14.08.2012, 09:10  von Esther Mitterstieler

Was Frank Stronach bewirken kann

Esther Mitterstieler / Bild: Peroutka

Die Demokratie darf nicht vergessen werden, Herr Stronach!

Wien. Etwas mehr als vier Wochen ist es her und unser Leitartikel beschrieb unter dem Titel "Tempi Passati" den anscheinend bevorstehenden Eintritt Frank Stronachs in die österreichische Politik. Nun hat er es selbst via "Presse am Sonntag" verkündet: Er tritt nicht nur mit einer eigenen Partei bei den nächsten Nationalratswahlen an, er führt die Liste gleich selber an.
Egal ob mangels bekannter Personen, die bereit gewesen wären, für ihn zu kandidieren, oder nicht: Der Mann traut sich was - nicht nur in der geschichtsträchtigen Auseinandersetzung mit Lou Lorenz in der ZIB 2.Tempi passati - das ist auch weiterhin meine Meinung, die im Übrigen genauso für den italienischen Medienzaren und langjährigen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi gilt.
Die Herren Stronach und Berlusconi eint nicht nur ihr für aktive Politiker doch einigermaßen stattliches Lebensalter. Das hätten Griechen oder Römer, aber auch sowjetische Parteigeronten als Zoll der alten Weisen an die Jungen interpretiert. Mag sein. Zumindest Erfahrung haben die Herren mehr im Leben. Ob das für einen guten Politiker reicht, ist die Frage.
Berlusconi hat lange Jahre Zeit gehabt, um zu beweisen, dass es ihm mehr um das Wohl des Landes als um private Interessen seiner Mediengesellschaft Mediaset und diverser anderer Firmenbeteiligungen ging. Noch einmal sei gesagt: Ein guter Unternehmer muss nicht per se ein guter Staatsmann sein.
Hier nun könnte und dürfte sich Herr Stronach zumindest noch von Berlusconi unterscheiden. Dass es Stronach um die Sache geht, daran zweifelt wohl niemand. Das ist wohltuend. Dass auch er schon andenken soll, sich Medien zu kaufen und also willfährig zu machen, ist aber demokratiepolitisch bedenklich.
Wie immer man zu Stronach stehen mag, eines scheint er zu erschüttern: die mühselige Gangart heimischer Politik mit den immer gleichen Ideen und Gegenvorschlägen. Frischen Wind würde Stronach auch bringen. Aber viele seiner Ideen - und das ist der Kontrapunkt -sind nicht so neu, wie manch einer glauben mag. Wer ist nicht für Schuldenabbau und Förderung des Wachstums, für mehr Demokratie und weniger Parteipolitik, für weniger Steuern und mehr Gerechtigkeit? Dafür würden wir wohl alle unterschreiben.
Wie auch immer Stronachs Politabenteuer ausgeht - gut tut es Österreich, weil frischer Wind in den Politladen weht. Sorgen macht sich aber nicht nur Stronach um Österreich - das dürfen wir auch, nämlich dann, wenn das Land nur noch wie ein Unternehmen geführt werden soll. Die Demokratie darf nicht vergessen werden, Herr Stronach!

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    Kommentare

    8 Kommentare

    Verbleibende Zeichen: 1500

    freigeld meint

    Die Beleidigungen und Diffamierungen eines politischen Mitbewerbers gehören für einen bürgerlichen Medienkonzern offenbar ins geübte Repertoire, man hätte sich nichts anderes erwarten können. Wenn das Ihre gesammelten Argumente sind gegen eine Kandidatur von Frank Stronach, dann hat er sicher leichtes Spiel.

    verfasst am 21.08.2012, 07:54

    Gast: caz meint

    Mal schauen wie lange sich der gute alte Franky im schmutzigen Politgeschäft den Gehässigkeiten des politischen Gegners aussetzen will. Aber wenn er seiner Heimat wirklich einen patriotischen Dienst erweisen will, soll er die 20 Millionen nicht in die politische Werbung stecken, sondern jungen Unternehmensgründern finanziell wie auch mit Ratschlägen unter die Arme greifen. Dafür würde man ihn dann auch allseits gerne haben

    verfasst am 15.08.2012, 10:59

    Gast: ET meint

    Frank Stronach gleich zu setzen mit Berlusconi finde ich erneut eine Frechheit! Der eine möchte aus voller Überzeugung zum Wohle des Landes handeln, der andere ist ein Mafiosi, wie es im Bilderbuch steht. Hier derartige Vergleiche anzustelllen, finde ich schon sehr bedenklich. Wäre ich Hr. Stronach, würde ich bzgl. Medien genauso handeln. Denn schlimmer als das, was sich derzeit unsere gefärbte und von Freunderlwirtschaft dominierte Medienlandschaft erlaubt, kanns mit Sicherheit nicht werden. Ich wäre sowieso für eine erneut generelle Einstellung der Medienförderung. Dann würde sich zeigen, wer sich am Markt aus eigener Kraft behaupten kann....

    P.S.: Das neue Design Eurer Homepage ist wohl als Witz gemeint, oder? Ich hoffe, da kommt noch mehr!

    verfasst am 15.08.2012, 07:55

    Wir freuen uns auf alle Anregungen, die uns bei der weiteren Optimierung der Seite helfen. Und ja: Da kommt noch mehr!

    verfasst am 15.08.2012, 11:11

    Wenn das Land wie ein Unternehmen geführt werden würde, dann hätten wir die Probleme nicht, die wir heute haben. Demnach aber würde das im Gegenzug auch bedeuten, dass jedes Unternehmen gegen die Regeln der Demokratie verstößt.

    verfasst am 15.08.2012, 00:35

    Gast: ramoe meint

    Gabs den konturenstift auch in rot?

    verfasst am 14.08.2012, 23:57

    Gast: hw007 meint

    Liebe Frau Mitterstieler, auch Unternehmen lassen sich "demokratisch" Führen. Demokratischer als AT derzeit jedenfalls.
    Es hilft aber auch das demokratisch rel. wenig, wenn es dem Abgrund zugeht. GR ist ja das Paradebeispiel.
    Eines braucht Demokratie jedenfalls, mündige Bürger, und eine Medienlandschaft welche Fakten und Zusammenhänge erarbeitet und keine vorgekauten Meinungen präsentiert.

    verfasst am 14.08.2012, 22:12

    Richtig! Demokratie bedeutet auch, alle Gesellschaftsschichten vor vorhersehbaren Schäden zu schützen. Man kann nicht immer, allen und jeden zustimmen! Verantwortung gehört wohl zu den wichtigsten Eigenschaften einer Demokratie, bevor wir uns in griechische Verschuldungsverhältnisse hineinmanövrieren! Und wenn es dann soweit ist, sind immer andere die Verursacher!

    verfasst am 16.08.2012, 17:48

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