14.08.2012, 18:35  von Daniela Freidinger

Der gelernte Europäer übt sich in Zuversicht

Bild: WB

Daniela Friedinger. Im Grunde ist es kein Wunder, dass die Europa-Euphorie steigt

Es ist ein bisschen wie die berühmte Suche nach der Nadel im Heuhaufen, wenn man dieser Tage gute Wirtschaftsnachrichten finden will. Die jüngsten BIP-Daten aus Europa verstellen zusätzlich die Sicht: Die Eurozone schrumpfte im zweiten Quartal gegenüber dem Vorquartal um 0,2 Prozent, gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es sogar 0,4 Prozent, meldete Eurostat am Dienstag. Problemländer wie Griechenland, Spanien und Italien sind ohnehin längst in die Rezession abgeglitten, sprich bei ihnen hält der Rückgang der Wirtschaftsleistung seit mindestens zwei Quartalen an. Bis Jahresende soll dieses Schicksal der Prognose zufolge auch die Eurozone insgesamt ereilen. Umso erstaunlicher ist daher die Zuversicht der österreichischen Unternehmen: Laut einer Umfrage der Wirtschaftskammer, die dem WirtschaftsBlatt exklusiv vorliegt, sind 56 Prozent der Ansicht, dass die Vorteile der EU-Mitgliedschaft für Österreich überwiegen. Das sind - allen Problemen angesichts der Euroschuldenkrise zum Trotz - um ganze sechs Prozentpunkte mehr als noch vor zwei Jahren.

Bei genauerer Betrachtung überrascht das Ergebnis dennoch nur auf ersten Blick. Und das nicht nur, weil der gelernte Österreicher sich auch in schwierigen Zeiten durchzuwursteln weiß. Vielmehr haben die österreichischen Unternehmen erkannt, dass es keine Alternative zu Europa sowie zum Euro gibt. Allein ein Austritt Griechenlands aus der Währungsunion würde Milliarden ­verschlingen. Das Worst-Case-Szenario, bei dem ein „Grexit" in der Folge auch Spanien, Portugal und Italien mit nach unten reißt, würde laut Hans-Werner Sinn, Chef des Münchner Ifo-Instituts, bis zu eine Billion € kosten - oder, wie es Charles Dallara, Geschäftsführer des internationalen Bankenverbands IIF, kürzlich so schön ausdrückte, einen Schaden verursachen, der „irgendwo zwischen Katastrophe und Armageddon" liegt.

Dass die Europa-Euphorie der österreichischen Betriebe derzeit größer ist als in den vergangenen drei Jahren, ist also nicht verwunderlich. Schließlich denkt man auch erst dann, wenn etwas ernsthaft in Gefahr ist, über gangbare Alternativen nach. Wirklich gefunden haben eine solche allerdings selbst die renommiertesten Ökonomen noch nicht. Dass sie Rückkehr zum Schilling lauten kann, Österreich seine Exportwirtschaft damit an den äußersten Rand des Geschehens drängt, kommt allerdings höchstens einem Austrokanadier wie Frank Stronach in den Sinn. Als gelernter Europäer übt man sich hingegen in (Euro-)Zuversicht.

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    Kommentare

    1 Kommentare

    Verbleibende Zeichen: 1500

    Gast: caz meint

    Mit dem Schilling wird, typisch österreichisch eben, eine Vergangenheit glorifiziert, die es so in diesem naiv positiven Sinn nie gegeben hat. Wie man es auch dreht und wendet, wir waren insgesamt noch nie so reich wie jetzt. Denn früher, als die Gummiringerl noch aus Holz waren, war eben auch der globale Wettbewerb sicher nicht so ausgeprägt wie heute. Dadurch entstehen sicher Risiken im Vergleich zurückzufallen, aber es gibt auch umso mehr Chancen die man nützen kann...

    verfasst am 16.08.2012, 13:02

    21.05.2015, 06:28

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    Leitartikel. Mit der Verabschiedung der neuen EU-Anti-Geldwäsche-Richtlinie wird es wieder ein bisschen unattraktiver, sein Schwarzgeld in Europa zu horten.

    20.05.2015, 16:36

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    Es mag ja sein, dass italienische Unternehmen sehnsüchtig den Blick nach Norden wenden und in Österreich eine bessere - weil mit mehr Förderungen ausgestattete - Landschaft sehen.

    20.05.2015, 10:15

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