheinlich KANN die Bank gar nicht in Konkurs gehen, weil es wahrscheinlich bundesweit andere Bankinstitute gibt, die dieser Provinzbank auch noch Finanzmittel oder Sicherheiten zur Verfügung gestellt haben.... eigentlich sollte es uns egal sein. Die Insolvenz würde wenigstens die WAHRHEIT an den Tag bringen. Diese andauernde bewußte Täuschung der Öffentlichkeit ist für jeden Staatsbürger unerträglich!

verfasst am 11.02.2014, 12:19

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