13.01.2016, 07:24  von Herbert Kronaus, Österreich-Chef bei Columbia Threadneedle Investments

Börsen unter Druck: Auf ein frohes neues Aktienjahr

Bild: REUTERS (LUCAS JACKSON)

Die jüngsten Kurskorrekturen an den Aktienmärkten eröffnen aktiven Anlegern gute Chancen. Wichtig ist eine Rückbesinnung auf Anlagemethoden der "alten Schule".

Der Start ins Jahr 2016 ist für Investoren verbreitet holprig verlaufen. Nach den Kursverlusten an den Aktienmärkten in Europa, Asien und den USA zu Beginn des Jahres stellt sich die Frage, welche Chancen und Risiken die Kapitalmärkte 2016 bereithalten werden. Kurz gesagt: Ein Spaziergang wird der Weg zur Rendite vermutlich ebenso wenig werden wie im Vorjahr. Dennoch dürften sich mehr Chancen für aktive, kritische Anleger ergeben-nicht zuletzt wegen der erhöhten Kursschwankungen. Günstig sind die Gelegenheiten unserer Ansicht nach besonders bei europäischen und japanischen Aktien.

Das Handelsumfeld für europäische Unternehmen ist dank quantitativer geldpolitischer Lockerung, niedriger Energiepreise, eines schwachen Euro und einer lockereren Kreditvergabe günstig. Viele europäische Unternehmen (außerhalb des Finanzsektors) besitzen gesunde Bilanzen und Cashflows, weshalb mit weiteren Dividendenerhöhungen, Kapitalrückflüssen sowie Fusionen und Übernahmen zu rechnen ist. Wir bevorzugen Unternehmen mit soliden Ertragsaussichten und Preissetzungsmacht.

Japanische Unternehmen zeigen ein solides Gewinnwachstum. Gleichzeitig sind ihre Aktien immer noch günstig bewertet, obwohl der Markt kräftig zugelegt hat. In dieser Hinsicht verläuft die Entwicklung in Japan günstiger als in der übrigen Welt. Darüber hinaus könnten die europäische und die japanische Zentralbank weitere Konjunkturfördermaßnahmen beschließen und mit einer expansiven Geldpolitik die Märkte stützen.

China als Herausforderung

Dennoch dürften Investoren auch 2016 einige Steine im Weg liegen. China könnte sogar ein dicker Brocken werden: Unserer Einschätzung nach wird die Konjunktur dort weiter abkühlen und unter das Niveau der vergangenen Jahre von rund 7,5 Prozent fallen. Dies kann für die Weltwirtschaft negative Einflüsse bedeuten, auch wenn Chinas Wachstum im positiven Bereich bleibt. Besonders einige Schwellenländer, die Chinas Rohstoffnachfrage stark bedienen, könnten vor Herausforderungen stehen.

Hinzu kommt: Die Geldflut im Rahmen der weltweiten quantitativen geldpolitischen Lockerung, die den Märkten verbreitet Auftrieb gegeben hat, ebbt nun langsam ab. In diesem Umfeld sollte sich eine gezieltere Auswahl von und zwischen verschiedenen Anlageklassen als sinnvoll erweisen. Eine Konzentration auf Bewertungen und Fundamentaldaten-also gewissermaßen eine Rückbesinnung auf die Anlagemethoden der "alten Schule"-dürfte 2016 wichtiger sein als in den vergangenen Jahren, in denen die Märkte durch die reichlich vorhandene und zunehmende Liquidität gestützt wurden.

Aktien bleiben 2016 die bevorzugte Anlageklasse. Denn obwohl die Euphorie etwas nachgelassen hat, bieten Aktien nach wie vor im Schnitt höheres Potenzial als Anleihen. Für Anleger, die diese Chancen mit aktivem Portfoliomanagement und professionellem Risikomanagement kombinieren, kann 2016 ein weiteres gutes Aktienjahr werden.

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