01.04.2012, 23:15  von Hans-Jörg Bruckberger / Alexander Hahn

Wer kaufen will, nützt den April

Bild: WB/Peroutka

Hans-Jörg Bruckberger. Am Ende des Monats ist es vielleicht schon wieder zu spät.

Die Ampeln stehen weiter auf Grün", haben wir vor einer Woche hier getitelt. Und darauf hingewiesen, dass es für Realwirtschaft und Börsen gut ausschaut. „Natürlich können jederzeit", um uns noch einmal selbst zu zitieren, „wieder Gewinnmitnahmen einsetzen; Verschnaufpausen sind gesund."

Nun denn, in diesem Sinne war die zurückliegende Woche eine gesunde: Der DAX hat die 7000er-Marke getestet, der Dow Jones den „13.000er", was durchaus noch öfter passieren kann und ganz normal ist. Die jüngsten Rückgänge bedeuten keinesfalls das Ende dieser Hausse, sie waren ­lediglich eine Atempause.

Eine solche war ohnehin überfällig, damit die Märkte nicht überhitzen. Vergessen wir nicht: Der DAX beendet das erste Quartal immer noch mehr als 17 Prozent im Plus. Das wäre schon als Jahresperformance mehr als ansehnlich.

Wieder eine Rally verpasst? Nicht unbedingt. Denn fast alles spricht für weitere Aufschläge. Allen voran die Statistik. Der April ist einer der besten Börsemonate. Im S&P 500 Index war er in den zurückliegenden 60 Jahren hinter Dezember und November der drittbeste aller Monate, im Dow Jones sogar der beste überhaupt - mit einem durchschnittlichen Zugewinn von zwei Prozent. Und in US-Wahljahren war es ­sogar doppelt so viel.

Womit wir beim nächsten Stimmungsmacher wären: Wahljahre wie 2012 sind in der Regel gute Börsejahre. Außerdem ist der April der letzte der „guten sechs Monate".

Im Mai soll man ja getreu dem Motto „Sell in May, go away", einer statistisch wirklich eindrucksvoll belegten Börseweisheit, bekanntlich eher verkaufen und den Sommer genießen. Und erst nach Halloween, also im November (einem der stärksten Monate - siehe oben), wieder einsteigen.

Insofern wäre jetzt für längere Zeit die letzte Chance. Es sei denn, wir erleben ein zweites Jahr 2009, als die Märkte eine ähnlich abrupte Trendwende vollzogen wie Ende 2011 und auch der Sommer ein börsetechnisch heißer im positiven Sinn war. Ähnlich wie damals wurden auch diesmal viele institutionelle ­Anleger am falschen Fuß erwischt. Sie, die nicht (voll) investiert sind, werden Rücksetzer tendenziell zum Einstieg nützen.

Theoretisch, und solange keine unverhofften Katastrophen passieren, spricht alles für einen erfreulichen April. Auch, dass der Ölpreis, ein möglicher Spaßverderber für die Weltwirtschaft, zuletzt auf seinem Anstieg eine Pause eingelegt hat. Bleibt zu hoffen, dass diese länger anhält und sich der Spruch „Der April macht, was er will" auf meteorologische Gegebenheiten beschränkt und das Börsewetter außen vor lässt.

 

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